Der Irankrieg ist zu einem wirtschaftlichen Abnutzungskampf geworden. Nun könnten die Huthi das Patt zugunsten Teherans verschieben. Ihre Geländegewinne im Jemen bedrohen die saudischen Ölexporte durch den Bab al-Mandab und treiben die Ölpreise. Das erhöht den wirtschaftlichen und politischen Druck auf Washington. Dabei handeln die Huthi nicht als iranischer Proxy, sondern verfolgen vor allem eigene Ziele gegenüber Saudi-Arabien
Der Beitrag erschien auf Englisch am 18. September 2026 auf der Seite des Quincy Institute for Responsible Statecraft
Von Paul R. Pillar
Paul R. Pillar ist Senior Fellow am Center for Security Studies der Georgetown University und Fellow am Quincy Institute for Responsible Statecraft. Zudem ist er Associate Fellow am Geneva Center for Security Policy
Der Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran ist zu einem Wettstreit darum geworden, wer wirtschaftlichen Schmerz länger ertragen kann – und welche politischen Folgen daraus erwachsen. So stellt sich der Konflikt dar, seit im Juni das Memorandum of Understanding (MoU) gescheitert ist, das kurzzeitig Hoffnungen auf ein Ende des Krieges geweckt hatte. Beide Seiten scheinen überzeugt zu sein, dass sie die andere in diesem Abnutzungskampf überdauern können. Eine grundlegende Veränderung dieser Lage ist in absehbarer Zeit unwahrscheinlich, auch wenn einiges darauf hindeutet, dass der Iran eine militärische Eskalation erwägt, um die Pattsituation zu durchbrechen.
Die Trump-Regierung scheint nach dem Scheitern anderer Optionen darauf zu hoffen, dass das iranische Regime entweder von einer wirtschaftlich unter Druck geratenen Bevölkerung gestürzt wird oder irgendwann nachgibt und Zugeständnisse macht. Eine der bedeutendsten jüngeren Entwicklungen, die dieses Patt verändern könnte, ist die Wiederaufnahme militärischer Operationen durch das Huthi-Regime im Jemen. Dazu gehört auch das Unterbinden von Schiffsverkehr durch das Rote Meer und die Meerenge Bab al-Mandab.
Die Huthi bilden ein Regime und sind nicht nur eine Miliz oder Oppositionsgruppe. Sie nahmen 2014 die jemenitische Hauptstadt Sanaa ein und herrschen seit Jahren über ein Gebiet, in dem rund zwei Drittel der jemenitischen Bevölkerung leben. Ihr wichtigster innerjemenitischer Gegner wird zwar gemeinhin als „international anerkannte Regierung des Jemen“ bezeichnet, ist aber ein schwacher Klient Saudi-Arabiens, wo sich seine Führung die meiste Zeit aufhält.
Frühere Angriffe der Huthi auf die Schifffahrt im Roten Meer richteten sich gegen Israel und waren als Zeichen der Solidarität mit der schwer getroffenen palästinensischen Bevölkerung des Gazastreifens gedacht. Diesmal richtet sich der Konflikt der Huthi gegen Saudi-Arabien. Sie haben eine Blockade gegen die saudische Schifffahrt ausgerufen.
Hintergrund der gegenwärtigen Auseinandersetzungen zwischen dem Jemen und Saudi-Arabien ist der jahrelange saudische Luftkrieg gegen den Jemen, der das Land in eine humanitäre Katastrophe stürzte und 2022 mit einem Waffenstillstand endete. Dieser Waffenstillstand hielt weitgehend bis in dieses Jahr. Im vergangenen Monat hat sich der gegenseitige Beschuss jedoch rasch intensiviert. Bei den jüngsten Angriffen über die saudisch-jemenitische Grenze hinweg sollen die Huthi nach saudischen Angaben unter anderem eine Drohne über Mekka geschickt haben. Die Huthi wiederum behaupten, einen saudischen Kampfjet über jemenitischem Gebiet abgeschossen zu haben.
Im vergangenen Monat begannen die Huthi, saudische Schiffe im Roten Meer anzugreifen. Ihre Geländegewinne gegen innerjemenitische Gegner in den vergangenen zwei Wochen haben ihre Möglichkeiten für weitere Angriffe auf See vergrößert. Sie haben den Hafen von Mokka erobert und die mitten im Bab al-Mandab gelegene Insel Perim. Diese Eroberungen verschaffen ihnen Stützpunkte, von denen aus sie den Schiffsverkehr in der Meerenge und unmittelbar nördlich davon stärker behindern können.
Unterdessen hat ein offenbar von einer Miliz im Irak verübter Angriff auf die quer durch die Arabische Halbinsel verlaufende saudische Ölpipeline Saudi-Arabien gezwungen, die Leitung vorerst stillzulegen. Die wichtigste unmittelbare Folge dieser jüngsten Ereignisse ist ein weiterer Rückgang der saudischen Ölexporte. Vor dem amerikanisch-israelischen Krieg gegen den Iran war Saudi-Arabien der größte Ölexporteur der Welt. Der Krieg ließ die saudischen Ausfuhren jedoch auf 3,2 Millionen Barrel pro Tag und damit auf den niedrigsten Stand seit 13 Jahren fallen.
Die Saudis waren stark auf die Pipeline zum Roten Meer angewiesen, um die unterbrochenen Exporte durch die Straße von Hormus zu ersetzen. Zeitweise flossen während des Krieges rund vier Millionen Barrel täglich durch die Leitung – das entspricht etwa vier Prozent des weltweiten Ölverbrauchs. Der saudische Ölkonzern Aramco gibt an, die Kapazität der Pipeline durch Ausbaumaßnahmen auf sieben Millionen Barrel pro Tag erhöht zu haben.
Saudi-Arabien hofft, die Schäden bald zu beheben und die Pipeline wieder in Betrieb zu nehmen. Doch solange die Huthi Tanker mit saudischem Öl im Bab al-Mandab ins Visier nehmen, bleibt das Problem einer sicheren Exportroute bestehen. Die Saudis könnten Tanker nach Norden in Richtung Mittelmeer schicken und das Öl entweder durch den Suezkanal oder über eine Pipeline in Ägypten transportieren. Für die meisten Kunden Saudi-Arabiens ist das allerdings die falsche Richtung, denn sie befinden sich in Asien.
Die Märkte haben auf diese Lage bereits reagiert. Brent-Rohöl-Futures stiegen auf mehr als 100 Dollar pro Barrel und halten sich seitdem auf diesem Niveau. Eine wichtige indirekte Folge dieser Entwicklungen besteht darin, dass sie das Kräfteverhältnis im amerikanisch-iranischen Abnutzungskampf zugunsten des Iran und zulasten der Vereinigten Staaten verschieben. Der wichtigste Mechanismus, über den die Trump-Regierung unter Druck gerät, ist der höhere Ölpreis. Er führt zu höheren Benzin- und Dieselpreisen, mehr Inflation und wachsender Unzufriedenheit unter amerikanischen Wählern.
Die Iraner haben wirtschaftlich wie körperlich zweifellos mehr zu leiden als die Amerikaner. Für den Iran steht allerdings auch mehr auf dem Spiel. Für das Regime in Teheran geht es um sein Überleben, während für die Vereinigten Staaten und die Trump-Regierung nichts auch nur annähernd Vergleichbares auf dem Spiel steht. Die Aktivitäten der Huthi könnten der Weltwirtschaft weiteren Schaden zufügen, der auch in den Vereinigten Staaten zu spüren wäre. Dazu könnte die Beeinträchtigung des Schiffsverkehrs jenseits der Öltransporte beitragen.
Neun Prozent des weltweiten Seeverkehrs passieren den Suezkanal, das Rote Meer und den Bab al-Mandab. Obwohl die Huthi erklären, ausschließlich Saudi-Arabien anzugreifen, könnte die Sorge von Reedereien und Versicherern vor Fahrten durch ein Kriegsgebiet den Verkehr einschränken – ähnlich wie in der Straße von Hormus. Da die Aussicht, dass Teheran klein beigibt, kleiner ist als je zuvor, würde jedes Ende des amerikanisch-iranischen Krieges eine Verhandlungslösung erfordern.
Wie das frühere MoU müsste sie mit großer Wahrscheinlichkeit aus einem Waffenstillstand und einem groben Rahmenabkommen bestehen, das die schwierigen Fragen auf spätere Verhandlungen vertagt. So wie die Schifffahrt durch die Straße von Hormus Bestandteil des MoU war – und unterschiedliche Auslegungen dieser Klausel maßgeblich zum späteren Scheitern des Waffenstillstands beitrugen –, müsste bei einem neuen Waffenstillstandsabkommen wahrscheinlich auch die Schifffahrt durch den Bab al-Mandab geregelt werden.
Obwohl der Bab al-Mandab und das Rote Meer außerhalb des Hauptkriegsschauplatzes am Persischen Golf liegen, würden die Vereinigten Staaten vermutlich darauf bestehen, dass diese Frage behandelt wird – so wie der Iran darauf bestand, dass der frühere Waffenstillstand auch die israelischen Angriffe im Libanon einschließt. Diese Parallele reicht noch weiter und macht zugleich deutlich, wie schwierig die Verhandlungen über einen künftigen Waffenstillstand wären.
Die Vereinigten Staaten kontrollieren das Vorgehen Israels nicht, und der Iran kontrolliert das Vorgehen des Huthi-Regimes nicht. Die Bezeichnung des Regimes als „iranischer Proxy“, wie sie üblicherweise verwendet wird, ist irreführend. Die Huthi haben bereits gegen den Rat des Iran gehandelt – am deutlichsten bei der Einnahme Sanaas. Ihre wachsende Fähigkeit, eigene Waffen herzustellen, macht sie zudem weniger abhängig von iranischer Unterstützung. Die Huthi sympathisieren mit ihren iranischen Verbündeten, doch ihre wichtigsten Anliegen liegen näher an der Heimat und betreffen vor allem ihre Auseinandersetzung mit Saudi-Arabien.
Auch die Vereinigten Staaten kontrollieren das Vorgehen Saudi-Arabiens nicht. Das Königreich könnte ebenso wie Israel zu einem Störfaktor für einen amerikanisch-iranischen Frieden werden. Bei den Motiven endet die Parallele allerdings. Während die israelische Regierung jedes Friedensabkommen mit dem Iran ablehnt, dürfte Saudi-Arabien ein Ende des Krieges begrüßen, der die Ursache vieler seiner gegenwärtigen wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Probleme ist. Doch solange ein solches Ende nicht absehbar ist, Saudi-Arabien wegen des drastischen Rückgangs seiner Ölexporte eine Finanzkrise droht und die Trump-Regierung bislang nicht zu neuen Maßnahmen gegen die Huthi bereit ist, könnten sich die Saudis zu einer weiteren Eskalation gegen die Huthi entschließen.
Der Bab al-Mandab und das Rote Meer würden dadurch noch stärker zum Kriegsgebiet. Ein solches Szenario würde nicht nur die Diplomatie zur Beendigung des amerikanisch-iranischen Krieges erschweren. Es würde auch diejenigen bestätigen, die davor gewarnt haben, dass ein amerikanischer Militärangriff auf den Iran einen Flächenbrand im Nahen Osten auslösen würde. Der Irankrieg hat alte Konflikte wie zwischen Israel und dem Libanon oder zwischen dem Jemen und Saudi-Arabien in neue gewaltsame Phasen getrieben. Diese eskalieren nun nach ihrer jeweils eigenen zerstörerischen Logik.
Titelbild: Craigbirckheadm / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/