Vor einem Jahrzehnt stand die Rechte dem Westen und den USA kritisch gegenüber. Nachvollziehbar. Denn Westbindung hat die Zustände hervorgebracht, gegen die die Rechte angetreten ist: Minderheitenkult, Überfremdung, Auflösung traditioneller Ordnungen. Die Westwendung seither ist umso schwerer nachzuvollziehen.

Als Hegemon über Westeurasien bringen die USA neu entstehende Bewegungen unter Kontrolle und spielen ihnen Ideologien auf, die ihren Zielen dienen. So machte Außenministerin Albright die Grünen einst vollends von einer Ökopartei zur Partei des Menschenrechtsinterventionismus. Deutschland ist als Angelpunkt besonders wichtig.

Als der Weltkonflikt mit dem Kommunismus zugunsten der Liberaldemokratie entschieden war, steuerte die US-Staatsideologie auf den Wokismus zu. In Deutschland drückte sich dieser Weg ins Posthistoire in Massenzuwanderung und Staatsangehörigkeitsreform aus. Heute findet in den USA ein ideologischer Wandel zur Techoligarchie statt. Im Rechtspopulismus scheint er einen passenden Träger gefunden zu haben. 

In Presse, Parteien und Vorfeldern macht sich das Andocken bemerkbar. Antiwokismus und Remigration markieren die Andockstellen. Es wäre falsch, das Andocken zu erlauben. Taktisch mag ein Nutzen gegeben sein, strategisch würde irreparabler Schaden entstehen. Woke Ideologie folgt einer langen Dauer, die in Gesetzen, Verfassungs- und Richterrecht kondensiert ist. Schon jetzt bleibt der Antiwokismus in den USA stecken.

Aber auch die Verschärfung der westlichen Rechten durch die Tech-Ideologie kommt mit Unzumutbarkeiten. Die Erzählung vom einen Ende der Geschichte in der Liberaldemokratie ist abgelöst von einer Heilshierarchie, die der deutschen Erzählung widerspricht und vermeidbare Konflikte mit sich bringt. Statt pazifistischer Weltinnenpolitik erscheinen apokalyptische Weltherrschaftsbauten am Horizont, von denen man die Finger lassen sollte. 

Das Ende der Geschichte wäre gekommen, wenn keine soziale Differenz mehr übrig geblieben wäre, um – wie die Differenz zwischen Arbeiter und Ausbeuter – eine Revolution auszulösen. Dass dieses Ende abgewendet wurde und die Multipolarität entstand, ist einer Differenz zu verdanken: der Nichtanerkennung voller Bürgerrechte durch die KP China. Aus dieser Differenz entstand die Multipolarität, die heute als alternative Weltordnung auftritt.

Ohne Chinas Aufstieg könnte Europa auf Souveränität nicht einmal hoffen. Und die chinesische Vorstellung des Tianxia, der multilateralen Versammlung der Regionalmächte unter einem Himmel, bietet Vorzüge: Zivilisatorische Differenzen dürfen im politischen System abgebildet werden. Ethnische Unterschiede sind Gegenstand von Respekt und Anerkennung. Konnektivität der Infrastruktur bietet Wohlstand statt Deindustrialisierung.

Die transaktionale Politik von US-Präsident Trump zerstört wirksam Konnektivität, schafft aber nichts Bleibendes. „Transaktional“ ist ein Euphemismus für obskure Abhängigkeiten, Beutezüge ohne Nutzen für die Allgemeinheit, Bereicherung Reicher durch Marktmanipulation, Entleerung der Kommunikation vom Wahrheitsbezug, Aktionen ohne Erzeugung langfristiger Struktur. Von America First mal ganz zu schweigen.

Der Irankrieg ist als weltwirtschaftlicher Verwüstungsfeldzug vollendeter Ausdruck dieses Transaktionalismus. Es wäre ein unverzeihlicher Fehler, sich damit gemein zu machen. Noch nie war das Klima weltpolitisch so günstig, um für eigene Ordnungsvorstellungen zu werben. Wer das große Ganze heilen will, muss auf den schnellen Gewinn verzichten.