Mit Syriens Zerfall ist ein Machtvakuum entstanden, um das drei regionale Projekte konkurrieren: das türkische, das israelische und das iranische. Während Ankara seinen Einfluss im Norden ausbaut, versucht Israel, seine militärische Handlungsfreiheit im Süden zu sichern. Ein arabisches Projekt, das diesen Mächten etwas entgegensetzen könnte, gibt es nicht. Es droht eine Zukunft, in der fremde Mächte ihren Konkurrenzkampf auf syrischem Boden austragen
Der Beitrag erschien am 22. September 2026 auf Englisch bei kevorkalmassian.substack
Von Kevork Almassian
Kevork Almassian ist syrischer Geopolitik-Analyst und Gründer von @SyrianaAnalysis
In den vergangenen Wochen ist mir in der israelischen Presse etwas Interessantes aufgefallen. Israelische Sicherheitsvertreter behaupten, Ahmed al-Scharaa (oder Abu Mohammad al-Dscholani, wie er jahrelang genannt wurde) baue das syrische Militär wieder auf und leite staatliche Ressourcen in den Aufbau einer großen stehenden Armee um. Laut israelischen Sicherheitseinschätzungen, über die die Jerusalem Post berichtet, verwendet Dscholani angeblich Steuereinnahmen und internationale Hilfsgelder, um Waffen zu beschaffen, militärische Infrastruktur wiederherzustellen und Streitkräfte aufzubauen, die irgendwann Israels militärische Handlungsfreiheit in Syrien infrage stellen könnten.
Eine israelische Einschätzung lautet sogar, Dscholani wolle Syrien in eine Regionalmacht verwandeln, die in mehrere Richtungen militärische Macht projizieren kann – irgendwann auch gegen Israel. Wenn ich mir aber das syrische Militär von heute ansehe, fällt es mir schwer, dieses Bild mit der Realität in Einklang zu bringen. Ich bestreite nicht, dass Dscholani eine Armee wiederaufbauen will. Natürlich will er das. Aber es besteht ein gewaltiger Unterschied zwischen dem Wiederaufbau grundlegender staatlicher Militärstrukturen und der Entwicklung zu jener regionalen militärischen Bedrohung, vor der die israelischen Geheimdienste jetzt Panik schüren.
Die heutige syrische Armee ist weder gut bewaffnet noch gut ausgebildet, sie verfügt über keine Luftstreitkräfte und keine Marine. Und selbst die Türkei scheint darauf zu achten, welche Fähigkeiten sie überträgt, weil Ankara kein Interesse daran hat, eine unkontrollierbare Konfrontation mit Israel herbeizuführen. Die israelischen Berichte mögen hinsichtlich der syrischen Wiederbewaffnung Elemente von Wahrheit enthalten, aber meiner Ansicht nach blähen sie die Gefahr auf, weil die übertriebene Bedrohung einem anderen strategischen Zweck dient.
Sehen wir uns die neue syrische Marine an, wenn man sie überhaupt so nennen kann. Das Dscholani-Regime hat kürzlich eines dieser aufwendig produzierten Militärvideos veröffentlicht, mit Drohnenaufnahmen, dramatischem Schnitt und Offizieren in voller Uniform, mit Dienstgraden und Orden. Aus PR-Sicht wissen die ausländischen Agenturen, die Dscholani unterstützen, was sie tun. Die Verpackung ist professionell. Wie die militärischen Fähigkeiten hinter dieser Verpackung aussehen, ist eine andere Frage.
Syrien verfügte vor dem Regimewechsel nie über eine starke Marine im Mittelmeer, aber es besaß Kriegsschiffe und, noch wichtiger, ernstzunehmende Fähigkeiten zur Küstenverteidigung. Syrien hatte russische Jachont-Antischiffsraketensysteme beschafft, weil Damaskus keine Marine brauchte, die im gesamten Mittelmeer militärische Macht projizieren konnte. Seine Strategie war defensiv: Angriffe auf die syrische Küste sollten teuer werden. Israel zerstörte nach Assads Sturz einen großen Teil dieser militärischen Infrastruktur. Was heute als neue syrische Marine angepriesen wird, ist nicht annähernd ein Ersatz dafür.
Wenn israelische Funktionäre mir erzählen wollen, Syrien entwickle sich schnell zu einer furchteinflößenden regionalen Militärmacht, muss ich fragen: Wovor haben sie eigentlich Angst? Fürchtet Israel wirklich eine syrische Marine, die noch immer damit kämpft, grundlegende Schiffs- und Küstenverteidigungsfähigkeiten wiederherzustellen? Macht sich die israelische Luftwaffe, eine der stärksten Luftstreitkräfte der Welt und von den Vereinigten Staaten unterstützt, plötzlich ernsthaft Sorgen wegen einer Armee, die aus 15 Jahren Krieg mit einer verwüsteten Wirtschaft und zerstörter militärischer Infrastruktur hervorgegangen ist? Oder ist die Debatte über die syrische Wiederbewaffnung nützlich, weil sie eine politische und militärische Rechtfertigung für etwas schafft, was Israel ohnehin tun will?
Ich neige stark zur zweiten Erklärung.
Das Problem ist die Türkei. Und an diesem Punkt missverstehen die Menschen bisweilen, was ich seit Jahren über die Türkei und Israel sage. Ich betrachte das Geschehen in Syrien nicht durch das simple Raster, wonach die eine Seite muslimisch ist und deshalb für Befreiung steht, während die andere israelisch ist und deshalb für Besatzung steht. Die Türkei und Israel haben unterschiedliche Ideologien, unterschiedliche Bündnisse und zunehmend gegensätzliche Interessen, aber beide Länder verfolgen imperialistische Projekte in der Region und betrachten Syrien als strategischen Raum. Nachdem der syrische Staat zerstört und die alte politische Ordnung zusammengebrochen ist, konkurrieren sie um die Kriegsbeute, arabisch „ghanima“. Ist ein Feind besiegt, teilen konkurrierende Mächte untereinander die Reste auf.
An diesem Punkt kommen Antoun Saadehs Lehren ins Spiel. Ich bin kein syrischer Nationalist, kein Panarabist und gehöre nicht der Syrischen Sozialen Nationalistischen Partei an. Saadeh verstand aber die Geopolitik der Levante, die viele panarabische politische Bewegungen nicht verstehen wollten. Panarabisten konzentrierten sich traditionell fast ausschließlich auf die israelische Gefahr und übersahen dabei häufig die türkischen Ambitionen im Norden. Die Türkei herrschte unter dem Osmanischen Reich jahrhundertelang über große Teile dieser Region. Und ich teile nicht die Vorstellung, Ankara habe mit dem Untergang des osmanischen Staates plötzlich sämtliche geopolitischen Ambitionen aufgegeben.
Die Türkei verfügt heute über Streitkräfte in Syrien, sie hat im Norden Syriens enormen wirtschaftlichen Einfluss aufgebaut. Und durch den politischen Islam und die Netzwerke der Muslimbruderschaft besitzt sie etwas, das Israel fehlt: ein ideologisches und organisatorisches Netzwerk, mit dem sich türkische Soft Power tief in die arabischen Gesellschaften hinein projizieren lässt. Deshalb sage ich, auch wenn es manchen verärgert: Würde Palästina morgen irgendwie von türkisch unterstützten Kräften „befreit“, nur um anschließend politisch Ankara untergeordnet zu werden, würde ich das nicht als Befreiung bezeichnen. Man kann nicht eine Besatzung durch eine andere ersetzen und dann die Befreiung feiern.
Befreiung bedeutet, dass die Palästinenser Palästina kontrollieren. Es bedeutet, dass Syrer Syrien kontrollieren. Es bedeutet, dass Iraker den Irak kontrollieren. Religion, Ethnie oder Flagge der ausländischen Macht ändern nichts an der zugrunde liegenden Frage. Wenn die Türkei Aleppo beherrscht, während Israel Syriens Süden beherrscht, leben die Syrer in beiden Fällen unter ausländischer Herrschaft – ob sich diese nun auf den Islam oder auf den Zionismus beruft. Das Problem besteht darin, dass die Araber selbst kein ernstzunehmendes regionales Projekt mehr besitzen, das mit einem der beiden konkurrieren könnte.
Was immer man vom Panarabismus halten mag (ich habe viel an ihm auszusetzen), er war einst eine reale politische, militärische und wirtschaftliche Kraft. Unter Nasser verfolgte Ägypten ein regionales Projekt, ebenso Syrien unter Hafez al-Assad. Mit unterschiedlichem Erfolg wurden die arabischen Staaten auf gemeinsame geopolitische Interessen eingeschworen, die über die Interessen einzelner Regierungen hinausgingen. Die Golfmonarchien sahen darin eine Bedrohung, denn der republikanische arabische Nationalismus stellte sowohl die Erbmonarchien selbst als auch ihre sicherheitspolitische Abhängigkeit infrage – zunächst von Großbritannien, später von den Vereinigten Staaten.
Im Laufe der Jahrzehnte wurde dieses panarabische Projekt besiegt, zersplittert und schließlich ausgehöhlt. Nach Syriens Zerstörung müssen wir eingestehen, dass es als handlungsfähige geopolitische Kraft im Wesentlichen tot ist. Als Idee mag der Panarabismus in Büchern und in den Köpfen der Menschen weiterleben. Aber welche militärische und wirtschaftliche Macht steht noch hinter ihm? Wo ist seine politische Führung?
Heute sehe ich im Nahen Osten drei ernstzunehmende regionale Projekte, die miteinander konkurrieren: das türkische, das israelische und das iranische. Ein vergleichbares arabisches Projekt, das eigenständig wäre, gibt es nicht. Damit will ich das iranische Projekt keineswegs verklären. Ich habe immer wieder davor gewarnt, den Wunschiran mit dem realen Iran zu verwechseln, der im Rahmen seiner Möglichkeiten handelt. Der Iran hat Kräfte unterstützt, die sich der amerikanischen und israelischen Vorherrschaft widersetzten. Dafür hat er einen hohen Preis bezahlt, das muss man ihm zugutehalten. Aber Iran bleibt Iran. Der Iran ist nicht Syrien, nicht der Irak, nicht der Libanon und nicht Palästina. Ich mache mir keine Illusionen: Der bloße Austausch amerikanischer gegen iranische Vorherrschaft würde allen anderen automatisch Souveränität verschaffen.
Die Tragödie besteht darin, dass Konfessionalismus, ethnischer Hass, die Spaltung zwischen Sunniten und Schiiten, die Feindschaft zwischen Arabern und Persern und zahllose weitere Konflikte jede Aussicht darauf zunichtegemacht haben, dass Araber und Iraner gemeinsam eine eigenständige regionale Ordnung schaffen. Vor diesem größeren Hintergrund betrachte ich auch Israels Sorge über den türkischen Einfluss in Syrien. Der Außenminister der Türkei Hakan Fidan hat im September Damaskus besucht und Israel öffentlich als den Akteur mit dem größten Potenzial zur Destabilisierung Syriens bezeichnet. Meiner Ansicht nach wirken sowohl die Türkei als auch Israel destabilisierend auf Syrien.
Am 18. August griff Israel den Luftwaffenstützpunkt Abu al-Duhur im Nordwesten Syriens an. Israel begründete den Angriff mit der Sorge, die Türkei könne dort eine militärische Präsenz aufbauen und dabei möglicherweise auch Systeme stationieren, die israelische Luftoperationen einschränken. Ankara wies die Behauptung zurück, eine türkische Stationierung stehe bevor. Syrische Vertreter bestätigten aber, dass türkisches Militärpersonal den Stützpunkt besucht hatte. Dscholanis Regime erklärte außerdem, man habe Israel darüber informiert, dass die Wiederaufbauarbeiten auf dem Stützpunkt unter syrischer Kontrolle stehen. Israel bombardierte ihn trotzdem.
Dieser Vorfall bringt für mich das eigentliche Problem auf den Punkt. In der Logik der israelischen Sicherheitsführung wird jede nennenswerte Ausweitung des türkischen Einflusses in Syrien zur potenziellen Bedrohung. Denn türkische Radaranlagen, Luftabwehrsysteme oder Militärstützpunkte würden es Israel erschweren, weiter nahezu ungehindert im syrischen Luftraum zu operieren. Versetze ich mich in die Lage eines israelischen Militärplaners, liegt die bevorzugte Lösung auf der Hand: ein Syrien ohne funktionierende Luftabwehr, ohne schlagkräftige Armee, ohne türkische Militärsysteme und ohne irgendeine auswärtige Macht, die Israels militärische Handlungsfreiheit einschränken könnte.
Deshalb dient die angebliche türkische Bedrohung meiner Meinung nach als Rechtfertigung dafür, Israels Besetzung von Syriens Süden aufrechtzuerhalten und möglicherweise auszuweiten. Nach Assads Sturz besetzte Israel weitere syrische Gebiete und begründete seine militärische Präsenz damit, feindliche Kräfte von seiner Grenze fernhalten zu müssen. Wird nun die Türkei in Israels Darstellung zum neuen Gegner, lässt sich nahezu jeder Ausbau von Syriens militärischen Fähigkeiten als Beleg dafür anführen, dass die Besetzung fortgesetzt oder sogar ausgeweitet werden muss. Jede Radaranlage, jede Luftabwehrbatterie, jeder wiederhergestellte Militärflugplatz, jeder türkische Militärberater wird zur Bedrohung. Am Ende gilt selbst Syriens Wiederaufbau zum funktionsfähigen Staat als Bedrohung.
Damit stellt sich eine unbequeme Frage: Warum sollte Benjamin Netanjahu auf ein Sicherheitsabkommen mit einem geschwächten Syrien drängen, wenn Israel auch ohne ein solches Abkommen weitgehend durchsetzen kann, was es will? Sitzen wir schief, aber reden wir geradeheraus, wie es bei uns heißt. Versetzen wir uns in die israelische Sicherheitsführung.
Syrien liegt am Boden. Seine Infrastruktur ist zerstört, der Wiederaufbau seiner Wirtschaft wird Hunderte Milliarden Dollar kosten, und seine alten strategischen Verbündeten sind verschwunden. Die neue Führung in Damaskus braucht dringend ausländische Investitionen und internationale Anerkennung und hat öffentlich Interesse an Sicherheitsvereinbarungen mit Israel erkennen lassen. Auch Dscholani selbst hat eine solche Vereinbarung als möglichen Schritt auf dem Weg zu einer umfassenderen Regelung bezeichnet. – Warum sollte Israel unter diesen Umständen freiwillig auf militärische Druckmittel verzichten?
Viele gehen davon aus, dass ein Konflikt endet, sobald beide Seiten erkennen, dass Frieden geopolitisch vernünftig wäre. Aber Israel geht es nicht darum, seinen Wohlstand zu maximieren, sondern seine Macht. Wenn Netanjahu davon ausgeht, dass Israel im Süden Syriens militärisch freie Hand hat, missliebige militärische Fähigkeiten ausschalten, strategisch wichtige Positionen besetzen und jede Regierung in Damaskus unter Druck setzen kann, lohnt sich ein Abkommen für Israel erst dann, wenn es ihm größere Vorteile verschafft als der gegenwärtige Zustand. Und diese Rechnung fällt gegenwärtig günstig für Israel aus. Deshalb sehe ich in Israels fortwährenden Angriffen eine weitere Gefahr.
Dscholani hat wiederholt deutlich gemacht, dass er keinen Krieg mit Israel will. Seine Regierung will Wiederaufbau und Investitionen, ein Ende der Sanktionen, eine Normalisierung der Beziehungen zu den westlichen Hauptstädten und schließlich irgendeine sicherheitspolitische und diplomatische Verständigung mit Israel. Aber wie lange kann ein syrischer Herrscher untätig bleiben, wenn Israel syrisches Gebiet angreift, seine militärische Präsenz ausweitet und die Zentralregierung demütigt? Irgendwann spielt es keine Rolle mehr, was Dscholani persönlich will. Wenn die israelischen Angriffe seine Legitimität bei seinen Anhängern infrage stellen – und vor allem bei den Takfiri-Kämpfern, mit deren Hilfe er die neue politische Ordnung in Damaskus errichtet hat –, könnte er sich allein schon zur Wahrung seines Gesichts zu einer militärischen Reaktion gezwungen sehen.
Gerade deshalb halte ich Israels fortwährende Provokationen für strategisch. Die Logik dahinter ist nicht schwer zu erkennen: Anhaltender israelischer Druck könnte Dscholani irgendwann zu einer Reaktion zwingen, und sei sie nur symbolischer Natur. Es müsste kein großer Angriff sein. Schon eine äußerst begrenzte Aktion könnte genügen, damit Damaskus zeigen kann, dass es seine Souveränität nicht vollständig aufgegeben hat. Sobald Syrien reagiert, könnte Israel sagen: Wir haben euch gewarnt. Wir haben euch gesagt, dass dieser ehemalige Dschihadist seine Waffen irgendwann gegen uns richten würde. Die syrische Aufrüstung, vor der wir gewarnt haben, ist nun Realität. Die Pufferzone war notwendig. Die Besetzung muss ausgeweitet werden.
Noch beunruhigender finde ich, dass dieser Wunsch nach einem tieferen israelischen Eingreifen keineswegs nur ein Verdacht ist, die ich an Israel herantrage. Israelische Reservisten der 210. Division haben in jüngster Zeit die Beschränkungen für Operationen in Syrien kritisiert und sich für weitergehende Vorstöße ausgesprochen. Berichten zufolge, die sich auf das israelische Nachrichtenportal Walla stützen, räumte ein hochrangiger Offizier ein, dass viele Reservisten sogar einen Vormarsch bis nach Damaskus unterstützen würden. Man muss sich diesen Widerspruch einen Moment vor Augen führen. Während israelische Geheimdienstvertreter warnen, Syrien könne eines Tages wieder stark genug werden, um Israel zu bedrohen, sprechen israelische Soldaten offen über einen weiteren Vormarsch in ein Land, das sie militärisch gar nicht aufhalten könnte.
Das beunruhigt mich an der Gesamtentwicklung am meisten. Wir haben das alte regionale Gleichgewicht zerstört und feiern nun, dass die Syrer wählen dürfen, ob sie der türkischen, der israelisch-amerikanischen oder der iranischen Einflusssphäre angehören wollen – oder einer Mischung daraus, die andere über ihre Köpfe hinweg aushandeln. Das eine Projekt nennen wir Befreiung, weil seine Anführer Muslime sind. Das andere nennen wir Frieden, weil seine Vertreter in Washington Abkommen schließen. Ein drittes nennen wir Widerstand, weil Teheran es unterstützt. Aber wo ist das syrische Projekt, das arabische? Wo ist die politische Kraft, die darauf besteht, dass Syrien kein Schlachtfeld konkurrierender Imperien sein soll, sondern ein souveränes Land, das seine eigenen Entscheidungen treffen kann?
Ich sehe sie heute nicht. Vielleicht macht mich das zum Pessimisten. Ich habe oft gesagt, dass ich in geopolitischen Fragen wohl zu den Pessimisten gehöre. Denn ich sehe meine Aufgabe eher darin, vor den schlimmsten Szenarien zu warnen, bevor sie eintreten, als den Menschen hinterher bunte Versprechungen zu verkaufen. Die Gefahr für Syrien besteht nicht nur darin, dass Israel und die Türkei eines Tages unmittelbar aufeinanderprallen könnten. Die größere Gefahr besteht darin, dass Syrien zu schwach bleibt, um beide Seiten daran zu hindern, ihren Machtkampf auf syrischem Boden auszutragen.
Und solange das so bleibt, stellt sich die Frage: Wird Syrien jemals stark genug werden dürfen, um wieder wirklich Syrien zu sein? Sie kennen die Antwort. Ich kenne sie auch.