Trumps Krieg hat den Iran in die Lage versetzt, die Straße von Hormus als Druckmittel einzusetzen. Der Ausweg aus diesem sinnlosen Konflikt besteht darin, eine Zoll- oder Gebührenregelung für die Zukunft zu akzeptieren. Es wäre kein Präzedenzfall. Und die Nachbarstaaten des Iran arbeiten schon an alternativen Routen
Der Beitrag erschien auf Englisch am 10. August 2026 auf der Seite des Quincy Institute for Responsible Statecraft
Von Daniel DePetris
Daniel R. DePetris ist Kolumnist der Chicago Tribune, des Washington Examiner und von Newsweek. Zudem ist er Fellow bei Defense Priorities, einem Thinktank in Washington, D.C., der sich für mehr Realismus und Zurückhaltung in der US-Außenpolitik einsetzt
In den Wochen seit Scheitern des amerikanisch-iranischen Memorandum of Understanding haben Washington und Teheran die Zeit genutzt, um ihre Positionen für den Fall einer Wiederaufnahme der Verhandlungen zu stärken. Präsident Donald Trump setzte auf amerikanischer Seite vor allem auf offene Drohungen und deutete an, womöglich eine noch umfassendere US-Bombenkampagne gegen strategische Ziele im Iran zu starten. Der Iran wiederum griff auf die bekannte Strategie zurück, den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus auf ein absolutes Minimum zu beschränken. Regierungsvertreter der Vereinigten Staaten und des Iran machen widersprüchliche Angaben zum Stand der Verhandlungen.
Entgegen Trumps wiederholter Behauptung, Teheran flehe geradezu um ein Abkommen, betont die iranische Seite, derzeit fänden keine Gespräche mit den Vereinigten Staaten statt. Dennoch scheinen sich beide Seiten darin einig zu sein, dass sich ein mögliches Abkommen vor allem um die Straße von Hormus drehen wird – jene strategische Wasserstraße, die von den Revolutionsgarden nach Belieben gesperrt werden kann. Vom Iran und Oman, den beiden Staaten an den gegenüberliegenden Seiten der Meerenge, wurden verschiedene Modelle vorgeschlagen. Zwar ist noch keine Vereinbarung geschlossen. Doch wird der Iran wohl sicher mehr Kontrolle über den Verkehr in der Meerenge behalten, als er vor Beginn des Krieges im Februar gehabt hat.
Die Frage ist nun: Wird eine zwischen Teheran und Maskat ausgehandelte Regelung auch Zölle oder Gebühren umfassen? Die Trump-Regierung lehnt jede Gebührenregelung entschieden ab. Sie würde nämlich der Regierung des Iran zusätzliche Einnahmen verschaffen und zugleich sichtbar machen, dass Trumps Präventivkrieg ein strategischer Fehler gewesen ist. Außenminister Marco Rubio hat im Juli die amerikanische Position zur Straße von Hormus bekräftigt: „Wenn wir im Nahen Osten einen Präzedenzfall schaffen, bei dem ein Staat entscheidet, dass er eine internationale Wasserstraße kontrollieren und einen Zoll erheben kann […], dann haben wir einen sehr gefährlichen Präzedenzfall geschaffen, der sich in anderen Teilen der Welt wiederholen wird.“
Natürlich wäre es alles andere als ideal, dem Iran die Erhebung von Zöllen oder Gebühren zu gestatten. Vor dem Krieg wäre ein solches Szenario kaum vorstellbar gewesen. Damals war die Meerenge frei und offen. Täglich nutzten etwa 120 bis 150 Schiffe die Route, um ihre Ladungen zu Kunden in aller Welt zu bringen. Die Vereinigten Staaten wollen, dass der Iran zu diesem Status quo zurückkehrt. Doch Teheran hat keinerlei Absicht dazu. Etwas anderes zu erwarten hieße zu verkennen, wie sich die Lage seither entwickelt hat. Trumps Krieg hat dem Iran den perfekten Vorwand geliefert, seine geografische Lage als Druckmittel einzusetzen. Die Iraner zögerten nicht, davon Gebrauch zu machen.
Ursprünglich sollte die Sperrung der Meerenge die Kosten für Washington erhöhen und die amerikanischen Partner in der Region dazu bewegen, Trump zur Beendigung des Krieges zu drängen. Doch mit der Zeit ist die Straße von Hormus – zusammen mit dem aggressiveren Auftreten des Iran gegenüber seinen Nachbarn – zu etwas Wertvollerem geworden: einer strategischen Karte, die Teheran immer dann ausspielen kann, wenn Trump mit einer Ausweitung der Militäroperationen droht. Die Wiederöffnung der Meerenge ist für die Vereinigten Staaten nun mindestens ebenso wichtig wie die Eindämmung des iranischen Atomprogramms. Die Frage ist, wie sie erreicht werden kann.
Trump versuchte dieses Ziel zunächst mit militärischer Gewalt zu erreichen. Er hoffte, durch amerikanische Angriffe die militärischen Fähigkeiten des Iran so weit zu schwächen, dass die Revolutionsgarden ihre Angriffe auf Schiffe einstellen. Diese Strategie überschätzte jedoch die Fähigkeit des US-Militärs, Teherans strategisches Kalkül zu verändern, und unterschätzte zugleich die Fähigkeit des Iran, billige Drohnen und Raketen in großer Stückzahl herzustellen und einzusetzen. Jeder amerikanische Angriff bestätigte die iranische Regierung in ihrer Überzeugung, dass es sich für sie um einen existenziellen Krieg handle.
Statt zu kapitulieren, schlug der Iran zurück. Er griff Schiffe auf der südlichen Route nahe der omanischen Küste an. Er machte deutlich, dass eine Intensivierung der amerikanischen Bombardements weitere iranische Angriffe auf die Energieinfrastruktur der Golfstaaten nach sich ziehen würde.
Die militärischen Versuche der Vereinigten Staaten, in der Meerenge die Verhältnisse vor Februar wiederherzustellen, sind gescheitert und werden wohl weiter scheitern. Will die Trump-Regierung sich aus einem endlosen Krieg befreien, besteht ihre beste Option darin, eine Zoll- oder Gebührenregelung an diesem regionalen Nadelöhr zu akzeptieren. Die Falken im Kongress würden zweifellos auf die Barrikaden gehen. Und auch manchen politischen Verbündeten Trumps dürfte es schwerfallen, eine solche Regelung als vorteilhaft zu akzeptieren. Aber wenn die Wahl zwischen dem Schlucken von Gebühren und einem endlosen Konflikt besteht, ist jene Option besser.
Der Trump-Regierung mag es nicht gefallen, für die Nutzung der Meerenge bezahlen zu müssen. Doch erst ihre Entscheidung für den Krieg hat die Lage geschaffen, in der sich die Vereinigten Staaten heute befinden. Schlechte Politik hat unbeabsichtigte Folgen. Glücklicherweise wären Gebühren in der Meerenge aber nicht das Ende der Welt. Es wäre nicht das erste Mal, dass Staaten an einem wichtigen Engpass des Welthandels eine Form von Entschädigung erhalten. Das offensichtlichste Beispiel ist die Straße von Malakka in Südostasien. Dort zahlen Reedereien in einen freiwilligen Fonds ein, der von Malaysia, Indonesien und Singapur verwaltet wird und der Finanzierung von Navigationshilfen, maritimer Sicherheit, Umweltschutz und Seenotrettung dient.
Eine vergleichbare Regelung in der Straße von Hormus würde also keinen Präzedenzfall schaffen. Tatsächlich könnten Reedereien und die sie versichernden Gesellschaften solche freiwilligen Zahlungen sogar als vorteilhaft betrachten, weil sie dazu beitragen, weit kostspieligere Katastrophen oder Unfälle zu verhindern. Das Offensichtliche lässt sich allerdings nicht unter den Teppich kehren: Die amerikanische Akzeptanz iranischer Zölle oder Gebühren wäre das peinliche Eingeständnis, dass der Iran inzwischen zu einem der maßgeblichen Herren über die Meerenge geworden ist. Berichten zufolge verlangt der Iran Gebühren in Höhe von sieben Prozent des Ladungswertes. Er würde hohe Einnahmen erzielen, die er ohne den Krieg nicht erzielt hätte.
Aber selbst dieses Szenario ist nicht so düster wie oft angenommen. In der Praxis schwindet das Druckmittel des Iran monatlich. Die arabischen Golfstaaten sitzen keineswegs untätig da und sehen dem neuen Status quo hilflos zu. Vielmehr passen sie sich an Teherans Vorgehen an. Sie greifen auf Pipelines zurück, die die Meerenge umgehen, und prüfen künftige Projekte, mit denen ihre Energieinfrastruktur widerstandsfähiger und weniger abhängig von einem einzigen Nadelöhr werden soll.
Saudi-Arabien nutzt seine das Land von Osten nach Westen durchquerende Pipeline, um mehr Rohöl über das Rote Meer zu exportieren. Diese Alternativroute bleibt zwar anfällig für Angriffe der mit dem Iran verbündeten Huthis und kann den Ausfall des normalen Verkehrs durch die Straße von Hormus nicht vollständig kompensieren. Dennoch ermöglicht sie dem Königreich, eine vollständige Einstellung der Förderung zu vermeiden.
Ähnliches gilt für die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), die mehr Rohöl über ihr außerhalb der Meerenge gelegenes Exportterminal in Fudschaira verschiffen. Der Anteil Fudschairas an den Ölexporten der VAE ist von 51 Prozent im Juni auf 66 Prozent im Juli gestiegen. Die Kriegsführung des Iran wird den Wunsch der Ölproduzenten am Persischen Golf zur Diversifizierung ihrer Exportrouten weiter verstärken. Damit wird Teherans Fähigkeit sinken, die Energieflüsse künftig zu behindern.
Die Verhandlungen über eine Wiederöffnung der Straße von Hormus dauern an. Sollte der Punkt erreicht werden, an dem Gebühren für die Durchfahrt unvermeidlich sind, müssen die amerikanischen Entscheidungsträger einen kühlen Kopf bewahren. In dieser Frage nachzugeben wäre für die Vereinigten Staaten der effizienteste Weg, sich mit minimalen Kosten aus einem sinnlosen Konflikt zurückzuziehen.
Titelbild: Schnellboote und Kommandos der iranischen Revolutionsgarden während des Manövers „Great Prophet IX“ in der Straße von Hormus, Februar 2015. Foto: Sayyed Shahab-o-din Vajedi / Wikimedia Commons / https://commons.wikimedia.org/wiki/File:IRGC_naval_exercise-2015_(4).jpg CC BY 4.0, https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/