Washingtons Versuch, die totale Vorherrschaft zu erlangen, hat eine Konfrontation ausgelöst, die nun die gesamte Machtarchitektur der USA in Westasien bedroht. Vier Kriegsszenarien nach dem Angriff auf den Iran

Der Beitrag ist auf Englisch zuerst am 2. März 2026 erschienen bei thecradle.co

Von Abbas al-Zein

Abbas al-Zein ist ein libanesischer Politikjournalist beim Al-Mayadeen Media Network und spezialisiert auf Geopolitik und internationale Sicherheit. Er befasst sich außerdem mit globalen Energieressourcen, Lieferketten und der Dynamik der Energiesicherheit

Am 28. Februar 2026 überschritt Westasien eine rote Linie, die jahrelang vor der Region geschwebt hatte – eine Linie, über die Diplomaten mit Vorsicht sprachen und Militärplaner hinter verschlossenen Türen Planspiele anstellten. Die USA starteten in voller operativer Koordination mit Israel einen groß angelegten Militärschlag gegen die Islamische Republik Iran und nahmen dabei den Kern ihrer souveränen Führung, ihre strategischen Abschreckungskapazitäten und die dazugehörige Infrastruktur ins Visier.

Innerhalb weniger Stunden reagierte Teheran mit grenzüberschreitenden Raketenangriffen auf US-Stützpunkte im Persischen Golf und tief im besetzten Palästina. Was Washington als entscheidenden Präventivschlag bezeichnet hatte, wandelte sich damit zum Auftakt jenes regionalen Krieges, vor dem der Iran seit Langem gewarnt hatte – als Folge jeder direkten Aggression gegen sein Territorium. Die Konfrontation ging schnell über Rhetorik und symbolische Vergeltung hinaus und veränderte die strategische Lage der gesamten Region von Beginn an.

Enthauptungsdoktrin: Schock, gezielte Angriffe und Infrastrukturschläge

Der Angriff – von Israel „Operation Löwengebrüll“ und von Washington „Operation Epischer Zorn“ genannt – begann in den frühen Morgenstunden mit über 200 Kampfflugzeugen, darunter F-35, die von mehreren regionalen Stützpunkten im Arabischen Meer unter dem Schutz der US-Marine starteten. Die Reihenfolge der Ziele, die Eindringtiefe und der Einsatz schwerer bunkerbrechender Munition spiegelten eine klare operative Doktrin wider: die Führung ausschalten, die Befehlsnetzwerke unterbrechen und die Vergeltungsfähigkeit im Keim ersticken, bevor sie vollständig mobilisiert werden konnte.

Die erste Angriffswelle konzentrierte sich explizit auf das, was israelische und US-amerikanische Planer als „Spitze der Pyramide“ bezeichneten. Staatliche Einrichtungen in Teheran wurden in rascher Folge angegriffen. Bombardierungen trafen das Sayyid-Khandan-Viertel und die Universitätsstraße, wobei vor allem Beit-e Rahbari – der Komplex des Obersten Führers Ali Khamenei – sowie der Präsidentenpalast und das Parlamentsgebäude im Visier standen. F-35-Staffeln flogen konzentrierte Angriffe auf die Sicherheitszone entlang der Pasteur-Straße und setzten schwere, panzerbrechende Munition ein, die darauf ausgelegt war, befestigte unterirdische Strukturen zum Einsturz zu bringen.

Im Morgengrauen des 1. März unterbrach das iranische Staatsfernsehen sein Programm, um Ayatollah Khameneis Märtyrertod nach der Zerstörung seiner Residenz und angrenzender Kommandozentralen zu verkünden. Berichten zufolge wurden hochrangige Persönlichkeiten getötet, die an einer Krisensitzung der Obersten Verteidigungs-Operationszentrale teilnahmen, darunter Verteidigungsminister Brigadegeneral Aziz Nasirzadeh, hochrangige Kommandeure der Revolutionsgarden, der Generalstabschef, Geheimdienstmitarbeiter und der Sekretär des neuen Verteidigungsrats und langjährige Leiter des Obersten Nationalen Sicherheitsrats.

Der Angriff zielte darauf ab, das von Washington und Tel Aviv ausgemachte Entscheidungszentrum der Islamischen Republik mit einem einzigen Vernichtungsschlag auszuschalten. Die Angriffe beschränkten sich nicht nur auf Führungspositionen. Einrichtungen in Isfahan, Karadsch und Ghom, die mit der Urananreicherung und der Lagerung ballistischer Raketen in Verbindung stehen, wurden in koordinierten Wellen angegriffen. Luftverteidigungssysteme wurden ins Visier genommen, um Irans mehrstufige Abschreckung zu schwächen und desorientieren. Das israelische Armeeradio berichtete später von rund 500 angegriffenen Zielen, darunter sensible Kommandozentralen und Raketendepots der Revolutionsgarden.

Auch Zivilisten wurden bei dem Militärschlag verletzt. In der südiranischen Stadt Minab zerstörte ein Luftangriff die Mädchengrundschule Shajareh Tayyebeh („Guter Baum“). Dabei wurden über 175 Schülerinnen getötet und Dutzende verletzt. Bilder vom Ort des Geschehens verbreiteten sich rasend schnell in den iranischen Medien und veränderten die innenpolitische Stimmung. Das Massaker bestärkte die Bevölkerung in ihrer Entschlossenheit und rahmte die Konfrontation nicht als abstrakten strategischen Streit, sondern als nationales Trauma mit Folgen für Generationen.

True Promise 4: Ausweitung des Schlachtfelds

Irans Reaktion erforderte kein tagelanges Nachdenken. Weniger als eine Stunde nach dem ersten Angriff und nur zwei Stunden nach Beginn der Bombardierungskampagne verkündete das Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) den Start von „True Promise 4“. Die Operation markierte eine entscheidende und historische Eskalation: US-Militäreinrichtungen in Westasien wurden direkt zum Ziel. Raketen trafen das Hauptquartier der Fünften Flotte in Juffair, Bahrain, ein Symbol für Washingtons maritime Dominanz im Persischen Golf. Der Luftwaffenstützpunkt Al-Udeid in Katar, einer der größten US-Luftwaffenstützpunkte in der Region, wurde ebenso angegriffen wie Einrichtungen in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuwait, Jordanien und der Stützpunkt Harir in der irakischen Region Kurdistan.

Erstmals erklärte Teheran offiziell das gesamte Netz eingebetteter US-Infrastruktur zum Teil des Schlachtfelds und hob so die lange gültige Unterscheidung zwischen israelischen und amerikanischen Zielen auf. Irans Außenminister Abbas Araghchi stellte klar, dass der Angriff die „Quellen der Aggression“ zum Ziel hatte, und betonte, Teheran betrachte nicht die Gastgeberstaaten als Feind, sondern die US-Basen auf ihrem Boden als Erweiterung der amerikanischen Souveränität. Der Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats Ali Larijani bekräftigte diese Darstellung und erklärte, diese Basen stellten unabhängig von ihrer geografischen Lage amerikanisches Territorium dar. Man werde jede Plattform, die für einen Angriff auf den Iran genutzt werde, als Teil des Krieges behandeln.

Gleichzeitig wurden Hunderte ballistischer Raketen und Drohnen auf das besetzte Palästina abgefeuert. In Jerusalem, Tel Aviv und Haifa heulten die Sirenen. Trotz Abfangversuchen wurden direkte Treffer auf militärische Anlagen und strategische Einrichtungen verzeichnet, was die Besatzungsregierung dazu zwang, den Ausnahmezustand auszurufen und Siedler in Schutzräume zu bringen. Die Aura strategischer Immunität, die sowohl die US-Basen als auch die israelischen Stellungen jahrzehntelang umgeben hatte, wurde innerhalb weniger Stunden zerstört. Nachdem Tel Aviv den Waffenstillstand bereits gebrochen hatte, startete die Hisbollah, eine Säule der ‚Achse des Widerstands‘, koordinierte Raketen- und Drohnenangriffe aus dem Südlibanon auf militärische Ziele im besetzten Palästina und signalisierte damit, dass der Iran auf dem Schlachtfeld nicht allein dastehen würde.

Die Angriffe markierten die schwerste Eskalation an der libanesischen Front seit dem Krieg von 2024 und verwandelten die Krise umgehend in eine Mehrfronten-Konfrontation. Tel Aviv reagierte mit schweren Luftangriffen auf den Südlibanon und die südlichen Vororte Beiruts – Dahieh –, die auf die Infrastruktur der Achse, auf Logistikzentren und vermutete Kommandozentralen abzielten. Die Bombardierung Beiruts bezog den Libanon direkt in die Kriegsrechnung ein und könnte die von der Achse lange propagierte Doktrin von der „Einheit der Fronten“ in Operation rufen. Mit dem Eintritt der Hisbollah hörte der Konflikt jedenfalls auf, ein bilateraler Schlagabtausch zwischen USA und Iran zu sein, er entwickelte sich zu einer regionalen Konfrontation, wie vom verstorbenen Khamenei im letzten Monat vorhergesagt – mit sich überschneidenden Kriegsschauplätzen, die sich vom Persischen Golf bis zum östlichen Mittelmeer erstrecken.

Washingtons Regimewechsel-Bestrebungen und Tel Avivs Agenda

Politisch präsentierten Washington und Tel Aviv den Angriff als strategische Notwendigkeit, weniger als Eskalationsstufe. US-Präsident Donald Trump erklärte die endgültige Beseitigung der von ihm so bezeichneten iranischen Nuklearbedrohung zum Ziel, verknüpfte die Operation offen mit einem Regimewechsel und forderte die Iraner dazu auf, die Kontrolle über ihr Land zu übernehmen. Er stellte den Revolutionsgarden ein Ultimatum: Entweder sie legen die Waffen nieder oder werden vernichtet. Denjenigen, die sich daran hielten, bot er Straffreiheit an. Die Botschaft machte deutlich, dass sich der Angriff nicht auf Zentrifugen und Raketendepots beschränkte, sondern dem politischen Kern der Islamischen Republik selbst galt. 

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu bezeichnete den Angriff als historische Chance, Westasien neu zu gestalten. Israelische Sicherheitsfunktionäre stilisierten ihn zu einem Präventivschlag gegen Irans nukleare Ambitionen und betonten die taktische Überraschung und die Vielzahl der angegriffenen Ziele. Für Tel Aviv fügte sich die Operation in eine umfassendere strategische Vision ein, in der Normalisierungsprojekte und regionale Integrationsinitiativen durch überwältigende militärische Dominanz gesichert werden.

Teherans Reaktion war ebenso unmissverständlich. Iranische Funktionäre erklärten, die Ära der strategischen Geduld sei beendet, und charakterisierten den Angriff als militärischen Selbstmord für das US-israelische Bündnis. Offizielle Quellen signalisierten die Schließung der Straße von Hormus für die internationale Schifffahrt – ein Schritt, der die globalen Energiemärkte umgehend erschütterte. Inmitten der eskalierenden Spannungen gaben die Revolutionsgarden bekannt, mehrere Öltanker in der Straße von Hormus und im Persischen Golf angegriffen zu haben. Gleichzeitig meldeten die Schifffahrtsbehörden in Bahrain und Oman Angriffe auf Schiffe, Opfer und eine erhöhte Alarmbereitschaft der Marine – ein Übergang von symbolischer Vergeltung zur direkten maritimen Konfrontation.

Szenario eins: Umfassender Krieg und systemischer Zusammenbruch

Das erste und gefährlichste Szenario ist ein umfassender regionaler Krieg. In diesem Szenario eskaliert der Iran von Angriffen auf Militärbasen hin zum vollständigen Stopp der Ölexporte aus dem Persischen Golf. Eine vorübergehende Schließung der Straße von Hormus könnte sich zur dauerhaften Blockade ausweiten, unterstützt durch Seeminen, Anti-Schiff-Raketen und asymmetrische maritime Taktiken. Die Ölpreise könnten auf über 200 US-Dollar pro Barrel steigen, die fragile Weltwirtschaft erschüttern und energieabhängige Volkswirtschaften unter hohen Druck setzen.

Da die Hisbollah bereits im Einsatz ist und die libanesische Front aktiv ist, stünde Israel unter gleichzeitigem Bedrohung aus dem Iran, dem Libanon, dem Jemen und dem Irak. Die Aktivierung der Doktrin von der Einheit der Fronten würde die israelischen Militärkapazitäten überfordern und Washington dazu zwingen, direkte Interventionen in mehreren Bereichen zum Schutz seines wichtigsten regionalen Verbündeten in Erwägung zu ziehen. US-Basen in Bahrain, Katar, Kuwait, den Vereinigten Arabischen Emiraten und im Irak würden zu ständig bedrohten Zielen und verwandelten sich von Symbolen der Machtprojektion in Belastungen.

Eine solche Eskalation würde die Stabilität der regionalen Architektur Washingtons auf die Probe stellen. Projekte, die auf der Prämisse israelischer Militärüberlegenheit beruhen – einschließlich Normalisierungsbestrebungen und Integration –, würden in Gefahr geraten. Die Sicherheitskorridore könnten unter anhaltendem Beschuss zusammenbrechen. Anstatt den Iran einzudämmen, könnte ein umfassender Krieg Teheran und seine Verbündeten als unaufhaltsame Regionalmacht festigen und den Übergang zu einer multipolaren Ordnung beschleunigen, in der russische und chinesische Einflüsse auf Kosten der atlantischen Dominanz zunähmen.

Szenario zwei: Hartes Gleichgewicht unter neuen Regeln

Ein zweites Szenario beruht auf der Wiederherstellung der Abschreckung nach einem wechselseitigen Schock. Wenn Washington zu dem Schluss kommt, dass eine weitere Eskalation untragbare militärische und politische Verluste bringen würde, und Teheran seine Botschaft als ausreichend vermittelt ansieht, könnte ein inoffizieller Waffenstillstand zustande kommen. 

Unter solchen Bedingungen würde das US-israelische Lager die Unterbrechung des iranischen Nuklearprogramms als strategischen Erfolg darstellen und gleichzeitig von einem expliziten Regimewechsel absehen. Der Iran würde direkte Angriffe auf US-Basen und israelische Stellungen als Beweis dafür werten, dass die westliche Unverletzlichkeit beendet ist. Die Konfrontation würde in eine neue Phase des Schattenkrieges übergehen, die von härteren, aber weniger strengen Einsatzregeln bestimmt wird.

Doch die Rückkehr der Hisbollah erschwert eine rasche Deeskalation. Ein gleichzeitiges Engagement an mehreren Fronten verringert die Wahrscheinlichkeit einer schnellen bilateralen Einigung. Raketenbeschuss, Cyber-Operationen, gezielte Tötungen und abgestimmte Angriffe könnten zu regelmäßigen Signalmechanismen werden. Die Region würde sich in einer permanenten Grauzone befinden, weder in einem umfassenden Krieg noch in einem stabilen Frieden. Ökonomische Stabilität wäre ständig von Konflikten bedroht.

Szenario drei: Anhaltender Abnutzungskrieg

Teheran könnte sich auch für einen langwierigen Abnutzungskrieg entscheiden, der die Logik der US-Präsenz untergraben soll, ohne eine überwältigende Vergeltungsaktion auszulösen. Anstatt Washington einen Vorwand für die Zerstörung der Infrastruktur zu liefern, könnten Iran und seine Verbündeten die Kosten schrittweise erhöhen.

Bei diesem Ansatz wird jeder US-Stützpunkt zu einer befestigten Anlage, die unter ständigem Beschuss von Drohnen und Raketen steht. Hormus und Bab al-Mandab könnten periodischen Störungen ausgesetzt sein, die ausreichen, um die Märkte zu destabilisieren, ohne jedoch einen vollständigen Stillstand herbeizuführen. Israel würde wahrscheinlich Attentate und verdeckte Operationen intensivieren und so die Zyklen der Vergeltung verschärfen. Das anhaltende Engagement der Hisbollah aus dem Libanon würde die militärischen Kapazitäten und die Luftverteidigung Israels zusätzlich belasten.

Über Monate hinweg könnte der stetige Verbrauch von Munitionsbeständen, Abfangsystemen und Verteidigungshaushalten die strategische Begründung für einen Vorwärtseinsatz untergraben. Gleichzeitig übt die Abnutzung internen Druck auf Iran und Libanon aus. Eine anhaltende Konfrontation unter verschärften Embargos erfordert wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit, sozialen Zusammenhalt und politische Stabilität. Externe Akteure würden versuchen, jegliche interne Spaltungen auszunutzen.

Szenario vier: Entscheidender Schock und rasche Neubewertung

Ein letztes Szenario sieht einen raschen strategischen Bruch vor. Eine Hypothese geht davon aus, dass der anfängliche Angriff die iranischen Kommandostrukturen erfolgreich lähmt und weitreichende Zugeständnisse im Hinblick auf das Atom- und Raketenprogramm erzwingt. Die Geschwindigkeit und das Ausmaß der iranischen Vergeltungsaktion, durchgeführt trotz Verlust hochrangiger Führungspersönlichkeiten, stellen dieses Szenario jedoch in Frage.

Die Alternative basiert auf einem unerwarteten Rückschlag für die USA. Ein direkter Treffer auf einen wichtigen Marinestützpunkt, die Zerstörung eines zentralen Kommandozentrums wie des Hauptquartiers der Fünften Flotte oder Angriffe, die mehrere Stützpunkte lahmlegen, könnten in Washington innenpolitische Gegenreaktionen auslösen, die ein sofortiges Umdenken erzwingen. Sollte Israel anhaltendem Präzisionsfeuer ausgesetzt sein, das die Kerninfrastruktur bedroht, stünden die US-Politiker vor dem Risiko, dass ein fortgesetzter Krieg ihren wichtigsten regionalen Ankerpunkt gefährdet.

Titelkarte: NordNordWest, Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE