Von Dimitrios Kisoudis

Das Neue erklärt das Alte für veraltet. Das gilt auch für die Neue Rechte, wie sich bei Alain de Benoist nachlesen lässt. Sie adaptierte Theorien der Neuen Linken, ihr Hauptmerkmal ist die Kulturrevolution von rechts, die Wandel bringen sollte durch Metapolitik, also Veränderung des Bewusstseins in kulturellen Einrichtungen.

Viele Ansätze werden bleiben. Und die Kritik der Neuen Rechten soll keineswegs die Verdienste der Verlage und Gruppierungen unter dieser Fahne schmälern. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben aber Strickfehler zum Vorschein gebracht, die ein Weitermachen in der eingeschlagenen Richtung nicht ratsam erscheinen lassen.

Die Umbrüche zur multipolaren Welt sind materiell. Ressourcen werden global anders verteilt, durch Reserve- und Handelswährungen oder Infrastruktur. Kriegerische Überlegenheit macht den Unterschied. Materialistische Theorien gewinnen Oberhand über Metapolitik. Bewusstseinspolitik gibt zwar Anstöße, lässt sich aber im letzten Moment von denjenigen Kapitalfraktionen einfangen, die über Geld- und Rohstoffströme bestimmen. Die Neue Linke verfügte über kulturelle Hegemonie, weil sie das Kapital an ihrer Seite hatte.

Verbale Kooptation ist der metapolitische Maximalsieg. Die Trump-Regierung macht sich Remigration zu eigen, um die Rechte zu ködern. Sie signalisiert einen vitalistischen Lebensstil, der an den Vulgär-Nietzscheanismus der BAPosphäre anknüpft. Weißseins-Theoreme werden in Anschlag gebracht gegen einen Postkolonialismus, der eingespielte Opferstatus in Frage stellt. Rechte Empfindungen werden bedient, um sie einem Imperialismus dienstbar zu machen, gegen den die Rechte einmal angetreten war. Strategisch betrachtet, geht die Rechte leer aus.

Die Neue Rechte ist empfänglich für diese Dienstbarkeit, weil sie mit ihrer Gegnerschaft zur Neuen Linken dialektisch deren Faible für Lebensstilthemen geerbt hat. Die Prioritäten sind falsch gesetzt. Es ist schön, gut auszusehen. Aber Looksmaxxing oder Selbstoptimierung haben mit Hegemonialmacht wenig zu tun. Eher schon schaltet die Hegemonie optisch von links auf rechts, weil in der pro-westlichen Linken die Sympathie für brutale Kriegsführung gegen Zivilisten begrenzt ist. Ein Fehler der Neuen Rechten ist, die Hegemonie der Linken aufzublasen. Ein weiterer, den Islam zu dämonisieren.

Besonders in Frankreich hat sich eine Neue Rechte etabliert, die für politische Realitäten schlichtweg nicht mehr empfänglich ist. Kommt im Zug des Kampfs um Korridore ein echter Umbruch über Europa, wird sie ihn verschlafen dem Establishment überlassen. Mittlerweile sind die herrschenden Diskurse in der Rechten so angelegt, dass sie sich im Bedarfsfall vom Westen instrumentalisieren lassen. Stärkstes Beispiel ist der „rechte Feminismus“, er verschleiert nicht einmal, dass er im Kern eine psychologische Operation für Israels Außenpolitik ist.

Die Neue Rechte ist gut angepasst an Kommunikationsbedingungen, wie sie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bestanden. Ihre Erfolge sind Kommunikationserfolge, das heißt: Ihre Aussagen treffen Annahmen beim Publikum. Umfragewerte oder Verkaufszahlen steigern sich durch Treffer, die virtuell sind. Wenn die Virtualität in Realität umschlägt, werden aus Treffern schnell Nieten. In den USA ist der Umschlag geschehen.

Die Epstein-Affäre, Trumps Rede vor der Knesset, der Irankrieg haben zentrale Annahmen widerlegt. Und breite Massen haben ihre falschen Annahmen längst korrigiert. Die Rechte muss sich auf diese Realität einstellen. Spätestens wenn sie mit echter Macht in Berührung kommt.