Praktisch ist das Memorandum of (Mis-)Understanding zwischen den USA und dem Iran tot. Der Streit darüber, wie die Straße von Hormus in der Zwischenzeit verwaltet werden soll, hat beide Seiten wieder in einen offenen Krieg gedrängt. Aber wozu? Die Grundlagen werden sich nicht ändern: Der Iran kann Hormus bedrohen, die Vereinigten Staaten können den Iran bestrafen. Und keiner von beiden kann seine Ziele mit Gewalt erreichen

Der Beitrag erschien am 13. Juli 2026 auf Englisch auf der Seite des Quincy Institute for Responsible Statecraft responsiblestatecraft.org

Von Trita Parsi

Trita Parsi ist Mitbegründer und Executive Vice President des Quincy Institute for Responsible Statecraft

Es ist kaum anzunehmen, dass eine weitere Kampfrunde die Grundlagen weit genug verändert, um die Realität zu ändern, in der beide Seiten verhandeln müssen. Mit Glück könnte das Scheitern des Memorandums zu einer weiteren Gesprächsrunde führen, in der die Anreize zur gewaltsamen Veränderung der Tatsachen vor Ort endgültig verschwunden sind.

Wie bereits hier festgestellt, dreht sich der Streit um die Straße von Hormus – zumindest oberflächlich – um Absatz 5: ob der Iran nämlich für die sichere Durchfahrt durch die Meerenge während der Laufzeit des Memorandums oder nur für den nördlichen Korridor der Wasserstraße verantwortlich ist. Unter der Oberfläche verbirgt sich jedoch eine grundsätzliche strategische Abweichung.

Schon vor Unterzeichnung des Memorandums glaubte Teheran, dass Washingtons Ziel darin bestehe, einen südlichen Schifffahrtskorridor durch omanische Gewässer einzurichten, der Irans Kontrolle über die Meerenge schrittweise untergraben würde. Ein solcher Korridor würde die Zusammenarbeit des Oman erfordern. Das könnte erklären, warum Trump damit gedroht hat, den Oman zu bombardieren, wenn dieser seinen Vorschlag für eine gemeinsame Verwaltung der Meerenge – unter Erhebung von Verwaltungsgebühren durch Maskat und Teheran – nicht aufgäbe.

Der Korridor würde auch dann funktionsfähig bleiben, wenn der Krieg wieder aufgenommen und Iran erneut versuchen würde, die Straße von Hormus zu schließen. Aus Sicht Teherans nutzte Washington das Memorandum, um diese alternative Route zu stärken. Die Eskorte der Handelsschiffe durch das US-Militär ohne Abstimmung mit dem Iran war ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Im Erfolgsfall würde diese Strategie den Iran seiner wichtigsten Einflussquelle berauben. Gerade deshalb ist sie für Washington attraktiv.

Daher bestand Teheran im Einklang mit seiner Lesart von Absatz 5 darauf, dass alle Schiffe, die die Meerenge durchqueren – unabhängig durch welchen Korridor – sich mit dem Iran abstimmen. Im Gegensatz dazu hält Washington dafür, dass das Memorandum dem Iran nur die Verantwortung für die Gewährleistung der sicheren Durchfahrt von Handelsschiffen zuweist, ohne ihm darüber hinaus die operative Kontrolle über den gesamten Seeverkehr zu übertragen.

Vor der Beerdigung des Obersten Führers Ayatollah Chamenei prüften beide Seiten einen Kompromiss, wonach Schiffe ihren Transit sowohl mit dem Iran als auch mit einem designierten Staat des Golf-Kooperationsrats (GCC) koordinieren würden. Wie ich im Substack schrieb: „Im Rahmen einer solchen Vereinbarung würden Schiffe Teheran benachrichtigen und gleichzeitig einer GCC-Seebehörde Bericht erstatten, wodurch die Forderung des Iran nach Aufsicht sich mit Washingtons Wunsch, Teheran keine ausschließliche Kontrolle zu gewähren, in Einklang befände.“ Es konnte jedoch keine Einigung erzielt werden, bis dann die Diplomatie für die Dauer der Beerdigung ausgesetzt wurde.

Die Berichte darüber, was sich am Wochenende in Maskat abgespielt hat, gehen zwar auseinander, es wurden aber sicher drei Vorschläge gemacht. Der Iran hat eine Variante des früheren Kompromisses vorgeschlagen: ein doppeltes Benachrichtigungssystem für alle Schiffe, die die Meerenge durchqueren. Katar schlug drei Kanäle vor: einen iranischen Korridor im Norden, einen omanischen Korridor im Süden und einen neutralen Korridor in der Mitte. Für Teheran kam das nicht in Frage, da die Meerenge so faktisch wieder in den Zustand vor Februar versetzen worden wäre.

Laut Teheran befürworteten die Vereinigten Staaten und der Oman eine getrennte Verwaltung der iranischen und omanischen Korridore: Der Iran könnte eine Koordinierung für Schiffe in seinem Korridor verlangen, während der omanische Korridor ohne Einschränkungen bliebe. Teheran betrachtete dies als einen Versuch, zu formalisieren, was es seit langem für Washingtons Strategie gehalten hatte: die Schaffung eines südlichen Korridors durch die Meerenge außerhalb des iranischen Einflussbereichs. Dann könnte Teheran nur noch durch einen Krieg mit dem Oman einwirken. Der Iran behauptet außerdem, Maskat habe den Vorschlag nur unter starkem Druck der USA vorangetrieben, der Oman habe zuvor ein gemeinsames Verwaltungssystem unterstützt.

Washington bestreitet diese Darstellung. US-Beamte behaupten, sie seien für mehrere Vereinbarungen offen – vorausgesetzt, Handelsschiffe können die Meerenge sicher passieren. Der amerikanischen Version zufolge kamen die Gespräche erst zum Scheitern, als Irans Außenminister Abbas Araghtschi Teheran zu einer gemeinsamen iranisch-omanischen Erklärung konsultierte, in der die Meerenge für offen erklärt wurde. Aus Washingtons Sicht machten die Verhandlungen Fortschritte, bis Araghtschi von Hardlinern der Revolutionsgarden überstimmt wurde, die Konfrontation dem Kompromiss vorzogen.

Ob ein solcher Bruch entscheidend war, ist unklar. Klar ist aber, dass sich die Haltung iranischer Strategen in den letzten Wochen deutlich verhärtet hat. Sie sind zunehmend davon überzeugt, dass Trump den Krieg wieder aufnehmen will. Mehrere Entwicklungen haben diese Annahme bestärkt. Erstens änderte sich Trumps Rhetorik dramatisch: Er bezeichnete die Iraner als „Abschaum“, erklärte den Waffenstillstand für beendet und sagte, er könne die Bombardierungen wieder aufnehmen, um „die Sache zu Ende zu bringen“.

Zweitens glaubt Teheran, wie hier analysiert, dass Washington das libanesisch-israelische Abkommen vermittelt hat. Dieses Abkommen widerspricht dem US-iranischen Memorandum, indem es Israels Rückzug aus dem Libanon an die Entwaffnung der Hisbollah knüpft. So sichert es – in den Augen Teherans – Israels Schlüsselpositionen, um die Fähigkeit der Hisbollah zur Unterstützung des Iran im nächsten Krieg zu schwächen. 

Drittens stachen Funktionäre des Weißen Hauses die US-Forderung durch, dass Teheran die Straße von Hormus für offen erklärt und zumindest implizit die Verantwortung für Angriffe auf Schiffe übernimmt. Anstatt die Indiskretion als politisches Manöver zu werten, um Trump als harten Mann darzustellen, sah Teheran sie immer mehr als bewussten Versuch, die Gespräche zu torpedieren und die Krise wieder in Richtung militärische Konfrontation zu lenken.

Zusammen bestärkten diese Entwicklungen Teheran in der Annahme, Washington bereite die Wiederaufnahme des Krieges vor. Aus dieser Perspektive schien Irans beste Option die sofortige Schließung der Straße von Hormus. Teherans Entscheidung scheint weniger vom Motiv getrieben zu sein, weitere Zugeständnisse zu erzwingen, als von der Angst, vor der nächsten Kampfrunde das wichtigste Druckmittel zu verlieren. Nach Ansicht der iranischen Entscheider löste die Schließung der Straße keinen Krieg aus, da dieser ohnehin unmittelbar bevorstand. (Sollte Teherans Prophezeiung falsch gewesen sein, hat sie sich jedenfalls selbst erfüllt, indem sie eine militärische Reaktion Washingtons fast unausweichlich machte.) 

Allerdings deutet vieles darauf hin, dass eine weitere Kriegsrunde die Realität vor Ort oder das Kräfteverhältnis zwischen den USA und dem Iran nicht grundlegend verändern wird. Besonders Trump steht unter Zeitdruck, berücksichtigt man die wirtschaftlichen und politischen Realitäten sowie militärische Faktoren. Nach fast allen relevanten Indikatoren ist die globale Ölreservenlage heute deutlich schlechter als vor dem Krieg im Februar.

Seit Ende Februar sind die beobachteten globalen Ölreserven um etwa 360–370 Mio. Barrel gesunken, wobei nach Unterzeichnung des Memorandums nur rund 21 Mio. Barrel wieder aufgefüllt wurden. Damit wurden nur 5 % des kriegsbedingten Lagerabbaus ausgeglichen. Noch wichtiger: Die vermeintliche Erholung ist auf Öl zurückzuführen, das sich noch auf dem Transportweg befindet – und nicht auf aufgefüllte Lagerbestände. Die Ölmenge auf See stieg um 117 Mio. Barrel, während die Lagerbestände an Land um 96 Mio. Barrel zurückgingen. Allein im Juni sanken die Lagerbestände der OECD-Länder um weitere 62 Mio. Barrel. Darin enthalten waren rund 44 Mio. Barrel aus staatlichen Notfallreserven.

Die Vereinigten Staaten gehen mit einem deutlich geringeren strategischen Puffer in einen erneuten Konflikt. Die Ölreserven sind von etwa 415 Mio. Barrel vor dem Krieg auf rund 337 Mio. Barrel gesunken, während die kommerziellen Lagerbestände an Rohöl, Benzin und Destillaten weiterhin unter ihren saisonalen Fünfjahresdurchschnitten liegen. Also verfügt Washington über deutlich weniger Kapazitäten als im Februar, um eine weitere massive Störung der globalen Ölversorgung aufzufangen.

Außerdem sind die Zwischenwahlen in den USA nur noch vier Monate entfernt, was Trumps wirtschaftliche und politische Schmerzgrenze drastisch senkt. Im Februar konnte die Regierung noch plausibel argumentieren, der Ölpreisschock sei vorübergehend und die Preise würden sich bis zur Wahl normalisieren. Ein erneuter Konflikt würde heute die schmerzlichsten wirtschaftlichen Folgen direkt in den Wahlkampf tragen: höhere Benzinpreise, Inflation, Zinsen und steigende Kosten für Lebensmittel, Flugreisen, Fracht und Energie.

Wie mir eine Quelle im Pentagon letztes Jahr mitgeteilt hat, produziert der Iran Raketen schneller als die USA Raketenabwehrsysteme. Und während Washington seine Aufmerksamkeit und Ressourcen auf mehrere Konfliktherde – von der Ukraine bis Taiwan – verteilen muss, hat der Iran nur einen einzigen. Die USA könnten den Iran zwar mit genügend Zeit in seiner Fähigkeit schwächen, die Schifffahrt im Persischen Golf zu bedrohen. Das dürfte ihnen aber kaum gelingen, bevor die wirtschaftlichen und politischen Kosten für Trump unerschwinglich werden. 

Im Wesentlichen hat es Trump mit derselben strategischen Realität zu tun wie im Februar. Der Unterschied: Damals fehlte ihm der Vorteil nachträglicher Erkenntnis. Heute hat er ihn, nutzt ihn aber offenbar nicht.


Hintergrundbild

Ein AH-1Z-Viper-Kampfhubschrauber startet während der Durchfahrt der USS Boxer durch die Straße von Hormus (August 2019). Die Aufnahme illustriert die dauerhafte US-Militärpräsenz an einer der wichtigsten maritimen Engstellen der Welt. Fotograf: Lance Cpl. Dalton Swanbeck / U.S. Marine Corps (Public Domain, via Wikimedia Commons)