Das Abkommen vom 17. Juni sollte den Irankrieg beenden. Vieles deutet darauf hin, dass die USA es nie einhalten, sondern ihre Kontrolle über die Schifffahrt durch die Straße von Hormus ausbauen und Irans Verhandlungsposition schwächen wollten. Sie untergruben sogleich zentrale Bestimmungen des Abkommens und bereiteten sich auf eine Fortsetzung des Krieges vor. Der wiederholte Bruch diplomatischer Zusagen hat Teherans Vertrauen in Washington weiter untergraben und Trumps Position geschwächt

Der Beitrag erschien auf Englisch am 22. Oktober 2026 bei Responsible Statecraft

Von Ryan Costello

Ryan Costello ist politischer Direktor des National Iranian American Council (NIAC)

Als US-Präsident Donald Trump am 17. Juni mit der Unterzeichnung eines Memorandum of Understanding (MoU) scheinbar dem Ende des Irankriegs zustimmte, waren viele republikanische Senatoren zutiefst beunruhigt. Senator Bill Cassidy aus Louisiana verurteilte die Vereinbarung offen. Ronald Reagan würde „sich im Grabe umdrehen“, warnte er. Anschließend geriet er mit Trump über die Strategie der Regierung in Streit.

Doch der Widerstand gegen das Abkommen mit dem Iran ließ plötzlich nach. Cassidy wurde von Vizepräsident JD Vance und Trumps Sondergesandtem Steve Witkoff unterrichtet. Danach änderte er seine Haltung und stimmte bei späteren Resolutionen zur Begrenzung präsidialer Kriegsbefugnisse anders ab. Er erklärte, die Regierung verfüge über einen „plausiblen Plan“, ursprüngliche Kriegsziele zu erreichen: Irans Atomprogramm, seine ballistischen Raketen und seine konventionellen militärischen Fähigkeiten zu zerstören oder erheblich zu schwächen.

Möglicherweise gelang es Trump und seinem Team, Cassidy und seine Kollegen auf Linie zu bringen. Wahrscheinlicher ist aber, dass sie die Senatoren in ein Geheimnis einweihten: Das Abkommen sollte gar nicht lange Bestand haben. Öffentlich zugängliche Belege sprechen stark dafür, dass Trump das Memorandum nicht unterzeichnete, um den Krieg zu beenden. Vielmehr wollte er Irans Kontrolle über die Straße von Hormus untergraben und die USA für weitere Kriegsrunden in eine günstigere Ausgangsposition bringen.

Auch abseits der amerikanischen Maßnahmen auf See gibt es Hinweise darauf, dass die Trump-Regierung das Memorandum nie umsetzen wollte. Außenminister und Nationaler Sicherheitsberater Marco Rubio unterstützte keineswegs eine Waffenruhe im Libanon. Stattdessen untergrub er sie umgehend, indem er eine gesonderte trilaterale Vereinbarung ankündigte, in deren Mittelpunkt die Entwaffnung der Hisbollah stand. Dieses Nebenabkommen lieferte Israel eine Rechtfertigung dafür, seine Besatzung des Südlibanon fortzusetzen und Dutzende Dörfer in den von ihm kontrollierten Gebieten zu zerstören.

Das Memorandum verpflichtete die USA außerdem, dem Iran Zugang zu seinen im Ausland liegenden Vermögenswerten zu ermöglichen, die wegen amerikanischer Sanktionen eingefroren worden waren. Regierungsvertreter spielten diese Verpflichtung aber rasch herunter. „Nichts von diesem Geld wird jemals in Iran ankommen“, erklärten sie. Allenfalls humanitäre Güter sollten damit gekauft werden dürfen. Das entsprach ähnlichen Zusagen aus der Amtszeit Joe Bidens, die ebenfalls nicht eingehalten worden waren.

Letztlich waren es aber die Ereignisse in der Straße von Hormus, die den Zusammenbruch des Abkommens herbeiführten. Der Iran verstand das Memorandum als Bestätigung seiner Kontrolle über die Meerenge und seines Rechts, den künftigen Schiffsverkehr durch diesen für die Energieversorgung entscheidenden Engpass zu regeln. Washington beschleunigte dagegen umgehend seine bereits zuvor begonnenen Bemühungen, einen eigenen Schifffahrtskorridor auf der omanischen Seite einzurichten, der sich iranischer Aufsicht und Kontrolle entziehen sollte.

Am 18. Juni, unmittelbar nach der Unterzeichnung des Memorandums, veröffentlichte das Joint Maritime Information Center der Combined Maritime Forces eine Mitteilung. Darin wurden Handelsschiffe angewiesen, sich für Informationen über eine sichere Durchfahrt an eine Kontaktstelle der US-Marine zu wenden. Am 23. Juni berichteten die Financial Times unter Berufung auf drei Führungskräfte aus der Schifffahrtsbranche, die USA und einige westliche Versicherer empfählen Schiffen eine Route auf der omanischen Seite der Meerenge, die durch amerikanische Luftstreitkräfte geschützt werde. Die Reedereien seien deshalb unsicher, welchen Weg sie nehmen sollten. Am 19. August erklärte ein Regierungsvertreter gegenüber Axios unter Verweis auf den vermeintlichen Erfolg des Korridors: „Wir kontrollieren die südliche Fahrrinne der Straße von Hormus jetzt seit zwei Monaten.“ Das deckt sich zeitlich mit der Unterzeichnung des Memorandums am 17. Juni. 

Wie wichtig die Energieversorgung für die Überlegungen der Regierung war, machte Vance Ende Juni deutlich. „Der Präsident hat uns angewiesen, dieses Memorandum zu nutzen, um gewissermaßen die weltweite Ölversorgung wieder aufzufüllen, einige Lagerbestände aufzustocken und dann zu sehen, wie die Karten stehen.“ Trump nehme damit „erheblichen Druck von der Weltwirtschaft“, ohne auch nur einen seiner Erfolge aufzugeben. Zugleich halte er sich zahlreiche Handlungsoptionen offen.

Auf der omanischen Route stimmen die Tanker ihre Fahrten eng mit der US-Marine ab. Sie bewegen sich auf einem Kurs, der höchstens eine Meile von der omanischen Küste entfernt verläuft, und fahren ohne Beleuchtung, Funk oder Telefon. Die amerikanischen Streitkräfte scheinen in großem Umfang an der Sicherung dieser Route beteiligt zu sein. US-Flugzeuge patrouillieren entlang des Korridors, um iranische Raketen und Drohnen abzufangen. Trotzdem werden Schiffe während der Durchfahrt regelmäßig getroffen. Nach einem Bericht von Trey Yingst von Fox News wurde Mitte September ein von den USA unter Vertrag genommenes Schiff nahe der Straße von Hormus von Geschossen getroffen, darunter einer Rakete. Mehrere Menschen an Bord erlitten leichte Verletzungen. Auf dem Schiff soll sich auch amerikanisches Personal befunden haben.

Der Iran scheint die Operation als Versuch zu betrachten, seinen Einfluss auf die Schifffahrt durch die Straße von Hormus zu schwächen. Am 25. Juni geriet die unter singapurischer Flagge fahrende Ever Lovely vor der omanischen Küste unter Beschuss. Die Marine der Islamischen Revolutionsgarden erklärte daraufhin, Schiffe müssten ihre Durchfahrt mit den iranischen Behörden abstimmen. Routen, die ohne iranische Zustimmung eingerichtet werden, seien „inakzeptabel“ und „äußerst gefährlich“.

Einen Tag später griff das amerikanische Regionalkommando CENTCOM militärische Einrichtungen an der iranischen Küste an. Zur Begründung erklärte es, der Iran habe mit dem Angriff auf die Ever Lovely die Waffenruhe verletzt. Allerdings verstießen auch die amerikanischen Angriffe gegen die erste Bestimmung des Memorandums. Darin verpflichteten sich beide Seiten, „auf die Androhung oder Anwendung von Gewalt gegeneinander zu verzichten“. 

Weder die USA noch der Iran nutzten den im Abkommen vorgesehenen Mechanismus zur Beilegung von Streitigkeiten. In einem Schreiben an die Vereinten Nationen erklärte der Iran, das Memorandum bestätige „ausdrücklich die Verantwortung der Islamischen Republik Iran für die Festlegung der Modalitäten einer sicheren Durchfahrt von Schiffen durch die Straße von Hormus“. Die USA hätten diese Bestimmung eindeutig verletzt, die Vereinbarung einseitig infrage gestellt und versucht, eine parallele Schifffahrtsroute durchzusetzen.

Die Angriffe und Vergeltungsschläge vom 25. und 26. Juni wiederholten sich in den folgenden Tagen. Am 7. Juli warfen die USA dem Iran vor, innerhalb von 24 Stunden drei Handelsschiffe angegriffen zu haben. Daraufhin bombardierten sie 80 Ziele im Süden des Iran. Die Angriffe fielen mit den landesweiten Trauerfeierlichkeiten für den verstorbenen Obersten Führer Ali Chamenei zusammen. Am 8. Juli griffen die USA weitere 90 Ziele an. Nach Angaben von Irans Gesundheitsministerium wurden an beiden Tagen insgesamt 14 Menschen getötet und 78 verletzt. 

Der Iran reagierte seinerseits mit Raketen- und Drohnenangriffen auf amerikanische Stützpunkte in der Region. Anschließend erklärte Trump das Memorandum für „hinfällig“ und beschimpfte die Iraner als „Abschaum“ und „kranke Menschen“. Am 11. Juli kündigte CENTCOM nach einem weiteren Angriff auf ein Handelsschiff neue Bombardierungen des Iran an. Seit Anfang Mai hätten die amerikanischen Streitkräfte „die erfolgreiche Durchfahrt von mehr als 800 Handelsschiffen und 400 Millionen Barrel Rohöl durch die Straße von Hormus ermöglicht“, erklärte das Kommando.

Die USA verhängten erneut eine Blockade iranischer Häfen. Zugleich griffen ihre Streitkräfte den Iran in 13 aufeinanderfolgenden Nächten an. Der Iran antwortete mit weiteren Gegenschlägen. Das Memorandum hätte eine ernsthafte Grundlage für ein Ende des Krieges bilden können. Jetzt reiht es sich in eine Folge diplomatischer Vereinbarungen zwischen den USA und dem Iran ein, die Teherans Vertrauen in die Verlässlichkeit Washingtons untergraben. 

Natürlich lässt sich nur schwer eindeutig feststellen, welche Absichten Trump mit dem Memorandum verfolgte. Man könnte die These aufstellen, dass er die Vereinbarung zwar nicht buchstabengetreu einhalten wollte, aber hoffte, sie kraft seines politischen Willens als Ausgangspunkt für ein Kriegsende nutzen zu können. Das erklärt allerdings weder, warum die republikanischen Hardliner plötzlich ihren Widerstand gegen das Memorandum aufgaben, noch liefert es eine überzeugende Erklärung dafür, dass Trump zentrale Bestimmungen des Abkommens umgehend zurückwies. Die Fakten legen vielmehr nahe, dass die USA das Memorandum vor allem als Mittel zum Zeitgewinn betrachteten. Sie wollten die Position des Iran schwächen, ohne dafür eine groß angelegte Militäroffensive führen zu müssen. 

Diese Strategie scheint nach hinten losgegangen zu sein. Trump bleibt nun nur noch die hohle Angeberei, er kontrolliere die Straße von Hormus. Die zunehmenden iranischen Angriffe auf die Schifffahrt in der Meerenge sprechen dagegen. Zugleich wächst die Gefahr einer weiteren großen Kriegsrunde. Und der Verdacht, dass Washington das Memorandum von Anfang an nicht ernst gemeint hat, löst eine schwere Vertrauenskrise aus.

Titelbild: Karte Straße von Hormus. NordNordWest / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 DE. Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Karte_Straße_von_Hormus.svg
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