Katar und Pakistan haben eine Dekonfliktionszelle eingerichtet, um zu verhindern, dass das Memorandum an der Libanon-Frage scheitert. Die Positionen der Akteure zum Libanon sind nämlich unvereinbar. Und der libanesische Staat ist nicht stark genug, um sich aus dem Kriegszustand zu befreien. Aber jeder israelische Angriff wirkt sich auf die Straße von Hormus aus. Gelingt die Vermittlung der Interessen?

Der Beitrag erschien am 23. Juni 2026 auf Englisch auf der Seite des Quincy Institute for Responsible Statecraft: responsiblestatecraft.org

Von Elfadil Ibrahim

Elfadil Ibrahim ist politischer Analyst mit den Schwerpunkten Westasien und Afrika, insbesondere Sudan. Seine Beiträge wurden unter anderem in The Guardian, Al Jazeera, The New Arab und Open Democracy veröffentlicht

Am 18. Juni haben der Iran und die USA eine Vereinbarung mit dem Titel „Islamabad-Memorandum“ unterzeichnet. Darin verpflichten sich beide Länder zu einer sofortigen und dauerhaften Beendigung der Feindseligkeiten, zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus sowie zur Aufnahme von Verhandlungen über einen Zeitraum von 60 Tagen, um eine endgültige Einigung zu erzielen. Innerhalb von 48 Stunden schloss der Iran die Meerenge schon wieder. 

Der Grund dafür war weder das Scheitern von Atomverhandlungen (die noch gar nicht begonnen hatten) noch ein Streit über die Aufhebung von Sanktionen. Es war der Libanon – ein Land, das gleich dreimal in der Präambel des Abkommens erwähnt wird. Die libanesische Regierung war weder Verhandlungspartei noch wurde sie konsultiert. Die Krise um den Libanon offenbart, dass das Islamabad-Memorandum darauf ausgelegt war, amerikanische Probleme zu lösen, ohne dabei die strukturellen Blockaden zu beseitigen, die den Libanon im Kriegszustand halten.

Bei vollständiger Umsetzung wäre das Islamabad-Memorandum das folgenreichste diplomatische Instrument, das im Nahen Osten seit Jahren hervorgebracht worden ist. Doch die Bestimmungen zum Libanon sind von vornherein unvereinbar, da sich die Interessen der Akteure mit ausschlaggebendem Einfluss auf den Libanon – Israel, der Iran, die Hisbollah und die libanesische Exekutive – nicht in Einklang miteinander bringen lassen. Dass das Abkommen seine chaotische erste Woche überstanden hat, ist allein dem enormen Einsatz der Vermittler zu verdanken.

Irans Außenminister Abbas Araghtschi würdigte Katar und Pakistan für ihre „unermüdliche“ Vermittlung. Berichten zufolge dauerten die Gespräche in einem Ferienort am Bürgenstock in der Schweiz insgesamt 18 Stunden. Die Gespräche brachen nicht zusammen – trotz eines erheblichen Zwischenfalls, in dessen Folge das iranische Verhandlungsteam das Gebäude verlassen haben soll, weil Präsident Donald Trump damit gedroht hatte, den Iran „wieder sehr hart zu treffen“. 

Bis Montag kündigten Pakistan und Katar die Einrichtung einer „Dekonfliktionszelle“ für den Libanon an. Sie soll sicherstellen, dass die Ereignisse im Libanon nicht zum Scheitern der Gespräche zwischen den USA und dem Iran führen. Irans führender Diplomat bezeichnete diese Einheit als „erste echte Bewährungsprobe“ für das Abkommen – eine treffende Beschreibung der damit verbundenen Herausforderung. Die Vermittler haben den Libanon-Widerspruch zwar nicht aufgelöst, aber vorerst eine Struktur geschaffen, um damit umzugehen und hoffentlich zu verhindern, dass er das Abkommen ganz zu Fall bringt. 

Artikel 1 des Memorandums von Islamabad fordert die „Gewährleistung der territorialen Integrität und Souveränität des Libanon“. Das bedeutet, dass israelische Streitkräfte libanesischen Boden verlassen müssen. Doch Israel, das derzeit 234 Quadratmeilen im Süden des Landes besetzt hält, zeigt keinerlei Absicht, dem Folge zu leisten. Israels Premierminister Benjamin Netanjahu erklärte, die israelischen Streitkräfte würden bleiben, „solange wir sie zum Schutz unseres Volkes benötigen“. Der Iran beharrt darauf, dass eine fortgesetzte israelische Präsenz gegen das Abkommen verstoße.

In den letzten Tagen vergrößerte sich die Kluft weiter: Israels Minister für nationale Sicherheit Itamar Ben-Gvir drängte Netanjahu dazu, Trump mitzuteilen, „wir können dieses Abkommen nicht erfüllen“, und erklärte, der Libanon sei „Israels Spielwiese“. Der US-Botschafter in Israel Mike Huckabee brachte die Idee ins Spiel, alle Hisbollah-Mitglieder in das „Mutterschiff im Iran“ abzuschieben. Die libanesische Regierung vertritt den Standpunkt, ein israelischer Abzug würde es dem libanesischen Staat ermöglichen, „seine Autorität auszuweiten […] und jede Rechtfertigung für den Verbleib von Waffen zu beseitigen“.

Alle Parteien mit Einsätzen im Libanon vertreten unvereinbare Positionen. Die Partei mit Besatzung im Libanon, nämlich Israel, sitzt nicht einmal mit den USA und dem Iran am Verhandlungstisch. Präsident Trump sagt, das spiele keine Rolle, denn: „Sie haben großen Respekt vor mir und tun, was ich sage.“ Die israelische Reaktion, wie von Finanzminister Bezalel Smotrich formuliert, stellt allerdings eine jahrelange Präsenz im Libanon in Aussicht – ungeachtet amerikanischer Forderungen.

Trotz geopolitischen Ringens besteht die innenpolitische Blockade im Libanon unverändert. Die Hisbollah verweigert Gespräche über eine Entwaffnung, solange libanesisches Territorium besetzt ist. Ihr Anführer Naim Qassem lehnt die israelische Besatzung kategorisch ab und bezeichnet das Islamabad-Memorandum als „großen Sieg“ für den Iran. Die libanesische Führung unter Präsident Joseph Aoun und Premierminister Nawaf Salam hat zwar zugesagt, alle Waffen unter staatliche Kontrolle zu bringen, sie verfügt jedoch weder über die nötigen Mittel noch über den politischen Konsens für ein solches Vorhaben.

Die Hisbollah bleibt eine einflussreiche parlamentarische Kraft, und Parlamentspräsident Nabih Berri ist ein entscheidender Verbündeter, der wegen seiner Position strukturell dazu in der Lage ist, das Vorankommen der Entwaffnungspläne zu verhindern. Möglich, dass der Iran nach einer Lockerung der Sanktionen Gelder an die Hisbollah leitet. Berichten zufolge hat er im vergangenen Jahr neue Kanäle geschaffen, um der Hisbollah Geld zuzuleiten. Washington sagt, die Gelder dürfen nicht an die als terroristisch eingestufte Organisation gelangen. Zur Verteidigung des Abkommens erklärte Vizepräsident JD Vance gegenüber Reportern: „Wir wissen sehr gut, wohin das Geld fließt. […] Und wir werden erkennen, wenn sie terroristische Organisationen zu finanzieren versuchen.“ 

Erst vergangene Woche verhängte das US-Finanzministerium Sanktionen gegen den Hisbollah-Funktionär Mahmoud Qamati, weil er den Schmuggel von Bargeld aus dem Iran an die Hisbollah koordiniert hatte. Trotz solcher Maßnahmen und lähmender Sanktionen transferierte der Iran 2025 allein in den ersten zehn Monaten eine Milliarde Dollar an die Hisbollah – was das US-Finanzministerium im November vergangenen Jahres zum Anlass für weitere Sanktionen nahm.

Ein Abkommen, das diese Sanktionen lockert, dürfte kaum dazu führen, dass dem Iran die Mittel für seine schlagkräftigsten regionalen Verbündeten entzogen werden. Fließen die Gelder, könnte sich die Hisbollah erholen: Ihre Waffenbestände blieben intakt, und ihre interne Position würde ausgerechnet durch jene Diplomatie gestärkt, die sie eigentlich eindämmen sollte. Im Vergleich dazu fällt das Angebot des Westens zum Kapazitätsaufbau für den libanesischen Staat angesichts des Zeitrahmens dürftig aus. 

Washington vermittelt bei historischen bilateralen Gesprächen zwischen Israel und dem Libanon. Eine weitere Runde ist für diese Woche in Washington angesetzt. Zudem treiben die USA Pläne voran, die Unterstützung und Ausbildung der libanesischen Streitkräfte (LAF) zu verstärken. Auch Frankreich hat angekündigt, die Unterstützung für die LAF durch die Ausrichtung einer Konferenz auszubauen. All diese Bemühungen zielen darauf ab, die libanesische Armee so weit zu stärken, dass sie die Hisbollah entwaffnen kann – ein Vorhaben, das bei einem gewaltsamen Versuch das Risiko eines Bürgerkriegs birgt.

Diese Bemühungen sind zwar bedeutend, doch haben die LAF in mehr als 20 Jahren US-Unterstützung nur im Wert von drei Milliarden Dollar erhalten. Die Armee wurde bewusst unterhalb jener Schwelle gehalten, die sie zu einem echten Gegengewicht zur Hisbollah gemacht hätte – maßgeblich wegen der US-Gesetzgebung, die Washington verpflichtet sicherzustellen, dass Waffenverkäufe an Länder des Nahen Ostens nicht den „qualitativen militärischen Vorsprung“ Israels untergraben. Die libanesische Armee zahlt den Preis für diese Doktrin. Diese über Jahrzehnte gewachsene strukturelle Realität prallt nun auf die im Islamabad-Memorandum festgelegte 60-Tage-Frist.

Neu ist der starke diplomatische Wille hinter dieser Vereinbarung. Katar und Pakistan haben Handlungsfähigkeit und Beharrlichkeit bewiesen, indem sie Struktur, eine zeitliche Abfolge und die konsequente Umsetzung einbrachten. Seit Samstag hält der Waffenstillstand zwischen der Hisbollah und Israel im Libanon. In den Tagen zuvor hatte das Weiße Haus eine ungewöhnlich scharfe Haltung gegenüber Israel eingenommen. Trump äußerte sich unzufrieden darüber, „wie Israel mit dem Libanon umgegangen ist“. Vance ging weiter und warnte, Trump sei „das einzige Staatsoberhaupt weltweit, das Verständnis für Israel aufbringt“. 

Dieser öffentliche Bruch mit einem historisch unantastbaren Verbündeten trug dazu bei, den Iran in der Schweiz am Verhandlungstisch zu halten. Das ebnete Pakistan und Katar den Weg zum Libanon und anderen Dossiers, wie am Montag stolz verkündet. Libanons Präsident Joseph Aoun nutzte den Tag, um die Lage gemeinsam mit Vance, dem Unterhändler des Weißen Hauses Jared Kushner und Katars Premierminister Scheich Mohammed Al Thani zu konsolidieren. Erstmals gibt es einen Mechanismus, der darauf ausgelegt ist, die Erschütterungen abzufedern, die immer wieder vom Libanon ausgehen.

Der Unterschied und die Gefahr liegen diesmal darin, dass der Rahmen für die Beendigung des Libanonkriegs direkt mit den Atomverhandlungen und der globalen Energieversorgung verbunden ist. Jeder israelische Angriff auf libanesischem Boden wirkt sich unmittelbar auf die Straße von Hormus aus. Nun zeigt sich, ob zwei entschlossene Vermittler diese Gelegenheit nutzen können, um die unvereinbaren Interessen von Hisbollah, Iran, Israel und der libanesischen Führung in Einklang zu bringen.

Titelbild: Anhänger von Hisbollah und Amal auf dem Weg zum Märtyrerplatz in Beirut, 25. November 2019. Foto: Nadim Kobeissi / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/)