Der Dritte Golfkrieg verändert die Wahrnehmung der Golfstaaten in Hinblick auf die Verlässlichkeit der USA grundlegend. Er veranlasst sie, nach dem Krieg die Notwendigkeit von Verhandlungen über ein regionales Sicherheitsabkommen mit dem Iran zu erwägen

Der Beitrag erschien am 13. März 2026 auf Englisch auf substack.com

Von Andrew Korybko

Andrew Korybko ist ein amerikanischer Politologe, der sich auf den globalen Systemwandel zur Multipolarität spezialisiert hat. Er lebt in Moskau

Reuters berichtet: „Hinter den Kulissen wächst in den arabischen Hauptstädten des Golfs der Unmut darüber, in einen Krieg hineingezogen worden zu sein, den sie weder begonnen noch befürwortet haben, für den sie aber nun wirtschaftlich und militärisch bezahlen müssen.“ Weiter hieß es: „Gleichzeitig sagen Analysten, dass der Krieg die Golfstaaten dazu veranlasst hat, sowohl ihre Sicherheitsabhängigkeit von Washington als auch die Aussicht auf eine zukünftige Zusammenarbeit mit Teheran bei neuen regionalen Sicherheitsabkommen neu zu bewerten – selbst angesichts des zusammengebrochenen Vertrauens in den Iran.“ Das wäre das beste Ergebnis für alle Beteiligten.

Zu Beginn des Dritten Golfkriegs habe ich nach Putins Telefonaten mit regionalen Führern folgende Einschätzung vertreten: Eines der Ziele seiner angestrebten Vermittlung besteht darin, die Golfstaaten dazu zu bewegen, den USA die Erlaubnis zur Nutzung ihres Territoriums und Luftraums für Angriffe auf den Iran zu entziehen. [1] Dies würde die USA in ein Dilemma zwingen: Entweder sie widersetzen sich den Staaten und riskieren damit einen Bruch der Beziehungen oder sie beugen sich dieser neuen regionalen Militärrealität und streben dann wahrscheinlich einen (von Russland vermittelten?) Kompromiss mit dem Iran an.

So surreal es auch klingen mag, ausgerechnet Lindsey Graham kam letzte Woche zu einem sehr ähnlichen Schluss. Er schrieb auf X: „Warum sollte Amerika ein Verteidigungsabkommen mit einem Land wie dem Königreich Saudi-Arabien abschließen, das nicht bereit ist, sich an einem Kampf von gemeinsamem Interesse zu beteiligen? … Hoffentlich engagieren sich die Staaten des Golf-Kooperationsrats stärker, denn dieser Konflikt findet in ihrer unmittelbaren Umgebung statt. Wenn man jetzt nicht bereit ist, sein Militär einzusetzen, wann dann? Hoffentlich ändert sich das bald. Wenn nicht, wird es Konsequenzen haben.“ [2]

Der Abzug des US-Militärs aus dem Golf würde drei Probleme gleichzeitig lösen: Der Iran wäre nicht länger von diesen Streitkräften bedroht. Die Golfstaaten wären sicherer, da der Iran sie nicht mehr wegen ihrer Präsenz angreifen würde. Und die USA müssten keine Partner mehr verteidigen, die sich als Trittbrettfahrer erwiesen haben. Weit entfernt von dem von Kritikern befürchteten Sicherheitsvakuum, könnten die Golfstaaten und der Iran unter Vermittlung ihres gemeinsamen Partners Russland einen dreiphasigen regionalen Sicherheitsplan ausarbeiten.

Das Endziel ist die Zustimmung der Golfstaaten und des Iran zu Russlands lange vorgeschlagenem Konzept für kollektive Sicherheit in der Region. Außenminister Sergej Lawrow erwähnte es kürzlich ebenfalls, als er Russlands offizielle Position zum Dritten Golfkrieg und seine Hoffnungen für die zukünftige Entwicklung der Region darlegte, so unwahrscheinlich diese manchen derzeit auch erscheinen mögen. Zwei vorbereitende Schritte sind jedoch erforderlich, ich will kurz auf sie eingehen.

Das erste ist ein sogenannter Golf-Nichtangriffspakt (GNAP), dessen Details noch ausgehandelt werden müssen, aber vernünftigerweise Beschränkungen für die Stationierung bestimmter militärischer Mittel, Verhaltensregeln und Krisenkommunikationskanäle umfassen würden. Sobald eine Einigung erzielt ist – und das wird zweifellos nicht einfach sein –, könnte der Iran dem saudisch-pakistanischen Bündnis beitreten, wie es Berichten zufolge seit Ende letzten Jahres erwogen wird. Dies könnte dann den Kern des von Russland angestrebten kollektiven Sicherheitsblocks bilden.

Die militärisch-politische Abfolge, die Russland im Golf vermitteln möchte, ist zusammengefasst: Einstellung der Kampfhandlungen durch eine Reihe vernünftiger, gegenseitiger Kompromisse, der Abzug des US-Militärs aus der Region, der GNAP, der Beitritt des Iran zum saudisch-pakistanischen Bündnis und die anschließende Bildung eines kollektiven Sicherheitsblocks. 

Bis zu Beginn des Dritten Golfkriegs hätten die meisten diese strategische Vision als politische Fantasie abgetan. Doch ein aktueller Bericht von Reuters legt nahe, dass sie nun eine realistische Möglichkeit für die Nachkriegszukunft der Region darstellt.

[1] https://korybko.substack.com/p/what-are-the-prospects-of-putin-mediating
[2] https://x.com/LindseyGrahamSC/status/2031031760679563310