Die USA übertragen ihr regionales Eindämmungsmodell von Russland auf China. Die Rolle von Polen sollen im Asien-Pazifik-Raum die Philippinen einnehmen. Von Basen dort soll China eingedämmt werden. Dieses Prinzip heißt „Führen aus dem Hintergrund“

Der Beitrag erschien am 15. August 2026 auf Englisch bei korybko.substack

Von Andrew Korybko

Andrew Korybko ist ein amerikanischer Politologe, der sich auf den globalen Systemwandel zur Multipolarität spezialisiert hat. Er lebt in Moskau

Der Unterstaatssekretär für Grundsatzfragen im Kriegsministerium Elbridge Colby hielt Anfang August auf der ersten Station seiner Südostasienreise in Manila eine wegweisende Rede. Darin führte er letztlich das US-Konzept NATO 3.0 in der Region ein. Wie der militärstrategische Vordenker der zweiten Trump-Regierung erläuterte, übertragen die USA einen größeren Teil der Verantwortung für die Aufrechterhaltung des regionalen Status quo auf ihre Verbündeten und Partner, die das gleiche Interesse verfolgen – nämlich „ein Asien frei von Hegemonie“. Der unausgesprochene Zweck besteht darin, China einzudämmen.

Colby begründete diesen Kurs der zweiten Trump-Regierung mit der Nationalen Sicherheitsstrategie, der Nationalen Verteidigungsstrategie und einer Rede von Kriegsminister Pete Hegseth beim Shangri-La-Dialog Ende Mai. Ziel sei es, entlang der ersten Inselkette von Japan bis Borneo eine militärische Position aufzubauen, die China durch die Fähigkeit zur Abwehr eines Angriffs abschreckt. Die Philippinen liegen in der Mitte dieser Inselkette und sind daher unverzichtbar für den Aufbau dessen, was andernorts als AUKUS+ bezeichnet worden ist. Mehr über dieses Konzept und seinen von den USA unterstützten japanisch-philippinischen – und womöglich indonesischen – Kern können die Leser hier erfahren.

Colby sagte: „Wir bauen aktiv eine starke Verweigerungsverteidigung auf, um einen Ansatz des Friedens durch Stärke zu untermauern, der auf ein dauerhaft günstiges Kräfteverhältnis in Asien zielt. Wir stärken systematisch unsere vorgeschobene Präsenz, härten unsere Stellungen und treiben die weitreichende Interoperabilität mit wichtigen Ländern voran, die bereit sind, ihren Anteil an der Last zu tragen. Es geht nicht bloß darum, vor laufenden Kameras symbolische Übungen abzuhalten, sondern darum, glaubwürdige Kampffähigkeiten aufzustellen, die dazu in der Lage sind, eine echte militärische Aggression abzuwehren.“

Damit besteht kein Zweifel an der Absicht der USA, China im Asien-Pazifik-Raum nach dem Prinzip „Führen aus dem Hintergrund“ einzudämmen, sobald dort das Konzept NATO 3.0 durch den beschleunigten Aufbau des AUKUS+-Netzwerks umgesetzt wird. Bemerkenswert ist, dass Colby die Philippinen als „vorbildlichen Verbündeten“ bezeichnet, denn dieselbe Bezeichnung verwendete Hegseth während der ersten Station seiner Europareise Anfang 2025 in Polen für dieses Land. Es kann also davon ausgegangen werden, dass die USA für die Philippinen in der Region eine ähnliche Rolle vorsehen.

Die Philippinen dürften wegen ihrer geostrategischen Lage zu einem militärischen Bollwerk der USA in der Region ausgebaut werden. In enger Abstimmung mit Washington würde es die führende Rolle bei der Eindämmung Chinas spielen – wie Polen gegenüber Russland, was Präsident Karol Nawrocki erst kürzlich bestätigte. Natürlich können die Philippinen diese Aufgabe ebenso wenig allein erfüllen wie Polen. Ihre jeweilige Rolle bei der Eindämmung der regionalen Gegner der USA besteht vor allem darin, als logistische Stützpunkte und Ausgangsbasen für amerikanische Streitkräfte zu dienen.

Das praktische Ziel ist, genügend Nachschub, amerikanische Streitkräfte und Raketen zu stationieren, um China von einem militärischen Vorgehen gegen Taiwan abzuschrecken – und ebenso Russland nach Ende der laufenden Kampfhandlungen gegen die Ukraine. Sollte diese Abschreckung scheitern, würden zunächst die Philippinen – bzw. Polen – eingreifen und anschließend die USA. Japan wird auf dieselbe Rolle wie die Philippinen vorbereitet, könnte sich aus Gründen der Eskalationskontrolle aber zunächst aus Kampfhandlungen heraushalten, auch um einen globalen wirtschaftlichen Schock zu vermeiden, falls China unmittelbar Vergeltung üben sollte.

Japans Wirtschaft ist für die Weltwirtschaft wesentlich bedeutender als die polnische und erst recht als die philippinische. Alle drei Länder sind allerdings durch gegenseitige Verteidigungsabkommen mit den USA verbündet. Würden China oder Russland in den jeweiligen Szenarien direkt gegen diese Länder Vergeltung üben, anstatt nur deren Streitkräfte in Taiwan beziehungsweise der Ukraine anzugreifen, würde dies also eine amerikanische Reaktion auslösen.

Wie aus Colbys Rede hervorgeht, übertragen die USA ihr regionales Eindämmungsmodell gegen Russland auf China. Das hat weitreichende Folgen für die globale Stabilität. Und erhöht das Risiko eines Dritten Weltkriegs.