Warum verweigert Washington Saudi-Arabien bislang militärische Unterstützung im Krieg gegen Ansar Allah? Die USA sind durch den Irankrieg bereits stark beansprucht, zudem scheut Donald Trump einen weiteren Krieg vor den Zwischenwahlen. Mohammed bin Salman könnte jedoch mit dem Rückzug saudischer Investitionen drohen, um die USA zum Eingreifen zu bewegen. Auch die US-Rüstungsindustrie dürfte den Druck erhöhen
Der Beitrag erschien am 14. Oktober 2026 auf Englisch bei Responsible Statecraft
Von Kelley Beaucar Vlahos
Kelley Beaucar Vlahos ist Chefredakteurin von Responsible Statecraft
Aus unzähligen offensichtlichen Gründen hat sich Präsident Donald Trump bisher Saudi-Arabiens Forderungen widersetzt, das Königreich im Kampf gegen die Huthi zu unterstützen. Dabei hat die militante Gruppe die ganze Woche über das Herz der saudischen Öl- und Tourismusindustrie angegriffen.
Erstens können sich die USA in ihrem gegenwärtigen Krieg im Nahen Osten kaum eine weitere Front leisten. Wir wissen, dass die Munitionsbestände des Pentagon erschöpft sind und die US-Marine, unser wichtigstes militärisches Instrument in der Region, stark beansprucht ist. Sie versucht, die Blockade gegen den Iran aufrechtzuerhalten und zugleich nicht sanktionierten Handelsschiffen die Durchfahrt durch die Straße von Hormus zu ermöglichen. Letzteres funktioniert nicht so gut, wie das Weiße Haus noch vor einer Woche behauptet hat.
Zweitens kann Trump es sich politisch nicht leisten, vor den Zwischenwahlen einen weiteren Krieg zu beginnen, besonders wenn dessen Erfolg nicht garantiert ist. Seine erste Eskalation gegen die Huthi im Jahr 2025 ist gescheitert. Trump sah sich dazu gezwungen, einem Waffenstillstand zuzustimmen. Die jemenitische Widerstandsbewegung, auch bekannt als Ansar Allah, ist seitdem noch stärker geworden. Aber der Druck wächst.
Annelle Sheline, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Nahostprogramm des Quincy Institute, hält es für wahrscheinlich, dass Trump früher oder später zum Eingreifen gezwungen sein wird: „Ein Grund dafür, dass die Trump-Regierung Mohammed bin Salmans Forderung nach direkten Angriffen auf Ansar Allah im Jemen bisher nicht nachgegeben hat, liegt darin, dass die Saudis die Emiratis im vergangenen Januar aus dem Jemen vertrieben haben“, sagte Sheline mir heute Morgen.
Sie bezog sich dabei auf die verbliebenen Strukturen der gemeinsamen Intervention beider Staaten im ersten jemenitischen Bürgerkrieg: „Die USA sind sehr eng mit den Vereinigten Arabischen Emiraten verbündet, die ihrerseits sehr eng mit Israel verbündet sind. Deshalb scheint in der Regierung die Auffassung vorzuherrschen, dass die Saudis sich ihre Lage selbst eingebrockt haben und nun mit den Konsequenzen leben müssen. Das bedeutet aber auch, dass Trump direkt eingreifen wird, wenn er meint, dass die Saudis genug gelitten haben.“
Noch schwerer wiegt möglicherweise der Druck, den Mohammed bin Salman mit saudischen Investitionen in den USA ausüben könnte. Erst ein Jahr zuvor hatte Trump auf seiner viel beachteten Nahostreise mit diesen Investitionen geprahlt. Damals erklärte Trump, Investitionszusagen aus der Region im Umfang von einer Billion Dollar erhalten zu haben, darunter 600 Milliarden Dollar aus Saudi-Arabien. Außerdem wurde seinerzeit ein Waffendeal im Wert von 142 Milliarden Dollar angekündigt.
Sheline erklärt: „Angesichts der politischen Verhältnisse in Washington ist mit erheblichem Druck seitens der amerikanischen Rüstungsindustrie zu rechnen. Hinzu kommt, dass Mohammed bin Salman Trump und seine Familie persönlich bereichert hat, unter anderem durch die verschiedenen kostspieligen Unternehmungen von Jared Kushner.“ Sie verweist auf die engen Investitionsbeziehungen zwischen dem Schwiegersohn des Präsidenten und dem Königreich, die inzwischen Gegenstand einer Untersuchung des Kongresses sind:
„Deshalb glaube ich nicht, dass es lange dauern wird, bis Mohammed bin Salman zu Donald Trump sagt: ‚Hör mal, ich werde nicht noch einmal fragen. Wenn du uns nicht unterstützt, stellen wir unsere Investitionen in den Vereinigten Staaten in Frage. Wir werden unsere Investitionen in deine Familie und die Marke Trump überdenken müssen.‘ Ich vermute, dass Trump spätestens dann hellhörig wird.“
Trita Parsi vom Quincy Institute stimmt zu, ein amerikanisches Eingreifen zur Verteidigung Saudi-Arabiens sei wahrscheinlich. Allerdings glaubt er, dass Trump möglicherweise bis nach den Zwischenwahlen warten wird: „Ich denke, Trump würde es vorziehen, wenn das erst danach geschieht. Aber möglicherweise liegt das nicht in seiner Hand, wenn Iran oder die Huthi weiter eskalieren“, sagte Parsi mir.
Das Thema beschäftigt den Präsidenten jedenfalls. Auf eine direkte Frage nach einer möglichen Beteiligung antwortete er am Sonntag: „Wir werden uns das ansehen … Wir werden eine Entscheidung treffen. Wir handeln sehr schnell.“ Am Dienstag erklärte er, die Huthi benähmen sich „sehr schlecht“, und warf der Gruppe vor, Saudi-Arabien gezielt anzugreifen, um die Ölpreise vor den Zwischenwahlen in die Höhe zu treiben. CBS News spekuliert, der Tod eines Amerikaners bei dem Angriff der Huthi auf den größten Flughafen Riads am Samstag könnte den Druck auf Trump erhöhen, Vergeltung zu üben.
Titelbild: Shealah Craighead / White House (Public Domain). Donald Trump präsentiert Mohammed bin Salman im Weißen Haus Schautafeln über die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den USA und Saudi-Arabien. Washington, 20. März 2018.