Berichte deuten auf eine geringere US-Präsenz und eine beschleunigte Verlagerung der Sicherheitslasten in der Region hin. Genau das, was Teheran wollte. So hat Trump ein Pfand für Verhandlungen, ohne ein echtes Zugeständnis machen zu müssen. Wie diese Entwicklung für Israel ausschlägt, wird sich zeigen
Der Beitrag erschien auf Englisch am 31. August 2026 auf der Seite des Quincy Institute for Responsible Statecraft
Von Abdelrahim Shalaby
Abdelrahim Shalaby ist ehemaliger ägyptischer Botschafter und stellvertretender Außenminister und schreibt regelmäßig über die Geopolitik des Nahen Ostens
Als Präsident Donald Trump Saudi-Arabien, der Türkei und Pakistan zum Abschluss des Mekka-Pakts gratulierte und ihn als „GROSSEN, MUTIGEN UND WICHTIGEN ERSTEN SCHRITT“ bezeichnete, bekundete er nicht einfach diplomatische Höflichkeit. Die Trump-Regierung unterstützte überdies stillschweigend eine multilaterale, von Saudi-Arabien geführte Initiative zum Schutz der Schifffahrt im Roten Meer und entsandte hochrangige US-Militärvertreter zu dem Treffen, auf dem die entsprechende Vereinbarung getroffen wurde.
Der rote Faden, der sich durch beide Initiativen zieht, ist deutlich: Die Staaten der Region übernehmen größere Verantwortung für ihre eigene Sicherheit. Hinter Trumps Lob scheint sich etwas Bedeutenderes abzuzeichnen. Nach Pentagon-Planungen, über die die Washington Post berichtet, prüft das Verteidigungsministerium eine umfassendere Reduzierung seiner Streitkräfte am Persischen Golf. Einheiten, Kommandozentralen und Luftstreitkräfte würden dabei nach Westen in Richtung Jordanien, Israel und an die saudische Küste des Roten Meeres verlegt. Das hieße, große feste Stützpunkte zugunsten kleinerer, besser geschützter Stellungen aufzugeben.
Das Pentagon betrachtet die durch iranische Angriffe verursachten Zerstörungen auf US-Stützpunkten am Persischen Golf, in den Worten der Post, als „seltene Gelegenheit“, die amerikanische Militärpräsenz in der Region grundsätzlich neu zu überdenken, anstatt die zerstörte Infrastruktur einfach wieder aufzubauen. Nach sechs Monaten Krieg mit dem Iran deuten diese Überlegungen darauf hin, dass die USA eine weitreichende Anpassung ihrer militärischen Aufstellung im Nahen Osten erwägen, bei der sie wesentlich stärker auf die sicherheitspolitische Eigenständigkeit der Regionalmächte setzen. Von einem amerikanischen Rückzug aus der Region kann allerdings keine Rede sein.
Die Logik hinter den möglichen Veränderungen ist einfach. Werden Truppen nach Jordanien, Israel und an die Westküste Saudi-Arabiens verlegt, befinden sie sich hinter einer besseren Luftverteidigung und verfügen im Falle künftiger iranischer Angriffe über längere Vorwarnzeiten. Gleichzeitig bleibt die Fähigkeit erhalten, eigene Angriffe im Roten Meer und in der Meerenge Bab al-Mandab durchzuführen. Kleinere und stärker verteilte Stützpunkte wären eine praktische Antwort auf eine reale Schwachstelle, die durch die iranischen Raketen- und Drohnenangriffe offengelegt worden ist.
Ein Aspekt kann in der Debatte leicht übersehen werden: Seit Jahren fordert der Iran als Teil möglicher Bemühungen um eine Deeskalation zwischen beiden Ländern eine Verringerung der amerikanischen Militärpräsenz am Persischen Golf. Jede Truppenverlagerung, die Washington zum Schutz der eigenen Streitkräfte vornimmt, könnte also gleichzeitig zum Verhandlungspfand gegenüber Teheran werden – ohne dass die USA dafür ein wirkliches Zugeständnis machen müssten. Auf einen Schlag könnten sie einen Teil der Last für den Schutz des Persischen Golfs abgeben, ihre eigenen Streitkräfte besser schützen und gleichzeitig die Tür zur Diplomatie mit dem Iran öffnen.
Eine endgültige Entscheidung ist bislang nicht gefallen. Ein Pentagon-Vertreter bezeichnete die militärischen Überlegungen gegenüber der Post als „umsichtige Planung“ und nicht als Rückzugsbefehl. Jede erhebliche Veränderung der amerikanischen Militärpräsenz in der Region, die derzeit auf 40.000 bis 50.000 Soldaten geschätzt wird, müsste von Trump und Verteidigungsminister Pete Hegseth genehmigt werden. Die Richtung ist allerdings klar. Amerika will in der Region bleiben, bloß mit kleineren und schwerer angreifbaren Streitkräften.
Die Planungen des Pentagon machen deutlich, dass Washington von den Regionalmächten erwartet, einen größeren Anteil an der militärischen und finanziellen Last der regionalen Verteidigung zu übernehmen, während die USA ihre Präsenz reduzieren. Trumps öffentliche Äußerungen passen zu dieser Interpretation. Zwar hat die Regierung eine Reihe unterschiedlicher Ziele für ihre Operation gegen den Iran genannt, aber Trump machte seine Prioritäten kürzlich in einem Beitrag auf Truth Social deutlich: „Das oberste Ziel ist und bleibt, dass Iran unter keinen Umständen und in keiner Weise über eine Atomwaffe verfügen darf.“
Das ist ein wesentlich bescheideneres Ziel als ein Regimewechsel oder gar eine militärische Öffnung der Straße von Hormus, die eine große und dauerhafte amerikanische Präsenz rund um den Persischen Golf erfordern würde. Wenn die Verhinderung einer iranischen Atomwaffe oberste Priorität hat und dieses Ziel bereits weitgehend erreicht ist, kann Trump die militärische Präsenz der USA reduzieren, ohne es wie einen Rückzug aussehen zu lassen. Freilich legt die Geschichte nahe, dass eine solche Verlagerung der Sicherheitslasten nicht reibungslos verlaufen wird.
Arabische Staaten haben bereits mehrfach versucht, einen größeren Anteil an der regionalen Verteidigung zu übernehmen, und sind damit gescheitert – unter anderem mit dem Golfkooperationsrat, der Damaskus-Erklärung von 1991 und der Middle East Strategic Alliance, die Trump während seiner ersten Amtszeit zu schaffen versuchte – und die letztlich gescheitert ist. Der entscheidende Unterschied zu den heutigen regionalen Initiativen besteht darin, dass sie zu einem Zeitpunkt entstehen, an dem Washington offenbar ernsthaft eine Verringerung seiner Truppenpräsenz erwägt. Ein solcher Abzug würde für die Staaten des Nahen Ostens erheblich stärkere Anreize schaffen, selbst eine größere Rolle für ihre Sicherheit zu übernehmen.
Die Verschiebung bedeutet nicht, Israel militärisch im Stich zu lassen. Ein Teil der Streitkräfte, die vom Persischen Golf abgezogen würden, soll nach Israel verlegt werden, weitere nach Jordanien und an die Westküste Saudi-Arabiens. Bemerkenswert ist jedenfalls, dass Washington offen die Entstehung einer arabisch geführten Sicherheitsarchitektur unterstützt, an der Saudi-Arabien, die Türkei, Pakistan und später womöglich Ägypten beteiligt wären und die einen Teil der bislang von den USA wahrgenommenen Aufgaben übernehmen würde. Trump scheint solche regionalen Arrangements zu begrüßen, weil sie den Iran eindämmen, ohne dass die Vereinigten Staaten selbst die Hauptlast tragen müssen. Dass diese Zusammenschlüsse eines Tages auch Israels Handlungsfreiheit einschränken könnten, scheint Trump nicht sonderlich zu beschäftigen.
Angesichts der engen Beziehungen zwischen Tel Aviv und Washington könnte Israels Reaktion auf die entstehenden Strukturen wichtig für deren Erfolg oder Scheitern werden. Zumindest bislang haben israelische Regierungsvertreter und Politiker vermieden, sich unmittelbar dazu zu äußern, obwohl sie zugleich wachsende Besorgnis vor einer erstarkenden, von türkischer Militärmacht gestützten „sunnitischen Achse“ erkennen lassen. Proisraelische Analysten in den USA haben ähnliche Bedenken geäußert, zugleich aber eine mögliche Verlegung zusätzlicher amerikanischer Truppen nach Israel als vorteilhaft für beide Länder begrüßt.
Amerika verlässt den Nahen Osten nicht. Allenfalls befestigt es seine Präsenz und verlagert einen Teil der Last für die regionale Sicherheit auf Verbündete, die dazu bereit sind, sie zu übernehmen. Eine neue regionale Ordnung nimmt Gestalt an. Sie ist nicht in erster Linie auf Israels Interessen zugeschnitten, richtet sich aber auch nicht ausdrücklich gegen sie. Ob diese Entwicklung für die USA oder Israel auf Dauer angenehm sein wird, könnte in einem Jahr die wichtigere Frage sein als die, ob sich Amerika aus dem Nahen Osten zurückzieht.
Titelbild: U.S. Air Force / Tech. Sgt. Nathan Lipscomb, Public Domain, via Rawpixel. The appearance of U.S. Department of War (DoW) visual information does not imply or constitute DoW endorsement. Das Erscheinen von Bildmaterial des US-Kriegsministeriums (DoW) stellt keine Billigung durch das DoW dar und impliziert eine solche auch nicht.