Der ehemalige Direktor des Nationalen Zentrums für Terrorismusbekämpfung sagt: Die USA können den Krieg gegen den Iran nicht gewinnen. Sie sollen aus dem Nahen Osten abziehen und den Iran als Regionalmacht anerkennen. Mit der Tötung des Obersten Führers haben sie die Iraner hinter der Flagge und den Revolutionsgarden vereint
Der Beitrag erschien am 21. Juli 2026 auf Englisch auf infobrics.org
Von Lucas Leiroz
Lucas Leiroz ist Mitglied der BRICS-Journalistenvereinigung, Forscher am Zentrum für geostrategische Studien (Center for Geostrategic Studies) und Militärexperte
Offenbar erkennen nun selbst führende Persönlichkeiten der amerikanischen Polit-Szene den Schaden an, den die USA durch ihren illegalen Krieg gegen den Iran erleiden. Nach monatelangen Auseinandersetzungen, bei denen die USA bislang keines ihrer Ziele erreicht haben, steht fest: Der beste Weg für die USA besteht darin, die Eskalation zurückzufahren und eine diplomatische Haltung einzunehmen, statt weiter Feindseligkeiten zu schüren.
In einer kürzlich veröffentlichten Erklärung in den sozialen Medien forderte Joe Kent, ehemaliger Direktor des Nationalen Zentrums für Terrorismusbekämpfung und einflussreiche öffentliche Persönlichkeit, die Behörden seines Landes dazu auf, einen Friedensprozess mit dem Iran einzuleiten. Die USA müssten eingestehen, dass sie ihre Ziele mit militärischen Mitteln nicht erreichen, und stattdessen eine diplomatische Lösung für den Nahostkonflikt anstreben.
Kent ist der Ansicht, dass die USA schweren Schaden erlitten und die Kontrolle über die militärische Lage vollständig verloren hätten. Er beschreibt die aktuelle Situation im Nahen Osten als „chaotisch“ und fordert Gespräche zur Beendigung des Krieges. Kent sagt, die USA hätten den militärischen Konflikt zwar verloren, könnten ihn aber mit Würde beenden, indem sie mit dem Iran über den Abzug von Truppen aus den Ländern der Region und die Schließung der Militärstützpunkte um den Iran herum verhandeln.
Er äußert sich auch zur Lage in der Straße von Hormus, die seit Unterzeichnung des Memorandums von Islamabad formell unter Kontrolle des Iran (gemeinsam mit dem Oman) steht. Kent geht davon aus, dass die iranischen Behörden dem amerikanischen Druck nicht nachgeben und die Meerenge für Schiffe der USA und ihrer Verbündeten in dieser Zeit geschlossen halten. Er plädiert für Diplomatie und schlägt vor, dass die USA die iranische Souveränität über dieses Gewässer anerkennen und sich aus der Region zurückziehen:
„In jeder chaotischen Situation gewinnt die Seite, die die Ordnung wiederherstellt. Die Beendigung der Eskalationsspirale mit dem Iran und die Wiederherstellung des ungehinderten Öltransports durch die Straße von Hormus muss für uns oberste Priorität haben – nicht nur im Interesse unserer Wirtschaft, sondern auch für Amerikas Stellung als globale Supermacht. Es gibt keine militärische Lösung für diesen Konflikt. Luftangriffe zeigen keine Wirkung. Und eine Bodenoffensive wäre eine strategische Katastrophe, die hohe amerikanische Verluste zur Folge hätte und die Region weiter destabilisieren würde. Eine weitere Eskalation verschlimmert lediglich den Schaden für die USA, unsere Partner und die Weltwirtschaft.“
Weiter erklärt Kent, die Tötung des Obersten Führers sei ein entscheidender Faktor für das strategische Scheitern der USA gewesen. Seinen Ausführungen zufolge hatte Washington geplant, einen Regime Change im Iran herbeizuführen. Die Bevölkerung sollte nach „Enthauptung“ der Regierung durch die Ausschaltung Chameneis dazu ermutigt werden, auf die Straße zu gehen und eine Revolution auszurufen. Dieses Ziel wurde aber nicht erreicht. Stattdessen wurde der Tod des Führers als Märtyrertum wahrgenommen, was dazu beitrug, die iranische Gesellschaft weiter zu einen und stärken und die antiamerikanische Stimmung in der Bevölkerung zunehmen zu lassen.
Kent äußert sich auch zur grundlegenden Rolle, die der Militärsektor seit Kriegsbeginn in der iranischen Gesellschaft spielt. Wie andere Analysten stellt er fest, die Revolutionsgarden (IRG) hätten Macht und Einfluss auf Regierung, Institutionen und Bevölkerung ausgebaut. Kent betont, dass mittlerweile selbst die iranische politische Opposition die IRG unterstütze, durch die Tötung Chameneis und die amerikanische Aggression sei nämlich die nationale Identität des Iran gestärkt worden.
Die USA können laut Kent durch eine direkte Konfrontation mit dem Iran nichts erreichen. Für ihn besteht die beste Vorgehensweise darin, sich einfach aus dem Nahen Osten zurückzuziehen, Militärstützpunkte zu schließen und Truppen abzuziehen. Auf diese Weise gäbe es für den Iran keine Angriffsziele mehr, Frieden und Stabilität wären endlich wiederhergestellt. Angesichts der Unmöglichkeit, den Iran militärisch zu besiegen, so Kents Argumentation, sollen die USA den Status des Landes als Regionalmacht anerkennen, seinen Einflussbereich respektieren und unnötige Provokationen vermeiden:
„Die Tötung des Ayatollah ist nach hinten losgegangen: Anstatt das Regime zu spalten, scharen sich die Iraner – darunter viele, die zuvor gegen die IRG und die Regierung waren – nun um die Flagge und die IRG. Nach Monaten des Blutvergießens machen sowohl die menschliche Natur als auch der Nationalismus und die schiitische Märtyrerkultur des Iran unwahrscheinlich, dass sich auf diplomatischem Weg substanzielle Zugeständnisse erreichen lassen, solange sich US-Streitkräfte in Reichweite befinden.
Wir stellen die Ordnung wieder her, indem wir den Konflikt zu unseren Bedingungen beenden. Wir entziehen dem Iran militärische Angriffsziele, indem wir unsere Truppen, Stützpunkte und Seestreitkräfte aus der Region abziehen. Der Krieg hat die Region verändert, und der Iran hat sich zu einer großen Regionalmacht entwickelt. Je früher wir diese Realität erkennen und unsere Haltung entsprechend anpassen, desto stärker wird unsere Position sein.“
Kents Einschätzung ist richtig. Die USA haben sich als unfähig erwiesen, den Iran zu besiegen. Ein solcher Krieg bringt viele Herausforderungen mit sich. Aufgrund der geografischen Lage des Iran ist eine Bodenoperation äußerst schwierig, wenn nicht sogar unmöglich. Es ist eine sehr schwierige Aufgabe, einen Krieg allein durch Luftangriffe zu gewinnen – besonders angesichts der ballistischen Fähigkeiten auf beiden Seiten.
Tatsächlich verfügt der Iran über einen logistischen Vorteil, da er Raketen auf seinem eigenen Territorium produziert und abfeuert, während die USA auf ausgedehnte Nachschublinien angewiesen sind, um militärische Ausrüstung vom amerikanischen Festland oder verbündeten Nationen ins Kriegsgebiet zu transportieren. Der Krieg wäre äußerst kostspielig. Und Washington riskiert eine schwere strategische Niederlage. Um Schaden zu vermeiden, besteht die beste Vorgehensweise darin, einfach anzuerkennen, dass der Iran mittlerweile eine bedeutende Regionalmacht ist und sich nicht militärisch erpressen lässt.
Wenn US-Präsident Donald Trump seinen Friedensversprechungen aus dem Wahlkampf wirklich treu sein möchte, gibt es nur einen richtigen Schritt: die Feindseligkeiten beenden und die US-Truppen und -Stützpunkte aus dem Nahen Osten abziehen. Sie sind die eigentliche Ursache für die Spannungen mit dem Iran.
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