Hinter Chinas Flugzeugträgern liegt die strategische Tiefe des Pazifiks. Die Erste Inselkette bildet eine geografische Barriere, die Zweite Inselkette öffnet als strategischer Gürtel die Weiten des Pazifiks. Hinter den Flugzeugträgern der Türkei hingegen liegen die zunehmend durchsichtigen begrenzten Gewässer der Ägäis und des östlichen Mittelmeers. Um Machtprojektion und Gebietssperre zu erlangen, muss die Türkei von China lernen

Der Beitrag erschien auf Englisch am 2. September 2026 im Substack des Autors

Von Cem Gürdeniz

Cem Gürdeniz ist Publizist und Vizeadmiral im Ruhestand. Er gründete 2015 das maritime Forum an der privaten Koç-Universität (KÜDENFOR) und 2021 die Stiftung Hamit Naci Mavi Vatan. Gürdeniz ist ein Vordenker der Idee Mavi Vatan (Blaue Heimat), in der die Türkei als Seemacht gedacht wird

Einer der folgenschwersten Fehler in der Debatte über die Zukunft der Seemacht besteht darin, die von Großmächten eingesetzten Plattformen als Modelle zu betrachten, die unabhängig von den geografischen und strategischen Bedingungen, unter denen sie zum Einsatz kommen, nachgebildet werden können. Solche linearen Ansätze übersehen die grundlegendste Variable der Marinestrategie: die Geografie. 

Der tatsächliche Wert eines Kriegsschiffes wird nicht allein durch die Fähigkeiten der Flugzeuge, Raketen oder Sensoren bestimmt, die es mitführt, sondern auch dadurch, wo es sich bei Ausbruch eines Krieges befinden wird, welchen Bedrohungen es ausgesetzt sein wird, wie lange es in einem umkämpften Umfeld überleben kann und ob es unter Gefechtsbedingungen weiterhin dazu in der Lage ist, seinen Auftrag zu erfüllen. Der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran hat diese Realität mit bemerkenswerter Deutlichkeit vor Augen geführt. Seit dem 28. Februar 2026 haben die Vereinigten Staaten nicht geschafft, ihre Seestreitkräfte in den Persischen Golf zu entsenden.

Das geopolitische Schicksal der Türkei im 21. Jahrhundert wird sich weitgehend im Mittelmeer entscheiden. Diese Realität verlangt von der Türkei einen strategischen Fahrplan, der sowohl von kontinentaler als auch von maritimer Geopolitik geprägt ist. In wichtigen Aspekten weist die strategische Lage der Türkei Ähnlichkeiten mit derjenigen Chinas auf. Aus diesem Grund bietet das chinesische Modell einen besonders aufschlussreichen Vergleichsmaßstab für Überlegungen zur künftigen Struktur der türkischen Marine. In diesem Rahmen muss die Türkei ein angemessenes Gleichgewicht zwischen Machtprojektion und Zugangs- beziehungsweise Gebietssperre (Anti-Access/Area Denial, A2/AD) herstellen. Sie muss über Plattformen zur Machtprojektion verfügen, die Krisenmanagement, Kanonenboot- und Marinediplomatie sowie humanitäre Hilfe und Katastrophenhilfe unterstützen können. 

Zugleich muss die türkische Marineplanung aber die Überlebensfähigkeit solcher Plattformen und die Risiken, denen sie in den ersten Stunden eines hochintensiven Konflikts ausgesetzt wären, umfassend berücksichtigen. Die wichtigste Lehre, die die Türkei aus dem chinesischen Beispiel ziehen sollte, besteht daher nicht einfach darin, dass Peking Flugzeugträger baut. Genauer untersucht werden sollte vielmehr, wo China seine Flugzeugträger einzusetzen beabsichtigt, welchen strategischen Zwecken sie dienen und in welche umfassendere A2/AD-Architektur sie eingebettet sind. 

Hinter Chinas Flugzeugträgern liegt die gewaltige strategische Tiefe des Pazifischen Ozeans. Hinter einem künftigen türkischen Flugzeugträger hingegen lägen die zunehmend durchsichtigen und geografisch begrenzten Gewässer der Ägäis und des östlichen Mittelmeers.

Machtprojektion, Zugangssperre und Gebietssperre

In der Marinestrategie müssen zwei grundlegende Ziele voneinander unterschieden werden. Das erste ist die Machtprojektion: die Fähigkeit eines Staates, militärische Macht in beträchtlicher Entfernung von seinen eigenen Küsten einzusetzen und dauerhaft aufrechtzuerhalten. Flugzeugträger, amphibische Angriffsschiffe wie die TCG Anadolu, große Überwasserkampfschiffe und logistische Unterstützungsschiffe gehören zu den wichtigsten Instrumenten dieser Funktion.

Das zweite Ziel besteht darin, einem Gegner den Zugang zu einem bestimmten Seegebiet oder seine freie Operationsführung innerhalb dieses Gebietes zu verwehren. Zunächst muss einem Gegner der Zugang zur eigenen Küste oder zu den eigenen maritimen Hoheitsgebieten verwehrt werden. Gelingt dies nicht, verlagert sich der Schwerpunkt darauf, dem Gegner innerhalb des umkämpften Gebietes die Handlungsfreiheit zu nehmen. Das in der älteren marinestrategischen Literatur gewöhnlich Sea Denial genannte Konzept, das heute zunehmend im Rahmen von Anti-Access/Area Denial (A2/AD) gedacht wird, stellt die praktische Umsetzung dieses Ansatzes dar. 

Ziel ist nicht notwendigerweise die Erlangung der Seeherrschaft. Unter bestimmten Umständen genügt es, dem Gegner die Seeherrschaft zu verwehren und ihn daran zu hindern, den maritimen Raum ungehindert für militärische Zwecke zu nutzen. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil strategische Wirkungen nicht zwangsläufig die Vernichtung der gegnerischen Flotte voraussetzen. Können die militärischen, wirtschaftlichen und politischen Kosten des Eindringens in ein bestimmtes Seegebiet oder der dortigen Operationsführung über den Nutzen hinaus gesteigert werden, den sich der Gegner davon verspricht, kann das strategische Ziel bereits erreicht sein. 

Die Haltung des Iran gegenüber der US-Marine bietet ein aktuelles Beispiel für die gleichzeitige Anwendung von Maßnahmen zur Zugangs- und Gebietssperre. Der Fall des osmanischen Minenlegers Nusret im Jahr 1915 liefert hierfür ein besonders eindrucksvolles historisches Beispiel. Am 18. März 1915 konnten die osmanischen See- und Landstreitkräfte die alliierte Flotte nicht daran hindern, die nördliche Ägäis und die Zufahrten zu den Dardanellen zu erreichen. Nachdem die alliierte Flotte aber in den umkämpften Gefechtsraum eingedrungen war, entstand durch den kombinierten Einsatz der von der Nusret gelegten Minenfelder und der Küstenartillerie ein wirksames System zur Gebietssperre. Noch bevor die alliierte Flotte in die engsten Abschnitte der Dardanellen vorstoßen konnte, wurden drei Schlachtschiffe versenkt und drei weitere schwer beschädigt, so dass die angreifenden Kräfte zum Rückzug gezwungen waren.

Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine im Schwarzen Meer bietet ein jüngeres Beispiel. Obwohl die Ukraine über keine konventionelle Marine verfügt, die mit Russlands Schwarzmeerflotte vergleichbar wäre, hat sie deren Bewegungsfreiheit durch den kombinierten Einsatz landgestützter Raketen, unbemannter Überwasserfahrzeuge, unbemannter Kampffluggeräte und anderer Systeme erheblich eingeschränkt. In ähnlicher Weise hat im Roten Meer die von den Huthi ausgehende Raketen- und Drohnenbedrohung trotz ihrer weitaus begrenzteren Ressourcen gezeigt, dass asymmetrische Fähigkeiten selbst in einer Region, in der einige der mächtigsten Marinen der Welt operieren, die mit dem Seeverkehr verbundenen Kosten und Risiken erheblich erhöhen können.

Ein Ozean hinter den Inselketten – Chinas großer Vorteil

Auf den ersten Blick scheint Chinas maritime Geografie einen erheblichen strategischen Nachteil mit sich zu bringen. Chinas Küste wird von der Ersten Inselkette umschlossen, die sich über Japan, die Ryūkyū-Inseln, Taiwan und die Philippinen erstreckt. Um vom Gelben Meer, Ostchinesischen Meer oder Südchinesischen Meer in den Pazifik zu gelangen, muss die Marine der Volksbefreiungsarmee (PLAN) diese geografische Barriere durchbrechen. Die Erste Inselkette bildet jedoch keine lückenlose Mauer. 

Aus der Perspektive eines Konflikts um Taiwan sind drei Gebiete von besonderer Bedeutung: die Miyako-Straße, die Passage zwischen Yonaguni und Taiwan sowie das System der Luzon- und Bashi-Straßen, die allesamt potenzielle Zugänge zum offenen Pazifik darstellen. Im Kriegsfall wäre natürlich keine dieser Passagen für China von vornherein sicher. Landgestützte Seezielflugkörper, unbemannte Kampffluggeräte, U-Boote, Flugzeuge und Sensornetzwerke der Vereinigten Staaten, Japans und der Philippinen könnten diese Routen einer erheblichen Bedrohung aussetzen. Der entscheidende strategische Unterschied liegt aber hinter diesen Passagen. 

Sobald es China gelingt, einen Flugzeugträgerverband über die Erste Inselkette hinaus zu verlegen, stößt er auf die Zweite Inselkette. Diese weiter östlich gelegene und sich über den westlichen Pazifik erstreckende Inselkette ist ein strategischer Gürtel, dessen Mittelpunkt vor allem die US-Stützpunkte auf Guam und den Nördlichen Marianen bilden. Im weiteren Sinne erstreckt sie sich von den japanischen Ogasawara- beziehungsweise Bonin-Inseln und Iwo Jima im Norden über Saipan und Tinian im US-amerikanischen Commonwealth der Nördlichen Marianen bis nach Guam und weiter südlich in Richtung der Föderierten Staaten von Mikronesien und Palau. Ihr militärisches Gravitationszentrum bildet die US-Militärinfrastruktur auf Guam, insbesondere die Andersen Air Force Base und die Naval Base Guam. Beide Einrichtungen liegen allerdings in Reichweite chinesischer Langstreckenwaffen.

Geografisch bildet die Erste Inselkette einen relativ begrenzten maritimen Raum in unmittelbarer Nähe des chinesischen Festlands, der durch enge Meerengen, eingeschränkte Passagen und dichte Sensor- und Waffennetzwerke gekennzeichnet ist. Die Zweite Inselkette hingegen erstreckt sich über einen erheblich größeren ozeanischen Raum. Die begrenzende Wirkung der Ersten Inselkette ergibt sich daher zum großen Teil aus der Geografie selbst – aus dem Zusammenspiel enger Passagen, der Nähe zum Festland und dichter Sensor- und Waffennetzwerke. Die militärische Bedeutung der Zweiten Inselkette beruht dagegen weniger auf einer geografischen Einengung als auf dem Netzwerk vorgeschobener US-Stützpunkte, Luft- und Seestreitkräfte, Langstreckenwaffen sowie Aufklärungs- und Überwachungssysteme – insbesondere auf Guam und den Nördlichen Marianen.

Anders ausgedrückt bildet die Erste Inselkette eine weitaus stärkere geografische Barriere, während die Zweite Inselkette eher als strategischer Gürtel zu verstehen ist, dessen militärische Bedeutung innerhalb der Weiten des Pazifiks sich größtenteils aus dem Netzwerk der dort stationierten US-Stützpunkte und Streitkräfte ergibt. In geografischer Hinsicht lässt sich die Erste Inselkette in gewisser Weise mit der Ägäis vergleichen, während die Zweite Inselkette mit dem weiteren Mittelmeerraum verglichen werden kann. Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass sich hinter beiden Inselketten die gewaltigen Weiten des Pazifischen Ozeans erstrecken. Für China ist es daher viel leichter, Zugang zu den offenen Räumen des Pazifiks zu erlangen, als es für die Türkei aufgrund ihrer geografischen Lage ist, den Atlantischen oder Indischen Ozean zu erreichen. 

Die strategische Tiefe, die China durch das Durchbrechen der Ersten und Zweiten Inselkette gewinnt, beschränkt sich dabei nicht auf die Möglichkeit, den gewaltigen Manövrierraum des Pazifiks zu nutzen. Die Salomonen und Kiribati stechen als zwei pazifische Inselstaaten hervor, die China künftig womöglich vorgeschobenen logistischen Zugang gewähren könnten. Das 2022 zwischen China und den Salomonen geschlossene Sicherheitsabkommen hat einen Rahmen geschaffen, der unter Umständen chinesische Flottenbesuche und logistische Unterstützung erleichtern könnte. 

Die Lage der Salomonen im Südpazifik ist von besonderer Bedeutung, weil sie dazu beitragen könnte, Operationen der PLAN Tausende Kilometer von Chinas wichtigsten Marinestützpunkten entfernt aufrechtzuerhalten. Kiribati bietet eine noch ausgedehntere strategische Geografie. Seine weit verstreuten Inseln reichen tief in den Zentralpazifik hinein und eröffnen langfristiges Potenzial für Hafen-, Flugplatz- und zivil wie militärisch nutzbare logistische Infrastruktur, die für China erhebliche strategische Bedeutung erlangen könnte. Gegenwärtig unterhält China in keinem der beiden Länder einen permanenten Marinestützpunkt, der mit der Basis in Dschibuti vergleichbar wäre. 

Pekings wachsende politische, wirtschaftliche und sicherheitspolitische Beziehungen zu diesen Staaten könnten aber künftig Möglichkeiten für Versorgung, Hafenzugang und vorgeschobene logistische Unterstützung schaffen. Chinas Fähigkeit, die Inselketten zu durchbrechen, eröffnet also mehr als nur die Möglichkeit, hochwertige Marineeinheiten in die strategische Tiefe des weiten Pazifiks zu verlegen. Sie schafft zugleich langfristig die Möglichkeit, entlang einer Achse Salomonen–Kiribati ein verteiltes Logistiknetzwerk aufzubauen und damit anhaltende chinesische Marineoperationen in zunehmend größerer Entfernung vom Festland zu unterstützen.

Kein Ozean hinter der Ägäis – das Problem der Türkei

Die maritime Geografie der Türkei ist nahezu das Gegenteil derjenigen Chinas. Die Ägäis ist ein außerordentlich komplexer Operationsraum, der durch Hunderte Inseln, Inselchen und Felsen zergliedert wird. Unter heutigen Bedingungen, in denen landgestützte Radarsysteme, elektrooptische Systeme, unbemannte Kampffluggeräte (UCAV), elektronische Aufklärungsmittel, Flugzeuge, Seezielflugkörper und U-Boote zunehmend über vernetzte Systeme miteinander verbunden werden, schrumpft der tatsächlich nutzbare Operationsraum in der Ägäis noch weiter. 

Wichtiger noch: Wer die Ägäis verlässt, gelangt deshalb noch nicht auf den offenen Ozean. Auch nach Erreichen des östlichen Mittelmeers verschwindet das Problem mangelnder strategischer Tiefe für ein großes Überwasserkampfschiff nicht. Das von Kreta, Zypern, der levantinischen Küste und Nordafrika begrenzte östliche Mittelmeer ist weder die Philippinensee noch der westliche Pazifik. Mit den Fortschritten bei satellitengestützter Aufklärung, Radar mit synthetischer Apertur (SAR), unbemannten Flugsystemen, Seefernaufklärern, elektronischer Aufklärung und weitreichenden Präzisionswaffen wird der potenzielle Operationsraum, in dem eine große Plattform unentdeckt und überlebensfähig bleiben kann, immer kleiner. 

Aus diesem Grund ist die physische Größe eines Seegebiets und seine effektive militärische Größe in der Seekriegsführung des 21. Jahrhunderts nicht länger identisch. Je größer die Reichweite von Sensoren und Waffen wird, desto kleiner werden die Ägäis und das östliche Mittelmeer als militärische Operationsräume. Die Türkei verfügt über kein geografisches Äquivalent zu der ozeanischen Tiefe, die China erreichen kann, wenn es einen nur wenige Hundert Seemeilen breiten maritimen Gürtel durchbrochen hat. 

Um mit einem künftigen 60.000-Tonnen-Flugzeugträger den Atlantik zu erreichen, müsste die Türkei das gesamte Mittelmeer durchqueren und die Straße von Gibraltar passieren. Um den Indischen Ozean zu erreichen, müsste der Träger das östliche Mittelmeer, den Suezkanal, das Rote Meer und die Meerenge Bab al-Mandab durchfahren. Sobald ein hochintensiver Konflikt begonnen hat, versteht es sich von selbst, dass diese Entfernungen und maritimen Engpässe nicht nach den Maßstäben der Navigation in Friedenszeiten beurteilt werden können.

Überlebensfähigkeit – die zentrale Frage in der Flugzeugträgerdebatte

Das türkische Flugzeugträgerprojekt stellt im Hinblick auf die Errungenschaften des Landes im Schiffbau, seine verteidigungsindustriellen Kapazitäten und die Marinefliegerei eine höchst bedeutsame technologische Schwelle dar. Sollte die Türkei künftig eine militärische und politische Präsenz im Indischen Ozean, in Afrika oder in weiter entfernten Gebieten von strategischem Interesse aufbauen, könnte eine solche Plattform darüber hinaus erhebliche Fähigkeiten zur Machtprojektion bereitstellen. 

Die zu beantwortende Frage lautet nicht: „Kann die Türkei einen Flugzeugträger bauen?“ Die wesentlich wichtigere Frage lautet: Kann die Türkei die Überlebensfähigkeit einer solchen Plattform in einem hochintensiven regionalen Krieg gewährleisten? Besonders entscheidend ist diese Frage im Hinblick auf die ersten Tage eines Konflikts. Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass ein hochintensiver Konflikt der Zukunft unter Beteiligung der Türkei auf eine einzige Front beschränkt bleibt. Ein Krieg könnte rasch horizontal eskalieren und sich auf den Luft-, See-, Weltraum-, Cyber- und elektromagnetischen Raum ausweiten. 

In einem multidirektionalen Bedrohungsumfeld im östlichen Mittelmeer könnten große, hochwertige Überwassereinheiten von Beginn an intensiver Aufklärung und Überwachung sowie dem Druck weitreichender Präzisionswaffen ausgesetzt sein. Die türkische Verteidigungsplanung muss daher die Möglichkeit berücksichtigen, dass die Sensornetzwerke, Luftstreitkräfte, U-Boote und Langstreckenwaffen Griechenlands, der griechisch-zyprischen Administration im Süden Zyperns, Israels sowie möglicherweise in der Region operierender französischer und US-amerikanischer Streitkräfte gleichzeitig im selben Operationsgebiet präsent sein könnten. 

Dies bedeutet nicht, dass diese Staaten zwangsläufig einen koordinierten Kriegsplan gegen die Türkei ausführen würden. Es bedeutet jedoch, dass die türkische Streitkräfteplanung das anspruchsvollste und intensivste plausible Szenario berücksichtigen muss. Ein Flugzeugträger operiert nicht für sich allein. Er benötigt zur Abwehr von Bedrohungen aus der Luft, von der Wasseroberfläche und aus der Tiefe Flugabwehrgeleitschiffe, Mittel zur U-Boot-Abwehr, U-Boote, logistische Unterstützungsschiffe und Fähigkeiten zur luftgestützten Frühwarnung. Es handelt sich also nicht um ein einzelnes Schiff, das geschützt werden muss, sondern um ein großes und kostspieliges System von Systemen. 

Noch wichtiger ist, dass der Verlust einer solchen Plattform weit mehr bedeuten würde als den Verlust militärischer Fähigkeiten und nationalen Vermögens. Die Zerstörung einer außerordentlich kostspieligen nationalen Plattform mitsamt den von ihr mitgeführten Flugzeugen könnte Folgen hervorrufen, die in keinem Verhältnis zu ihrem rein wirtschaftlichen Wert stehen, und erhebliche psychologische, politische und reputative Auswirkungen haben. Bei großen, hochwertigen Marineplattformen können die strategischen Kosten des Verlusts einer einzigen Einheit daher außerordentlich hoch sein.

Die ersten 72 Stunden des Krieges

Eine der wichtigsten Fragen für die künftige Streitkräfteplanung lautet daher: Welche Kräfte können die ersten 24, 48 und 72 Stunden nach Ausbruch der Feindseligkeiten überstehen und weiterhin operativ wirksam bleiben. Eine Plattform mag auf dem Papier über gewaltige Feuerkraft verfügen. Kann sie jedoch durch ein integriertes gegnerisches Netzwerk aus Satelliten, Radarsystemen, elektronischer Aufklärung, KI-gestützten Zielerfassungssystemen und Langstreckenraketen kontinuierlich verfolgt werden, gibt es keine Gewähr dafür, dass diese Feuerkraft in späteren Phasen des Konflikts noch eingesetzt werden kann.

In diesem Zusammenhang ist Überlebensfähigkeit eine Voraussetzung für Feuerkraft. Eine Waffe, die nicht erfolgreich attackiert werden kann, kann sich letztlich als wertvoller erweisen als eine Waffe mit größerer Zerstörungskraft. Ebenso ist eine Plattform, die nicht geortet werden kann, grundsätzlich schwieriger anzugreifen und zu zerstören. Tarnung, Mobilität, Täuschung, Überraschung und die Fähigkeit, Verluste zu verkraften, sollten daher zu grundlegenden Gestaltungskriterien der künftigen türkischen Streitkräftestruktur werden.

Eine Architektur für Zugangs- und Gebietssperre für die Türkei

U-Boote, unbemannte Überwasserfahrzeuge (USV), unbemannte Unterwasserfahrzeuge (UUV), UAV und UCAV, mobile landgestützte Seezielflugkörperbatterien, weitreichende Marschflugkörper und ballistische Raketen, Seeminen, Systeme der elektronischen Kampfführung, Täuschkörper und weiträumig verteilte Sensornetzwerke sollten nicht als voneinander unabhängige Fähigkeiten betrachtet werden. Vielmehr sollten sie als miteinander verbundene Bestandteile eines einzigen integrierten Ökosystems zur Zugangs- und Gebietssperre verstanden werden. Anstatt die Feuerkraft auf eine geringe Zahl außerordentlich kostspieliger Plattformen zu konzentrieren, sollte die Türkei der Verteilung ihrer Kampfkraft auf Hunderte mobile, leicht zu verbergende und geografisch verstreute Knotenpunkte Vorrang einräumen. 

Ein solcher Ansatz eignet sich besonders für beengte und hochintensive küstennahe Operationsräume wie die Ägäis und das östliche Mittelmeer. An Land sollten mobile Raketenbatterien nach dem Vorbild der vom Iran entwickelten Vorgehensweise durch eine Kombination aus unterirdischen Anlagen, Schutzräumen in Gebirgen, gehärteten Bunkern und Tunnelnetzwerken geschützt werden. Hinzukommen sollten Scheinpositionen und hochmobile Systeme, die ständig ihren Standort wechseln, um die gegnerische Zielerfassung zu erschweren. 

Ziel ist dabei nicht nur der Schutz einzelner Waffensysteme. Ebenso geht es darum, die gegnerischen Kapazitäten für Aufklärung, Überwachung, Zielerfassung und Zielbekämpfung auf eine möglichst große Zahl potenzieller Ziele zu verteilen und zu überlasten und zugleich die Unterscheidung zwischen echten militärischen Einrichtungen und Attrappen zunehmend zu erschweren. Auf diese Weise wird Überlebensfähigkeit nicht nur zu einer Funktion von physischem Schutz, sondern auch von Ungewissheit, Verteilung, Mobilität und Täuschung.

Unbemannte Über- und Unterwasserfahrzeuge können ein breites Spektrum von Aufgaben übernehmen, darunter Aufklärung und Überwachung, elektronische Kampfführung, Minenkrieg, Täuschung und – sofern operativ zweckmäßig – das Mitführen von Raketen. Einer ihrer wichtigsten Vorteile besteht darin, dass ihr Verlust nicht dieselben strategischen, politischen oder psychologischen Folgen nach sich zieht wie die Zerstörung großer bemannter Plattformen. Dies macht sie besonders wertvoll für eine Streitkräftestruktur, die auf Verteilung, Redundanz, Widerstandsfähigkeit und verkraftbare Verluste ausgerichtet ist.

Chinas eigentliche Lehre für die Türkei

An diesem Punkt wird das chinesische Modell besonders relevant. Wird Chinas Modernisierung seiner Seestreitkräfte ausschließlich durch das Prisma seines neuen Flugzeugträgers Fujian betrachtet, verleitet dies zu irreführenden Schlussfolgerungen. Während China seine trägergestützten Luftstreitkräfte ausbaut, errichtet es eine mehrschichtige Architektur zur Zugangs- und Gebietssperre, die es für US-amerikanische Flugzeugträger und andere hochwertige Marineeinheiten zunehmend gefährlich machen soll, sich der chinesischen Küste und entscheidenden Operationsgebieten zu nähern.

Weitreichende ballistische Raketen und Marschflugkörper, Hyperschallwaffen, U-Boote, Bomber, unbemannte Systeme, Fähigkeiten zur elektronischen Kampfführung sowie weltraumgestützte Aufklärungs- und Zielerfassungssysteme bilden allesamt integrale Bestandteile dieser Architektur. In Chinas Ansatz zur Bekämpfung verteilter US-Seestreitkräfte muss der Flugzeugträger selbst nicht zwangsläufig das erste Ziel sein. Ein entscheidendes Ziel besteht darin, die Bestände an Abwehrraketen der Geleitschiffe zu erschöpfen und das Verteidigungsnetzwerk des Flugzeugträgerverbandes schrittweise zu schwächen. 

Sind diese Abwehrsysteme erst einmal stark beansprucht oder durchbrochen, können weitere Angriffswellen mit kostengünstigen Täuschkörpern, tief fliegenden Marschflugkörpern und Hyperschallwaffen zum Einsatz kommen. Entscheidend ist daher letztlich nicht die Leistungsfähigkeit einer einzelnen Rakete, entscheidend ist das Zusammenwirken verschiedener Fähigkeiten in einem umfassenderen Kampf zwischen Systemverbünden.

U-Boote und Langstreckenraketen

Das U-Boot gehört zu den letzten großen militärischen Plattformen, die in einem zunehmend transparenten Gefechtsraum noch die Möglichkeit zur verborgenen Operationsführung nutzen. Das ungefähre Einsatzgebiet einer landgestützten Raketenbatterie kann irgendwann ermittelt werden. Ein großes Überwasserkampfschiff lässt sich mithilfe weltraum- und luftgestützter Aufklärungs- und Überwachungssysteme verfolgen. Die Koordinaten großer Luftwaffenstützpunkte sind bekannt. Die Position eines leisen U-Bootes hingegen kann ungewiss bleiben. Die Verbindung der Tarnfähigkeit von U-Booten mit weitreichenden Seeziel- und Landzielraketen kann daher eine starke strategische Wirkung entfalten. 

Chinas Bemühungen um die Entwicklung einer neuen Generation U-Boot-gestützter Hyperschall-Seezielflugkörper sind in diesem Zusammenhang von besonderer Bedeutung und verdienen die genaue Aufmerksamkeit türkischer Verteidigungsplaner. In diesem Rahmen könnten im Zuge des Tayfun-Programms von Roketsan entwickelte Technologien – darunter Feststoffantriebe, Lenk- und Steuerungssysteme, Manövrierfähigkeit in der Endanflugphase und Fähigkeiten zum weitreichenden Präzisionsschlag – eine technologische Grundlage bilden, aus der künftig maritime Anwendungen entwickelt werden. Für bestehende U-Boote könnte ein Zwischenschritt in der Entwicklung gekapselter, aus Torpedorohren gestarteter Langstreckenwaffen bestehen, die von den Atmaca- oder Gezgin-Familien abgeleitet werden. 

In einer späteren Phase könnte der MİLDEN-Entwurf konstruktive Lösungen zur Aufnahme größerer Raketensysteme vorsehen. Die Fähigkeit türkischer U-Boote, hochwertige See- und Landziele in Hunderten Kilometern Entfernung zu bedrohen, ohne ihre Position preiszugeben, würde bereits in Friedenszeiten die gegnerische Operationsplanung beeinflussen. Der Kommandeur eines Flugzeugträgers oder eines größeren Überwasserverbandes müsste die Möglichkeit einkalkulieren, sich innerhalb der Waffenreichweite türkischer U-Boote zu bewegen, ohne zu wissen, wo sich diese U-Boote befinden. 

Hier zeigt sich die eigentliche Abschreckungswirkung der Zugangsverweigerung: Der Gegner wird gezwungen, sein Verhalten zu ändern. Nicht weil er weiß, wo sich die Bedrohung befindet, sondern gerade weil er es nicht weiß.

Streitkräfte mit verkraftbaren Verlusten

Zu den wichtigen Konzepten der künftigen Kriegführung wird immer mehr der Einsatz von Systemen gehören, deren Verlust operativ verkraftet werden kann. Dies bedeutet nicht, billige oder militärisch unbedeutende Waffen zu produzieren. Vielmehr geht es darum, die strategische Verwundbarkeit zu verringern, die dadurch entsteht, dass Kampfkraft auf eine geringe Zahl außerordentlich kostspieliger Plattformen konzentriert wird.

Der Verlust eines Flugzeugträgers könnte zu einem nationalen Trauma werden. Der Verlust eines unbemannten maritimen Systems hingegen kann in die Operationsplanung einkalkuliert werden. Hunderte unbemannte Systeme können verloren gehen, während die verbleibenden Einheiten weiterhin ihren Auftrag erfüllen. Ein solcher Ansatz kann einen Gegner dazu zwingen, hochentwickelte Sensoren, Abfangwaffen und andere kostspielige Verteidigungsmittel gegen erheblich billigere Ziele einzusetzen, während zugleich die Wahrscheinlichkeit steigt, dass die wichtigsten Angriffsmittel überleben und einsatzfähig bleiben.

Die Türkei sollte daher das Verhältnis zwischen bemannten und unbemannten Systemen innerhalb ihrer künftigen Streitkräftestruktur neu überdenken. Die Ausstattung unbemannter Über- und Unterwasserfahrzeuge mit Raketen, Mitteln der elektronischen Kampfführung, Aufklärungs- und Überwachungsfähigkeiten sowie Fähigkeiten zum Minenkrieg und zur Täuschung wäre besonders gut auf die geografischen und operativen Besonderheiten der begrenzten türkischen Seegebiete zugeschnitten.

Bedeutet dies den Verzicht auf große Plattformen?

Dieses Argument sollte nicht dahingehend verstanden werden, dass die Türkei grundsätzlich auf den Bau großer Marineplattformen verzichten sollte. Die Türkei ist nicht nur eine Macht der Ägäis und des östlichen Mittelmeers. Ihre wirtschaftlichen und strategischen Interessen könnten sich zunehmend auf das Rote Meer, das Horn von Afrika, den Indischen Ozean und möglicherweise noch weiter entfernte Seegebiete erstrecken. Unter solchen Umständen könnten Flugzeugträger und andere große Plattformen zur Machtprojektion erheblichen strategischen Nutzen erlangen. 

Die Geografie ihrer vorgeschobenen Stationierung sollte jedoch neu überdacht werden. Der langfristige Aufbau logistischer Marineinfrastruktur in befreundeten Ländern wie Somalia, das direkten Zugang zum Indischen Ozean bietet, könnte es großen türkischen Marineeinheiten ermöglichen, wesentlich näher am offenen Ozean zu operieren, anstatt nach Ausbruch einer Krise oder eines Krieges zunächst das gesamte östliche Mittelmeer, den Suezkanal, das Rote Meer und die Meerenge Bab al-Mandab durchqueren zu müssen. Die strategische Bedeutung eines solchen Ansatzes ist beträchtlich. 

Das Problem der Überlebensfähigkeit einer großen Plattform zur Machtprojektion lässt sich nicht allein durch deren eigene Luft- und Raketenabwehr lösen. Die geografische Positionierung ist selbst eine Form der Verteidigung. Besondere Aufmerksamkeit sollte in diesem Zusammenhang dem möglichen strategischen Zusammenspiel zwischen einer künftigen türkischen Marinepräsenz in Libyen und der wachsenden militärischen Präsenz der Türkei in Somalia und im Raum des Roten Meeres gelten. 

Die Türkei könnte diese Positionen nutzen, um gleichzeitig im Mittelmeer und an den Zugängen zum Roten Meer Fähigkeiten zur Machtprojektion zu entfalten. Zugleich könnte sie ihre Abhängigkeit von der Erfordernis verringern, große Marineeinheiten nach Ausbruch einer Krise durch mehrere umkämpfte maritime Engpässe verlegen zu müssen.

Schlussfolgerung: Geografie bestimmt Streitkräftestruktur

Dies ist die wichtigste Lehre aus dem Vergleich zwischen China und der Türkei. Innerhalb der Ersten Inselkette unterliegt China erheblichen geografischen Beschränkungen. Sobald es jedoch entscheidende Zugänge wie die Miyako-Straße oder das System der Luzon- und Bashi-Straßen durchbricht, gewinnt es Zugang zur gewaltigen strategischen Tiefe der Philippinensee und des westlichen Pazifiks. Jenseits der Zweiten Inselkette nimmt diese ozeanische Tiefe noch weiter zu. 

Die Türkei hingegen gewinnt keinen vergleichbaren Vorteil, sobald sie die Ägäis hinter sich lässt. Das östliche Mittelmeer bleibt ein geografisch begrenzter Operationsraum innerhalb der Reichweite landgestützter Luftstreitkräfte, Raketen, U-Boote und immer leistungsfähigerer Aufklärungs- und Überwachungssysteme. Um den Atlantik zu erreichen, müssen türkische Seestreitkräfte das Mittelmeer durchqueren und die Straße von Gibraltar passieren. Um den Indischen Ozean zu erreichen, müssen sie einen langen Seeweg über das östliche Mittelmeer, den Suezkanal, das Rote Meer und schließlich die Meerenge Bab al-Mandab zurücklegen. 

Es ist daher strategisch irreführend, den chinesischen und türkischen Bedarf an Flugzeugträgern allein anhand wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit, Flottengröße oder nationalen Prestiges miteinander zu vergleichen. Hinter Chinas Flugzeugträgern liegt die strategische Tiefe des Pazifischen Ozeans. Hinter einem türkischen Flugzeugträger liegen zunehmend transparente und begrenzte Meere. 

Chinas Lehre lautet daher, dass Peking gleichzeitig zwei sich ergänzende Fähigkeiten entwickelt: Flugzeugträger zur Machtprojektion in weit entfernten Seegebieten, denen die strategische Tiefe des Pazifischen Ozeans zugutekommt, und eine umfassende Architektur zur Zugangs- und Gebietssperre, die verhindern soll, dass hochwertige gegnerische Marineeinheiten sich Chinas Küste und entscheidenden Operationsgebieten nähern. 

Auch die Türkei muss ihre künftige Streitkräftestruktur an den Gegebenheiten ihrer eigenen Geografie ausrichten. U-Boote, weitreichende und künftig möglicherweise hyperschallschnelle Seezielflugkörper, bewaffnete unbemannte Über- und Unterwasserfahrzeuge, mobile landgestützte Raketenbatterien, Seeminen, Fähigkeiten zur elektronischen Kampfführung, gehärtete und unterirdische Raketeninfrastruktur sowie verteilte Sensornetzwerke sollten die Grundlagen dieser Architektur bilden.

Im hochintensiven Krieg der Zukunft gehört die Überlegenheit nicht zwangsläufig dem Staat, der über die größten, teuersten oder eindrucksvollsten Plattformen verfügt. Wirklich überlegen wird die Streitmacht sein, die nach dem ersten Schlag noch immer sehen, noch immer kommunizieren, noch immer manövrieren und noch immer feuern kann.

Hintergrundbild: TCG Anadolu im Bosporus. Foto: Fatih Turan / Pexels