Nvidia will mehr als 500 Milliarden Dollar für KI-Infrastruktur mobilisieren. Doch entscheidend sind nicht die Zahlen in den Schlagzeilen, sondern Garantien, Restwerte und Kreditstrukturen. Wer trägt das Risiko, wenn der KI-Boom dreht?
Der Beitrag erschien auf Englisch am 18. August 2026 bei x.com/shanaka86
Von Shanaka Anslem Perera
Shanaka Anslem Perera ist Unternehmer und Gründer sowie CEO von Pet Express Sri Lanka und unabhängiger Analyst aus Colombo. Er kommentiert Geldwesen, Geopolitik, Künstliche Intelligenz und Souveränität
Acht Tage. Drei Ankündigungen von NVIDIA. Am 10. August Finanzierungsplattformen mit Apollo, BlackRock, Blackstone, Brookfield, Goldman Sachs und KKR, die mehr als 500 Milliarden Dollar mobilisieren sollen. Am 11. August wurde bekannt, dass NVIDIA bei ausgewählten Projekten den Restwert absichern könnte, und zwar mit bis zu 25 Prozent des jeweiligen Projekts. Am 17. August folgte ein Rechenzentrumscampus mit acht Gigawatt Leistung in Ohio für OpenAI, laut Reuters mit einer Garantie bis zu 105 Milliarden Dollar.
Die Zahl, die diesen Mechanismus tatsächlich erklärt, lautet 712 Millionen Dollar. Das sind 712 Millionen Dollar an bereits treuhänderisch hinterlegten Sicherheiten für die Garantieverpflichtungen, die NVIDIA in seinen Geschäftsberichten tatsächlich beziffert.
Beide Lager streiten über die falsche Zahl.
Die 500 Milliarden Dollar sind weder Bargeld noch Aufträge noch Umsatz. Sie sind ein Ziel für die Mobilisierung von Kapital im Rahmen von Absichtserklärungen, für die noch endgültige Verträge geschlossen werden müssen. Die am 17. August bei der Wertpapierüberwachungsbehörde Securities and Exchange Commission (SEC) eingereichte Vereinbarung sieht 1,5 Milliarden Dollar für SB Energy sowie Kreditsicherheiten für Land, Stromversorgung und Gebäudehülle des PORTS-Pike-Campus vor. Die erste Ausbaustufe umfasst 4,25 Gigawatt, mit einer Option auf weitere 3,75 Gigawatt. OpenAI ist als Mieter mit einem Vertrag über 20 Jahre vorgesehen.
Die 105 Milliarden Dollar stammen aus Medienberichten. In der bei der SEC eingereichten Vereinbarung stehen sie nicht. Nun sollte man sich das klarste bereits abgeschlossene Beispiel genau ansehen: die Kreditfazilität von CoreWeave über 8,5 Milliarden Dollar. Rating A3 und A (low), monatliche Tilgung, Zahlungsströme über kontrollierte Konten, Garantien für die Hardware, die auf die Gläubiger übertragen werden können, Absicherung gegen Stromkosten, eine Mindestschuldendienstdeckung von 1,15, rechtliche Endfälligkeit im März 2032 bei einer gewichteten durchschnittlichen Laufzeit von 3,14 Jahren.
Dieser Vertrag widerlegt den simplen Bear Case. Hier stehen nicht zehnjährige Schulden einem Chip mit drei Jahren Lebensdauer gegenüber. Er widerlegt auch den simplen Bull Case. Kein ernsthafter Kreditgeber vergibt hier Geld auf Grundlage des Wiederverkaufswerts eines Grafikprozessors.
Die Wall Street finanziert ein ganzes System, das den Weiterbetrieb sichern soll: verfügbare Kapazität, durchsetzbare Kundenverträge, Netzanschluss, Standortrechte, kontrollierte Zahlungsströme, identifizierte Hardware, übertragbare Garantien, steuerliche Abschreibungsbasis, zusätzliche Sicherheiten. Für die Kreditwürdigkeit ist nicht entscheidend, ob der Chip altert. Entscheidend ist, ob die Abrechnung weiterläuft, wenn der Betreiber ausfällt.
Vier Uhren laufen inzwischen in demselben System. Geeignete Anlagen können im ersten Jahr zu 100 Prozent abgeschrieben werden. Die Schulden werden nach einem Zeitplan von 3,14 Jahren getilgt. S&P setzt die Nutzungsdauer von GPUs mit vier bis sechs Jahren an. Amazon hat die Nutzungsdauer einiger Server auf fünf Jahre verkürzt, während Meta die der meisten auf 5,5 Jahre verlängert hat. Der Mietvertrag in Ohio läuft 20 Jahre. Der frühe Vorteil und der spätere Verlust können damit bei unterschiedlichen Parteien anfallen.
Unter all dem liegt die Stromversorgung. Die Kapazitätspreise bei PJM stiegen von 28,92 Dollar je Megawatt-Tag auf 269,92 Dollar und dann auf 329,17 Dollar, die von der FERC genehmigte Obergrenze. Diese Preise zeigen, wie knapp Netzkapazitäten sind. Sie bestimmen nicht den Preis eines einzelnen Projekts, sie erklären aber, warum ein erschlossener Standort mit Netzanschluss seinen Wert lange behalten kann, nachdem sich die ursprünglichen Pläne für die Hardware geändert haben.
NVIDIAs ausgewiesenes Risiko ist heute klein und konkret. Das maximale Risiko aus Garantien für Anlagenmieten beträgt 3,5 Milliarden Dollar. 712 Millionen Dollar liegen auf Treuhandkonten. Die Laufzeiten betragen fünf bis sieben Jahre. Die Garantien werden als Kreditderivate bilanziert. Drei direkte Kunden standen für 54 Prozent des Quartalsumsatzes. Rechtlich getrennte Absatzkanäle, aber ein gemeinsamer Faktor: die Nachfrage nach KI. Bei einer Expansion verstärken sie sich gegenseitig. Bei einem Rückgang können sie sich gemeinsam umkehren.
Am 26. August um 13.20 Uhr pazifischer Zeit legt NVIDIA seine Zahlen vor. Das Quartal endete am 26. Juli. Damit können sämtliche Geschäfte vom August nur als Ereignisse nach dem Bilanzstichtag oder in der Telefonkonferenz auftauchen. Vergessen Sie die Schlagzeile zum Umsatz. Lesen Sie die Angaben zu den Garantien. Nominalwert, Treuhandkonten, Zeitwert und die Frage, ob solche Garantien die Ausnahme bleiben.
Ein GPU kann an Wert verlieren, während der dazugehörige Kredit weiter bedient wird. Er kann seinen Wert behalten, während der Kreditnehmer ausfällt. Die Wall Street bewertet nicht den Chip. Sie bewertet das Recht, mit dem Cluster weiter Umsätze zu erzielen. Keine Anlageberatung. Stellen Sie Ihre eigenen Nachforschungen an.