Von Venezuela bis Iran – der US-Präsident glaubt, er könne der Falle des endlosen Kriegs durch periodische Militäreinsätze entgehen. Doch genau diese Falle steht uns bevor. Taktische Erfolge ersetzen nämlich keine Strategie. Der endlose Kriegszustand bricht Trumps Wahlversprechen, er ist moralisch und materiell unvertretbar. Und er hat kein Ziel
Dieser Beitrag ist auf Englisch am 16. März 2026 zuerst erschienen auf der Seite des Quincy Institute for Responsible Statecraft responsiblestatecraft.org
Von Brandan P. Buck
Brandan P. Buck ist außenpolitischer Wissenschaftler am Cato Institute und promovierte in Geschichte an der George Mason University. Er ist ein ehemaliger Intelligence-Profi und diente in der US-Armee und in der Virginia Army National Guard. Im Rahmen der Operation Enduring Freedom absolvierte er mehrere Einsätze in Afghanistan
Zwei Wochen nach Beginn des Irankriegs steckt die Trump-Regierung weiterhin in einem Konflikt, für den es weder einen klaren Kriegsgrund gibt noch ein definiertes Ziel. Präsident Donald Trumps verfassungswidriger Einsatz militärischer Gewalt ist der neueste Schritt in einer alarmierenden Abfolge: Die Trump-Regierung glaubt, der Falle endlosen Kriegs zu entgehen, indem sie versucht, den Krieg von konkreten politischen Zielen zu trennen.
Trump und seine Verbündeten sind offenbar davon überzeugt, durch wahlloses und politisch zielloses Zerstören gleichzeitig die geopolitischen Interessen der USA zu verfolgen und größeren Schlamassel zu vermeiden. Das ist praktisch nichts anderes als eine globale Variante des israelischen „Rasenmähens“, bei dem periodische Militäreinsätze politische Strategie ersetzen. Diese Vorstellung von Krieg ohne Politik zieht die USA aber nur noch tiefer in die schmuddeligen Affären des Nahen Ostens hinein.
Aus dem globalen Krieg gegen den Terrorismus scheint die Trump-Regierung den Schluss gezogen zu haben, das US-Militär habe seine Ziele verfehlt, weil die militärische Stärke des Landes politisch eingeschränkt war. Regierungsfunktionäre – allen voran Kriegsminister Pete Hegseth – behaupten, die Einsatzregeln auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen des Anti-Terror-Kriegs hätten die Kampfkraft des Militärs beschränkt und so den Sieg verhindert.
Ganz ähnlich kommt die Trump-Regierung zum Schluss, der Siegeszug der „Wokeness“ habe die Schlagkraft und damit den Erfolg der Missionen im globalen Krieg gegen den Terrorismus beeinträchtigt. Eine altbekannte Klage konservativer Republikaner kehrt wieder: Die vorherigen demokratischen Präsidenten hätten das Militär ausgehungert und die Budgets bedauernswert niedrig gehalten.
In seiner zweiten Amtszeit besteht Präsident Trumps Lösung für das Problem des endlosen Kriegs darin, Krieg unter dem Deckmantel beschönigender Narrative zu führen, ohne klar erreichbare politische Ziele vor Augen zu haben. Zwar ist Trump keineswegs der erste Präsident, der ohne ausdrückliche Zustimmung des Kongresses Feindseligkeiten begonnen hat, noch ist er der erste Präsident, der massive Luftangriffe fährt. Aber er hat diese Instrumente umfunktioniert, um endlos geopolitischen Zwang auszuüben.
Vom Jemen über den Iran und Venezuela bis zurück zum Iran betrachtet Trump militärische Gewalt als erstes Mittel der Wahl, nicht als letztes. In all diesen Fällen hat seine Regierung militärische Gewalt angewendet, ohne klare Ziele vor Augen zu haben. Wie ein geistreicher X-Nutzer zu Beginn des jüngsten Krieges gegen den Iran witzelte: „Andere Präsidenten führen endlos Krieg, Donald Trump führt Kriege, die endlos sind.“
Seinen jüngsten und auch größten Krieg führt Trump erneut ohne klar definiertes und erreichbares politisches Ziel. In den ersten Kriegstagen brachten er und sein Kabinett – vom Regimewechsel über die Kapitulation des Regimes und fortgesetzte Verhandlungen bis hin zur bedingungslosen Kapitulation – alles Mögliche ins Spiel. Die Kriegsbefürworter vom Präsidenten abwärts versicherten uns, die Gefahr durch den Iran sei drohend und andauernd.
Mit eklatanter Doppelmoral behauptet der Präsident, einen 47 Jahre andauernden Konflikt zu beenden, indem er einen Krieg beginne. Angesichts dieser Absurdität, die durch den Friedenswahlkampf 2024 noch verstärkt wird, verlassen sich die Regierung und ihre Unterstützer auf die Erfolge des US-Militärs, um die Notwendigkeit des Krieges zu belegen. Um ihrer amorphen politischen Agenda noch eins draufzusetzen, bestehen sie darauf, ihre Mission beschränke sich auf die Zerstörung der iranischen Marine und Raketen und – einmal mehr – des iranischen Atomprogramms. Als Beweis für ihren Erfolg führen sie die Zerstörung iranischer Militäranlagen an.
Die Bilder explodierender iranischer Schiffe, Gebäude und Raketenwerfer mögen zwar beeindrucken, aber sie nähren den Trugschluss, der schon frühere Regierungen heimgesucht hat: dass taktische Erfolge automatisch zu strategischen Erfolgen führen. Die Zerstörung militärischer Anlagen ist allerdings keine Strategie, sondern eine Taktik. Unklar bleibt, welches politische Ziel diese Angriffe erreichen sollen.
Das Ergebnis: Die Trump-Regierung hat die Vereinigten Staaten in einen endlosen Kriegszustand geführt. Diese Politik bricht nicht nur Trumps Wahlversprechen, sie ist auch materiell und moralisch unvertretbar – und für die Wahrung von Amerikas nationalen Interessen unnötig.
Während seiner ersten Amtszeit erklärte der Präsident: „Große Nationen führen keine endlosen Kriege.“ Daran sollte er sich nun erinnern. Er hatte nämlich Recht.
Titelbild: Samarth Kulkarni / Unsplash