Der Krieg gegen den Iran ist eine der schlimmsten militärischen Katastrophen in der Geschichte der USA. Die einzig verbleibende Option: Raus hier! Sofort! Kein Zurück zu US-Basen, keine Sicherheitsgarantien für die Golfstaaten. Beendet das US-Imperium im Nahen Osten und anderswo
Dieser Beitrag ist auf Englisch am 16. März 2026 erschienen bei ronpaulinstitute.org
Von Ron Paul
Ron Paul war Abgeordneter im Repräsentantenhaus der USA und kandidierte bei den republikanischen Vorwahlen um die Kandidatur zu den US-Präsidentschaftswahlen 2008 und 2012. Mit anderen Kriegsgegnern gründete er das Ron Paul Institute for Peace and Prosperity
Wie aus den Aussagen von Präsident Trump und seinen Mitarbeitern sowie aus Presseberichten immer deutlicher wird, haben die USA einen großen Krieg begonnen – ohne die Experten zu konsultieren, die wir eigentlich für die Beratung des Präsidenten in solchen Angelegenheiten bezahlen.
Das Außenministerium, das Pentagon, der Stab des Nationalen Sicherheitsrats, die Defense Intelligence Agency und die NSA wurden schlichtweg übergangen, weil Präsident Trump, wie die Sprecherin des Weißen Hauses Karoline Leavitt sagte, „das Gefühl“ gehabt habe, der Iran würde angreifen. Trumps Freund Steve Witkoff und sein Schwiegersohn Jared Kushner, ein Immobilienentwickler, bestärkten dieses „Gefühl“ nach ihrer Rückkehr von der zweiten Gesprächsrunde mit Irans Außenminister und seinem Team.
Wie das Nachrichtenportal Responsible Statecraft (RS) am Wochenende berichtet hat, scheinen sowohl Schwiegersohn als auch Freund diese Gespräche jedoch so falsch dargestellt zu haben, dass sie Präsident Trump in Richtung Krieg trieben. Es waren auch keine Beamten des Außenministeriums anwesend, um die Richtigkeit der Berichterstattung zu überprüfen. Laut dem RS-Bericht glauben auch Rüstungskontrollexperten im Inland, dass „das Duo eine Reihe grundlegender technischer und historischer Sachverhalte“ im Zusammenhang mit dem iranischen Atomprogramm fatal missverstanden und dem Präsidenten dadurch ungenaue Informationen übermittelt hat.
Der Kongress spielte dabei keine Rolle und war offenbar desinteressiert an der Erfüllung seiner verfassungsmäßigen Pflicht. Und es wurden dem amerikanischen Volk keine Gründe dafür vorgebracht, warum es erneut Opfer für einen Krieg im Nahen Osten bringen müsse. Trumps wiederholte Versprechen, keine neuen Kriege zu beginnen – insbesondere nicht im Nahen Osten – haben sich als leer erwiesen. Nun stehen die Republikaner vor einer vernichtenden Niederlage bei den anstehenden Midterm-Wahlen.
Der Iran hatte seit Monaten – seit dem letzten US-amerikanisch-israelischen Überraschungsangriff im Juni – gewarnt, er werde im Falle eines erneuten Angriffs die US-Stützpunkte in der Region nicht schonen und die Straße von Hormus schließen. Trump und Netanjahu griffen trotzdem an. Und der Iran hat seine Drohung wahr gemacht. Die Straße von Hormus ist nun gesperrt, der Ölpreis droht außer Kontrolle zu geraten, und die Weltwirtschaft – samt US-Dollar – steht kurz vor dem Zusammenbruch.
Am 6. März lehnte Präsident Trump ein Hilfsangebot Großbritanniens ab mit der Begründung, man brauche keine Hilfe, da man den Krieg bereits gewonnen habe. Fünf Tage später wiederholte er bei einer Wahlkampfveranstaltung in Kentucky: „Wir haben den Iran-Krieg gewonnen!“ Es war sein Mission-acclomplished-Moment. Nur wenige Tage nach der Verkündung des Sieges über den „ausgelöschten“ Iran begann Trump an diesem Wochenende, andere Länder inständig um Schiffe zu bitten, um die Straße von Hormus wieder zu öffnen.
Bislang hat jedes Land abgelehnt, da die geringen Erfolgsaussichten einer solchen Mission offenkundig sind. Tragischerweise hat der Krieg bisher mindestens 14 Soldaten das Leben gekostet. Die tatsächliche Zahl dürfte weitaus höher liegen. Alle US-Militäreinrichtungen in der Region sind beschädigt oder zerstört. Milliarden Dollar an Radargeräten und anderer Ausrüstung wurden vernichtet. Unsere Verbündeten in der Region, die zugelassen haben, dass ihr Territorium für Angriffe auf den Iran genutzt wird, haben ebenfalls massive Vergeltungszerstörungen erlitten.
Das ist mit Sicherheit eine der schlimmsten militärischen Katastrophen in der Geschichte der USA. Es gibt keine militärischen Alternativen jenseits des Undenkbaren: Einsatz von Atomwaffen. Die einzig verbleibende Option ist eine, die im Vietnamkrieg oft gefordert wurde:
Raus hier! Sofort! Keine Zurück zu US-Basen, keine Sicherheitsgarantien für die Golfstaaten. Beendet das US-Imperium im Nahen Osten und anderswo. Andernfalls wird sich die Lage nur noch verschlimmern.
Titelbild: Ron Paul speaking at the Young Americans for Liberty National Convention, Kissimmee (Florida), 2024 — Foto: Gage Skidmore — CC BY-SA 2.0 — creativecommons.org