Die USA finanzieren den Irankrieg in einem immer komplizierteren Marktumfeld. Während die Fed die Leitzinsen unverändert lässt, treiben Investoren die langfristigen Renditen nach oben. Die Kosten geopolitischer Eskalation werden weniger von der Geldpolitik als von den Finanzmärkten festgesetzt


Der Beitrag erschien auf Englisch am 30. Juli 2026 bei x.com/shanaka86

Von Shanaka Anslem Perera

Shanaka Anslem Perera ist Unternehmer und Gründer sowie CEO von Pet Express Sri Lanka und unabhängiger Analyst aus Colombo. Er kommentiert Geldwesen, Geopolitik, Künstliche Intelligenz und Souveränität

Die Fed ließ die Leitzinsen unverändert. Der Anleihemarkt zog die langfristigen Renditen dennoch nach oben. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen stieg auf 5,23 % und erreichte damit den höchsten Stand seit Juli 2007.

Washington wertet das als Straffung der Finanzierungsbedingungen. Tatsächlich sieht es eher nach einer Rechnung aus. Das US-Finanzministerium muss allein in diesem Quartal 671 Milliarden Dollar am privaten Kapitalmarkt aufnehmen. Seine Berater aus dem Kreis der Primärhändler rechnen mit einer Finanzierungslücke von 1,3 Billionen Dollar in den Jahren 2027 und 2028, falls das Emissionsvolumen der Staatsanleiheauktionen unverändert bleibt.

Die Entscheidung fiel mit neun zu drei Stimmen. Der Leitzins bleibt damit bei 3,5 bis 3,75 %, wo er bereits seit Dezember liegt. Es war die fünfte Sitzung in Folge ohne Zinsschritt. Alle drei Gegenstimmen kamen von Präsidenten regionaler Notenbanken: Beth Hammack aus Cleveland, Neel Kashkari aus Minneapolis und Lorie Logan aus Dallas. Alle drei plädierten für eine Anhebung um 25 Basispunkte. 

Zum ersten Mal seit September 2016 widersprachen drei Notenbankvertreter gemeinsam in dieselbe Richtung. Fed-Präsident Kevin Warsh nennt das einen „guten Familienstreit“ und erklärt, genau dafür sei das System geschaffen worden. Der Dow Jones verlor 1.153 Punkte oder 2,19 % und verzeichnete damit den größten Tagesverlust seit April 2025. Der Nasdaq Composite schloss mehr als zehn Prozent unter seinem Rekordstand.

Die offizielle Lesart lautet, dass das Schweigen der Fed die Arbeit erledigt habe. Warsh strich die geldpolitischen Signale für die kommenden Monate aus der Erklärung und verwies auf deutlich gestiegene nominale und reale Renditen als Beleg für eine Straffung ohne Zinserhöhung. Liest man seine Worte genau, ergibt sich ein anderes Bild. Er sagte, der Verzicht auf Forward Guidance könnte ein Faktor gewesen sein. Könnte. Ein Faktor. Er behauptete nicht, den Renditeanstieg herbeigeführt zu haben. 

Tatsächlich waren die langfristigen Renditen zwischen zwei Fed-Sitzungen bereits deutlich gestiegen, bevor er überhaupt den Mund aufgemacht hat. Die tiefer gehende Lesart lautet, dass das lange Ende der Zinskurve nicht länger von der Fed bestimmt wird. Es wird jetzt auf den Auktionen für US-Staatsanleihen anhand von vier Risiken bepreist, die der Offenmarktausschuss nicht in der Hand hat: 

1. Ölpreise von über 90 Dollar je Barrel. 2. Eine Inflation, die seit mehr als fünf Jahren über dem Zielwert liegt. 3. Das enorme Angebot neuer US-Staatsanleihen. 4. Die Unsicherheit darüber, wie die Fed auf neue Entwicklungen reagieren wird. Das Schweigen der Notenbank hat keine dieser Kräfte hervorgebracht, sondern nur einen Dämpfungsfaktor beseitigt. Dadurch entstehen zwei Rückkopplungsschleifen, die in den meisten geldpolitischen Modellen nicht vorkommen. 

In der ersten Schleife führen steigende langfristige Renditen zu restriktiveren Finanzierungsbedingungen. Die Fed verweist auf diese Straffung, um die Leitzinsen unverändert zu lassen. Wird dieses Stillhalten jedoch als unzureichend wahrgenommen, steigt die Inflationsprämie erneut. Das Misstrauen der Märkte übernimmt die Rolle geldpolitischer Straffung. Die Untätigkeit der Fed bestätigt dieses Misstrauen anschließend.

In der zweiten Schleife verteuert jeder Basispunkt, der private Kreditnehmer belastet, zugleich den Schuldendienst des Staates, sobald bestehende Schulden refinanziert werden müssen. Höhere Zinsausgaben erzwingen neue Anleiheemissionen. Ein größeres Angebot langlaufender Staatsanleihen verlangt wiederum nach einer höheren Laufzeitprämie. Die Straffung verschlechtert damit genau jene finanzielle Ausgangslage, die sie selbst mit hervorgerufen hat.

Warsh sagte, es gebe kein weiches Inflationsziel, sondern nur eine Zahl: zwei Prozent. Der Anleihemarkt antwortete darauf mit einer Rendite von 5,23 % für 30-jährige US-Staatsanleihen. Die Fed kontrolliert weiterhin nur die kurzfristigen Übernachtzinsen. Das Angebot neuer Staatsanleihen, die Ölpreise und die Inflationserwartungen bestimmen inzwischen die langfristigen Renditen. 

Die Fed hielt still. Der Anleihemarkt erhöhte die langfristigen Renditen. Und das lange Ende der Zinskurve könnte sich aus genau dem Grund weiter verschärfen, den kein Zentralbanker Anerkennung für sich beanspruchen will.