Europa ist verwundbar für Regimewechsel. Gerade die Länder im Kern Europas haben Minderheiten, die ein hohes Gewaltpotential aufweisen, wie persönliche Erfahrung und Kriminalstatistik beweisen. So können Akteure, die sich Zugriff auf diese Minderheiten erarbeitet haben, jederzeit Unruhen in den Metropolen schüren. Ob die Unruhen spontan sind oder spontan anfangen und dann umgelenkt werden, lässt sich im Zweifel nicht mehr feststellen. Die Regierungen handeln also besser in bösem Glauben.
Diese Regierungen sind nun aber gar nicht Herr im Haus. Die politischen Einrichtungen in Europas Staaten sind zugeschnitten auf pazifizierte Gesellschaften, die außenpolitisch unter der Hegemonie und dem Schutz der Vereinigten Staaten stehen. Sie sind nicht dafür gerüstet, Unruhen niederzuschlagen, schon gar nicht von außen gelenkte Unruhen. Im absoluten Grenzfall ihrer Existenz, nämlich einem US-gewollten Regimewechsel, könnten diese Staaten nicht einmal den Willen aufbringen, sich gegen ihre Demissionierung zu wehren.
Für die Unruhen in Paris wurde natürlich Russland verantwortlich gemacht. Dieser Fingerzeig folgt keiner intelligenten Analyse, sondern einem eingespielten Reflex. Migrantenmilieus zu penetrieren, dürfte für andere Mächte näher liegen. Islamische Sekten oder ethnische Gruppierungen haben schon in der Herkunftsregion eingespielte Kontakte. Clanstrukturen sperren sich gegen Infiltration, aber kooperieren bisweilen zu ihrem Nutzen mit staatlichen Kräften. In einer politischen Krise tut sich ein Geflecht auf, das die Lage verkompliziert.
Das Ende der Pax Americana stellt Europas Staaten vor Herausforderungen, die ihren Horizont übersteigen. Viele von ihnen werden nicht auf eigenen Beinen stehen bleiben, wenn ihnen der Boden unter den Füßen weggezogen wird. In ihrer anerzogenen Naivität haben die Bürger der Massenmigration jahrzehntelang zugejubelt oder schulterzuckend zugeschaut. Just als ihnen von Westen gestattet wird, die Brauen zu runzeln, ist es auch schon zu spät. Konkurrierende Großmächte haben einen Hebel, um Europa aus den Fugen zu heben.
Selbstgefällig träumte Europas Establishment vom Regimewechsel im Iran. Aber der Iran hat gegen solche Ambitionen in Jahrzehnten eine Antifragilität ausgebildet. Anfälliger könnten Regime sein, die sich im Windschatten der Westbindung sättigten. Und gemeint ist nicht nur das Haus Saud. Wenn das Unerwartete geschieht und die USA nicht die gegnerische Ordnung umwälzen wollen, sondern die eigene, etwa um ihren Herrschaftsbereich auf eine neue Technologie zuzuschneiden, wird das kein subalterner Klient verhindern.
In ihrer Nationalen Sicherheitsstrategie haben die USA die Migration nach Europa als Risiko für die Integrität des westlichen Bündnisses dargestellt. So stellen sie den Beistand unter Identitätsvorbehalt. Dass überhaupt erst Europas Westbindung zur Überfremdung geführt hat, können sie als Hegemon unhöflich unter den Tisch fallen lassen. Präsident Trump hat die Drohung nun erneuert und mit dem Abzug der US-Truppen gedroht, falls Europa „Migranten aus der Dritten Welt“ zum Opfer falle. Tatsächlich sind diese Migranten längst Bürger.
Trumps Drohung führt zum Umkehrschluss: Will Europa souverän werden, muss es seinen Schmelztiegel abkühlen. Schwache Staaten ohne Kontrolle über ihr Inneres bleiben ewig Spielball fremder Mächte. Die Ordnung nach dem Westen muss das Nicht-Identische so einbinden, dass es ein ordentliches Ganzes gibt. Tipps aus den USA braucht es dafür kaum.