NatCon sollte der Neuen Rechten in den USA eine Plattform geben. Auf der diesjährigen Tagung in Jerusalem rückt das Bündnis zwischen den USA und Israel ins Zentrum. NatCon-Gründer Yoram Hazony sitzt inzwischen im Vorstand der Heritage Foundation. Deren Präsident Kevin Roberts beschwört in Jerusalem die jüdisch-christliche Grundlage des Westens. Während in den USA die Unterstützung für Israel schwindet, entwickelt sich NatCon zu einer Werbeveranstaltung für den jüdischen Staat

Der Beitrag erschien am 7. Oktober 2026 bei Responsible Statecraft

Von Kelley Beaucar Vlahos  

Kelley Beaucar Vlahos ist Chefredakteurin von Responsible Statecraft

Als Israels Finanzminister Bezalel Smotrich am Dienstag auf der National Conservatism Conference – kurz NatCon – in Israel sprach, erklärte er seinem Publikum, Israel „kann und muss zunehmend Verantwortung für seine eigene Sicherheit übernehmen“. Zugleich könne und müsse er aber darlegen, „warum das Bündnis mit Israel auch im Interesse Amerikas liegt“. Damit schien er auf die Unterstützung der israelischen Regierung für eine geplante amerikanisch-israelische Integration im Pentagon anzuspielen. 

Neue vertragliche Vereinbarungen innerhalb der Militärbürokratie sollen dabei an die Stelle der umstritteneren direkten Hilfen treten, die bislang vom Kongress bewilligt werden: „Israel erkennt die amerikanische Freundschaft und die Unterstützung an, die es über Jahre erhalten hat. Aber gerade deshalb ist jetzt die Zeit gekommen, das Bündnis zu vertiefen und von Abhängigkeit zu einer Partnerschaft zwischen zwei unabhängigen Nationen überzugehen.“ In „seltenen Fällen“, fügte er hinzu, müssten die beiden Staaten womöglich „Schulter an Schulter“ gegen einen „gemeinsamen Feind kämpfen, wie dieses Jahr im Iran“.

Im Gegensatz zu anderen Nationalstaaten, die ihre Souveränität verteidigen, sei der „palästinensische Nationalismus eine Fiktion, die zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts erfunden wurde“, um Juden an der Rückkehr in ihre Heimat zu hindern, sagte Smotrich. „Daher gibt es im Land Israel keine Rechte und kann es keine Rechte für ein Volk geben, das nicht existiert, für ein Volk, das einzig zu dem Zweck erfunden wurde, das wirkliche Volk auszulöschen, dem dieses Land gehört.“ Die Bewohner des Gazastreifens sollten unter ihresgleichen leben und zur „freiwilligen Auswanderung“ in muslimische Staaten ermutigt werden. Wie Smotrich bereits zuvor erklärt hatte, werde der Gazastreifen ohnehin vollständig zerstört sein, bevor die Hamas beseitigt ist.

Damit hat die National Conservatism Conference gewissermaßen einen Kreis geschlossen. Das Projekt wurde 2019 von einem amerikanisch-israelischen Nationalisten in Washington ins Leben gerufen, um die Bewegung der „Neuen Rechten“ in den Vereinigten Staaten voranzubringen. Seitdem hat es zunehmend internationalen Charakter angenommen. Kritiker werfen ihm inzwischen vor, unverhohlen für einen israelischen ethnisch-religiösen Nationalismus mit amerikanischer Schützenhilfe zu werben. Und das ausgerechnet in Jerusalem. Zugleich wenden sich Amerikaner laut allen verfügbaren Umfragen wegen Israels verheerenden Krieges im Gazastreifen zunehmend von Israel ab. 

Mehr als 74.000 Palästinenser, überwiegend Zivilisten, wurden getötet, die einst dicht bebauten Städte des Gazastreifens unter 61 Millionen Tonnen Trümmern begraben. Israels Likud-Regierung und ihre Hardliner werden des Völkermords beschuldigt. Ihnen wird vorgeworfen, sich öffentlich für die Tötung, das Aushungern und die Vertreibung der Palästinenser aus dem Gazastreifen ausgesprochen zu haben. Sie werden beschuldigt, im Westjordanland eine vergleichbare Politik ethnischer Säuberung zu verfolgen und im Libanon auf die verheerende Strategie des „Mähens“ oder „Abbrennens des Rasens“ zu setzen.

Neben Smotrich sprechen bei der NatCon 6, die während des dritten Jahrestages der Hamas-Angriffe vom 7. Oktober in Jerusalem stattfindet, amtierende und ehemalige Regierungsvertreter und weitere ultrakonservative Figuren. Die Rednerliste und das Programm unterscheiden sich erheblich von den Personen und Themen der Auftaktveranstaltung 2019. Im Mittelpunkt stehen weitgehend der Erhalt und die Unantastbarkeit Israels als jüdischen Staates, seine Sicherheit nach dem 7. Oktober, die jüdisch-christlich-konservative Einheit im Westen und die Aufrechterhaltung des israelischen Bündnisses mit den Vereinigten Staaten.

Kritiker sagen, unabhängig von den ursprünglichen Absichten des Projekts erscheine die diesjährige NatCon als direkte Reaktion auf die schwindende amerikanische Unterstützung für Israel. Sie solle unterstreichen, dass sich amerikanischer konservativer Nationalismus und israelischer konservativer Nationalismus gleichen – dass die Vereinigten Staaten und Israel gemeinsame Werte hätten, die weder durch einen Krieg noch durch eine schwankende amerikanische Öffentlichkeit untergraben werden können. „Wenn ich mir die Rednerliste ansehe, sehe ich einfach eine ganze Reihe Israelis – zugegeben, die Veranstaltung findet in Israel statt – und einige der fanatischsten Vertreter des US-Establishments, wenn es um die Verfolgung israelischer Interessen geht“, sagte Curt Mills, Geschäftsführer von The American Conservative, am Dienstag gegenüber Responsible Statecraft. 

Mills hatte sich auf der NatCon 5 im vergangenen Jahr in Washington eine inzwischen vielbeachtete Debatte mit dem israelfreundlichen Max Abrahms geliefert. Er fügt hinzu: „Indem sie das Ganze mit dem 7. Oktober verknüpfen, machen sie ziemlich unverhohlen deutlich, worum es ihnen eigentlich geht“, nämlich Washington weiter unter Druck zu setzen, damit es die israelische Politik im Nahen Osten „finanziell absichert“.

Allerdings ist dies nicht die erste internationale NatCon. Kleinere Konferenzen fanden bereits zweimal in London sowie in Brüssel und Italien statt. Dabei ging es typischerweise um den Erhalt des Nationalstaats gegenüber supranationalen Institutionen – der EU, nicht unbedingt der NATO –, um Migration und um die Unantastbarkeit der westlichen Zivilisation. Daneben gab es bislang fünf Veranstaltungen in den Vereinigten Staaten. Bei der ersten war das gesamte Spektrum des amerikanischen Konservatismus vertreten: traditionelle Falken, Neokonservative und sogar Befürworter außenpolitischer Zurückhaltung; Vertreter der „Neuen Rechten“ wie Oren Cass und Hauptredner Tucker Carlson; gewählte Politiker wie Senator Joshua Hawley aus Missouri sowie MAGA-Größen von Selena Zito über Michael Anton bis J. D. Vance. 

Zusammengebracht hatte sie Yoram Hazony, amerikanisch-israelischer Doppelstaatsbürger, Präsident des Herzl Institute in Jerusalem und Autor des Buches Nationalismus als Tugend. Er rief die NatCon über die Edmund Burke Foundation ins Leben, bei der Will Chamberlain, einflussreicher Befürworter eines Irankrieges, als Vizepräsident für Außenbeziehungen aufgeführt wird. Laut ihrer Website handelt es sich um „eine Bewegung von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Journalisten, Wissenschaftlern und Studenten, die verstehen, dass Vergangenheit und Zukunft des Konservatismus untrennbar mit der Idee der Nation verbunden sind“.

Kritikern wie Mills zufolge wurde die NatCon vorgeblich als Plattform für einen konservativen Post-Fusionismus im Zeitalter Trumps beziehungsweise für die „Neue Rechte“ gegründet. Außenpolitik spielte auf den ersten Veranstaltungen kaum eine Rolle. Stattdessen beschäftigte man sich mit neuen nationalpopulistischen Positionen in der Wirtschaftspolitik, mit Einwanderung und dem Kulturkampf. Spätere Mitglieder der Trump-Regierung wie Marco Rubio, Tulsi Gabbard, Russell Vought und Elbridge Colby traten allesamt bei früheren NatCon-Veranstaltungen auf.

Allmählich nahm die Konferenz aber einen internationalistischeren Charakter an. Themen, die speziell nationalistische Bewegungen in Israel, Indien und Europa betrafen, beanspruchten immer mehr Raum im Programm. 2024 und vor allem im vergangenen Jahr tauchten zudem vermehrt Neokonservative auf, die sich in der Außenpolitik einer „America First“-Rhetorik bedienten und hauptsächlich über Bedrohungen durch Islamofaschisten und den Iran sprachen. „Nation-Building“ war passé; nun hieß es, zuschlagen und wieder abziehen.

Einige Monate nachdem die Vereinigten Staaten im Juni 2025 den Iran bombardiert hatten, veranstaltete Hazony auf der NatCon 5 die Debatte zwischen Abrahms und Mills. Zweifellos überraschte ihn dabei die Aufmerksamkeit der jüngeren Teilnehmer, insbesondere die Zustimmung zu Mills’ Position, der die Frage aufwarf, ob die Unterstützung der Vereinigten Staaten für Israels Kriege tatsächlich mit „America First“ vereinbar sei. In Jerusalem gibt es heute keine derartigen Debatten. Die wenigen Amerikaner, die zur NatCon 6 eingeladen wurden, bekräftigen das Bündnis, als gäbe es die heftige Spaltung innerhalb der Rechten nicht. Wenigstens räumte Matt Peterson vom Claremont Institute diese Spaltung am Mittwoch ein. Er erklärte, er stehe dem Irankrieg skeptisch gegenüber, und es sei selbstverständlich, dass die Interessen der Vereinigten Staaten und Israels mitunter auseinanderliefen. 

Kevin Roberts, der sich noch immer für ein Video aus dem Jahr 2025 rechtfertigt, in dem er Tucker Carlson gegen Antisemitismusvorwürfe verteidigt hatte, sprach am Dienstag ebenfalls. Roberts ist Präsident der Heritage Foundation, deren Vorstand nach der Kontroverse um ein neues Mitglied erweitert wurde: Yoram Hazony. In einem kürzlich im New Yorker erschienenen Porträt über den „Kampf um die Trump-Rechte“ sagte Hazony, die Leute bei Heritage hätten inzwischen „verstanden, worin ihre Aufgabe besteht: das protestantisch-katholisch-jüdische Bündnis im Zentrum der [Republikanischen] Partei zusammenzuhalten und auszubauen“. 

Am Dienstag zitierte Roberts aus der Bibel und erklärte: „Jerusalem […] ist die Stadt der Einheit, die diese Welt mit dem Himmelreich verbindet.“ Jerusalem sei „die erste von fünf prägenden Städten – vor Athen, Rom, London und Philadelphia –, die die große Zivilisation der Freiheit und menschlichen Entfaltung vereinen, die wir Westen nennen“. Er fügte hinzu: „Jerusalem ist der perfekte Ort für Konservative aus dem gesamten Westen, um sich diese Woche zu versammeln, damit wir uns vereinen können.“

Auch Rusty Reno, Herausgeber der christlich-konservativen Zeitschrift First Things, war am Dienstag vor Ort, um dieses Bekenntnis zu bekräftigen. „Wenn der amerikanische, englische oder französische Patriot auch nur ein Zehntel dessen erreichen kann, was an diesem Ort [Israel] erreicht, aufgebaut, gefeiert und verteidigt worden ist, dann, so behaupte ich, wird die Zukunft der westlichen Zivilisation umso heller sein.“ Den Abschluss der Konferenz soll am Donnerstagabend eine VIP-Rede von Victoria Coates von der Heritage Foundation bilden, der Autorin von The Battle for the Jewish State: How Israel — And America — Can Win. Ihre Rede trägt den Titel: „Antisemitismus und Sozialismus sind das Ende der Demokratie“.

Mills zufolge sieht es inzwischen so aus, als wäre die Idee der NatCon als Instrument eines „America First“-Konservatismus nur noch „Schaufensterdekoration für das ultranationalistische Hardliner-Projekt Israels“. „Wenn Israel diesen Weg gehen will, ist das aus israelischer Sicht legitim. Tatsächlich aber soll Washington diese Politik dauerhaft finanzieren. Genau darum geht es. Deshalb nehmen Amerikaner an einer Veranstaltung teil, die im Grunde eine israelische Konferenz ist“, sagte Mills. „Das würde ich nicht unterstützen.“

Hazony reagierte nicht auf eine Bitte um Stellungnahme für diesen Artikel.