Trump könnte Israels Angriff auf South Pars nach Irans Flirt mit dem Petroyuan gebilligt haben. Irans Rhetorik war ohnehin leichtsinnig. Die USA konnten unmöglich zulassen, dass der Petroyuan den Petrodollar vom Thron stößt. Sie mussten alles in ihrer Macht Stehende tun, um dieses Szenario zu verhindern. Der iranische Gegenschlag stärkt den Petrodollar – und ebnet womöglich den Weg für einen Petrorubel

Der Beitrag erschien am 20. März 2026 auf Englisch auf korybko.substack.com

Von Andrew Korybko

Andrew Korybko ist ein amerikanischer Politologe, der sich auf den globalen Systemwandel zur Multipolarität spezialisiert hat. Er lebt in Moskau

Trump hat in einem Social-Media-Beitrag abgestritten, dass die USA über Israels Angriff auf das iranische Gasfeld South Pars, der Vergeltungsschläge gegen die Energieinfrastruktur am Golf provoziert und die globale Energiekrise verschärft hat, informiert gewesen seien. Trump behauptet, er habe Israel angewiesen, solche Angriffe nicht zu wiederholen. Netanyahu sagte kurz darauf, Israel habe tatsächlich allein gehandelt und erklärte sich bereit, Trumps Bitte nachzukommen.

Die New York Times zitiert allerdings ungenannte israelische Funktionäre mit der Behauptung, der Angriff auf South Pars sei mit den USA koordiniert gewesen. Obwohl sich ihr Bericht nicht unabhängig überprüfen lässt, ist es möglich, dass Trump den Angriff gebilligt hat, selbst wenn er dies nur stillschweigend tat, indem er Netanjahu nach Bekanntwerden des Angriffs nicht zum Einlenken aufforderte. Das Motiv für die Duldung des Angriffs könnte darin gelegen haben, den „Petroyuan“ zu stoppen. Der Iran hatte ja mit der Möglichkeit gespielt, nur noch Tankern die sichere Durchfahrt durch die Straße von Hormus zu gestatten, die ihr Öl und Gas nachweislich in chinesischer Währung bezahlen.

Irans Strategie war mit dem Interesse verbunden, dem „Petrodollar“, einer Säule der globalen US-Macht, einen schweren Schlag zu versetzen. Das US-Interesse an einem israelischen Angriff auf das South-Pars-Gasfeld hingegen bestand darin, den Iran schon für die Erwägung eines solchen Schrittes zu bestrafen. Zyniker könnten vermuten, dass die USA den Iran überdies zu Vergeltungsmaßnahmen gegen die Energieinfrastruktur am Golf – wie zuvor für den Fall eines Angriffs auf iranische Infrastruktur angekündigt – provozieren wollten, um künftige Lieferungen nach China weiter zu reduzieren. Die Folge jener spekulativen Berechnung ist die weitere Verschärfung der globalen Energiekrise. Doch diesen Preis war Trump möglicherweise bereit zu zahlen – allerdings nur in „kontrollierter Weise“, indem er nämlich Israel aufforderte, solche Angriffe nicht zu wiederholen, und gleichzeitig damit drohte, South Pars zu sprengen, sollte der Iran Katar erneut angreifen. 

Laut dem Geschäftsführer von Katars staatlichem Energiekonzern, dem weltweit größten LNG-Produzenten, hat der iranische Vergeltungsschlag 17 % der LNG-Kapazität Katars für die nächsten drei bis fünf Jahre lahmgelegt. Der plötzliche Wegfall dermaßen großer Erdgasmengen vom Weltmarkt spielt den USA und Russland in die Hände, die neben Katar (und Australien) zu den größten Produzenten zählen. Er stärkt den Status des Petrodollars und ebnet womöglich den Weg für die Entstehung eines „Petrorubels“. Schließlich wäre es für Russland nur logisch, die Bezahlung für das Öl und Gas, das es an seine verzweifelten Kunden verkauft, in Rubel zu fordern. 

Russland könnte sich sogar mit den USA zusammenschließen, um den Markt zu monopolisieren. Dieses Szenario könnte eintreten, falls Russland und die USA die ressourcenorientierte strategische Partnerschaft abschließen, über die Putins Berater Kirill Dmitrijew mit Trumps Beratern Steve Witkoff und Jared Kushner verhandelt. Putin könnte jedoch zunächst die USA – und das verzweifelnde Europa – dazu bringen, Selenskyj zur Erfüllung all seiner Forderungen in der Ukraine zu zwingen. Selbst wenn dies nicht gelingt und der Ukraine-Konflikt andauert, könnte Putin pragmatisch genug sein, jenes Szenario zu verfolgen.

Um auf die Einleitung zurückzukommen: Selbst wenn Trump tatsächlich nicht im Voraus von Israels Angriff auf South Pars wusste, hat dieser Angriff einen Petroyuan unwahrscheinlicher denn je gemacht, indem er den Iran zu einer vorhersehbaren Vergeltung veranlasste, die weitere Energieexporte der Golfmonarchie verhindert.

Irans Flirt mit dem Petroyuan während des laufenden Konflikts war in jedem Fall leichtsinnig. Es gab nie eine Chance, dass die USA den Petroyuan zulassen würden. Sie mussten alles in ihrer Macht Stehende tun, um zu verhindern, dass der Petrodollar vom Thron gestoßen wird.