Erhebliche Hindernisse stehen einem möglichen Durchbruch in Islamabad an diesem Wochenende im Weg. Sind die Waffenstillstandsgespräche zwischen den USA und dem Iran in Pakistan zum Scheitern verurteilt?
Der Beitrag erschien am 10. April 2026 auf Englisch auf der Seite des Quincy Institute for Responsible Statecraft responsiblestatecraft.org
Von Farah N. Jan
Farah N. Jan ist Dozentin für Internationale Beziehungen an der Universität von Pennsylvania. Ihre Schwerpunkte sind die Verbreitung von Nuklearwaffen, Bündnispolitik und Sicherheitsdynamiken in Südasien und dem Nahen Osten. Sie schreibt derzeit ein Buch über die Sicherheitspartnerschaft zwischen Pakistan und Saudi-Arabien
Am Samstag treffen sich iranische und amerikanische Unterhändler in Islamabad zu den ersten direkten Gesprächen seit Kriegsbeginn am 28. Februar. Das von Pakistan vermittelte Treffen ist der erste Test dafür, ob der Waffenstillstand vom 7. April in eine dauerhafte Vereinbarung umgewandelt werden kann. Die Hindernisse sind gewaltig.
Sowohl die USA als auch der Iran haben den Sieg erklärt und darauf bestanden, dass die Gespräche unter ihren Bedingungen beginnen. Israel hat unterdessen seine Bombardierungen im Libanon fortgesetzt. Kommt nun noch Pakistan als Vermittler hinzu, haben wir vier Akteure, die teilweise ein Vetorecht bei der Beendigung des Krieges haben und sich darüber uneinig sind, was es tatsächlich bedeutet, diesen Krieg zu beenden. Um die Gründe dafür zu verstehen, muss man die diplomatische Inszenierung dieses Wochenendes beiseite lassen und die tieferen Dynamiken betrachten, die einem Abkommen entgegenstehen.
Das Verhandlungsproblem
Experten für Kriegsbeendigung argumentieren, dass Konflikte enden, wenn beide Seiten eine Verhandlungslösung finden, die sie dem Weiterkämpfen vorziehen. Diese These klingt zunächst einleuchtend, bis man die strukturellen Hindernisse untersucht, die diesen Krieg so widerstandsfähig gegen eine Lösung gemacht haben. Drei Mechanismen erklären warum.
Der erste Mechanismus ist das Informationsproblem. Kriege werden unter anderem geführt, um offenzulegen, was die Diplomatie verbirgt: wie entschlossen jede Seite ist, ihre Ziele zu erreichen, und wie viel Leid sie dafür in Kauf zu nehmen bereit ist. Nach sechs Wochen andauernder Angriffe haben beide Seiten ein klareres Bild von der Entschlossenheit der USA und der Fähigkeit des Iran, Treffer einzustecken und weiterzukämpfen.
Das größere Hindernis ist das Verpflichtungsproblem. Der Iran hat bereits Verifikationsregime akzeptiert, wie das JCPOA bewiesen hat. Doch die Vereinigten Staaten und Israel begannen diesen Krieg, während die Verhandlungen noch aktiv liefen und der omanische Vermittler einen Durchbruch als „in greifbarer Nähe“ betrachtete. Formale Verpflichtungen erfordern nicht nur Mechanismen, sondern auch das Vertrauen, dass die Gegenseite sie einhalten wird. Dieses Vertrauen wurde am 28. Februar zerstört, als die Bomben fielen, während die Diplomaten noch verhandelten.
Keine der beiden Seiten kann sich derzeit glaubwürdig festlegen: Der Iran kann nicht darauf vertrauen, dass ein neues Abkommen auch unter der nächsten israelischen Regierung Bestand hat. Washington kann nicht darauf vertrauen, dass der Iran die zerstörten Anlagen nicht wieder aufbaut, sobald der Druck nachlässt. Der 15-Punkte-Vorschlag der USA verschärft das Problem zusätzlich, indem er neben nuklearen Beschränkungen auch ein Aussetzen der Raketenprogramme und Bedingungen fordert, die einem Regimewechsel gleichkommen. Der Iran hat diese Bedingungen bereits als „extrem gierig und unvernünftig“ zurückgewiesen.
Der dritte Mechanismus ist wohl der grundlegendste: die Unteilbarkeit der Angelegenheit. Irans Wissen über die Urananreicherung kann nicht ausgelöscht werden. Und seine verbliebene Infrastruktur, so stark beschädigt sie auch sein mag, kann ohne den Zugang, den Teheran bereits verweigert hat, nicht vollständig verifiziert werden. Entweder behält der Iran die technischen Kapazitäten für einen schnellen Durchbruch – oder nicht. Diese Dichotomie ist keine Verhandlungsposition, sondern ein strukturelles Merkmal des Problems. Sie nimmt genau jenen ambivalenten, umstrittenen Endpunkt vorweg, auf den wir zusteuern.
Israel kontrolliert den Einstieg, nicht den Ausstieg
Die Vereinigten Staaten und Israel begannen diesen Krieg gemeinsam am 28. Februar. Doch wie Außenminister Marco Rubio einräumte, bestand Amerikas eigentliche Wahl nicht darin, ob man kämpfen, sondern wie man folgen sollte. Israels Kalkül bestimmte Washingtons Optionen. Wenn ein Verbündeter sein Engagement bedingungslos macht, überträgt er die Macht der Agendasetzung an den Juniorpartner.
Und was für den Einstieg gilt, gilt noch mehr für den Ausstieg: Einen Krieg zu beginnen und ihn zu beenden, erfordert unterschiedliche Arten von Macht. Israels Beendigungsbedingung ist die anspruchsvollste aller Akteure in diesem Konflikt: nicht nur ein geschwächtes iranisches Atomprogramm, sondern ein Regime, das bis zur strategischen Irrelevanz geschwächt ist. Diese Hürde wurde nicht genommen. Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu kann kein Kompromissabkommen akzeptieren, ohne in seiner Koalition Empörung auszulösen.
Robert Putnams Zwei-Ebenen-Spielmodell stellt diese Falle präzise dar: Ein Staat- oder Regierungsschef muss gleichzeitig internationale Verhandlungspartner und die heimische Öffentlichkeit zufriedenstellen. Wenn diese beiden Anforderungen den Chef in entgegengesetzte Richtungen ziehen, ist er gelähmt. Das gibt ihm zwar die Macht, jedes Abkommen zu blockieren, das seinen Bedingungen nicht genügt, aber nicht den Hebel, um das Ergebnis zu erzielen, das seinen Bedingungen genügt.
Das ist die Falle in ihrer reinsten Form. Israel kann ein Abkommen blockieren, das ihm nicht passt. Der Waffenstillstand, den israelische Beamte umgehend als unzureichend und für den Libanon nicht anwendbar bezeichneten, zeigt die Grenzen der Fähigkeit Washingtons auf, den Krieg zu selbst gewählten Bedingungen zu beenden.
USA verfügen über die materiellen, aber nicht über die politischen Hebel
Die USA traten in diesen Krieg ein ohne ein klar definiertes, eigenes Ziel, das sich von Israels Zielen unterschieden hätte und unter amerikanischen Bedingungen erreichbar gewesen wäre. Wie Rubio einräumte, stand die Regierung nie vor der Wahl zwischen Krieg und Frieden, sondern zwischen zwei Wegen in denselben Konflikt. Ohne ein unabhängiges Ziel fehlt Washington eine Grundlage dafür, den Sieg zu verkünden und abzuziehen. Die Kriterien für den Ausstieg sind der Erfolgsdefinition des Verbündeten entlehnt.
Washington hat Israels Ziele – die Schwächung des Regimes und die Neutralisierung der Atomwaffen – formell übernommen und sich gleichzeitig als potenzieller Verhandlungspartner Teherans positioniert. Das ist der Widerspruch im Kern der amerikanischen Strategie: Man kann nicht mit einem Regime verhandeln, das man gleichzeitig zu zerstören versucht. Trumps Schwanken zwischen der Drohung, den Iran „zurück in die Steinzeit“ zu befördern, und der Schilderung „sehr guter und produktiver Gespräche“ mit Teheran im selben Nachrichtenzyklus ist die logische Folge einer Strategie, die von Anfang an nie kohärent war.
Die Umfragen bestätigen den innenpolitischen Druck. Nur 34 % der Amerikaner befürworten den Krieg im Iran, ein Rückgang um sieben Prozentpunkte seit Kriegsbeginn. Selbst innerhalb der republikanischen Koalition lehnen mittlerweile 28 % den Krieg ab. Und fast ein Drittel meint, der Krieg lohne sich nicht, wenn der Benzinpreis um einen Dollar pro Gallone steigt. Der Druck auf Trump, den Krieg zu beenden, wächst, und nun hat er einen Ausweg gefunden. Der Waffenstillstand wurde jedoch von Pakistan vermittelt, basiert auf einem iranischen Zehn-Punkte-Plan und wurde von Israel nur widerwillig akzeptiert.
Der Iran weiß, wie man wartet
Teherans öffentliche Position ist konsistent, auch wenn die internen Kalkulationen undurchsichtig bleiben. Irans Ziel ist das Überleben des Regimes mit intakter Urananreicherung – nicht der Sieg, sondern die Kontinuität. Das ist ein deutlich niedrigeres Ziel als das, das sich jeder andere Akteur in diesem Konflikt setzt. Und genau deshalb ist es am ehesten erreichbar.
Hier ist Hein Goemans’ Arbeit zum Thema Machterhalt aufschlussreich. Führungskräfte, die im Falle einer Niederlage mit schwerwiegenden innenpolitischen Konsequenzen – bis hin zur Destabilisierung des Regimes oder Volksaufstand – rechnen müssen, werden länger kämpfen und schlechtere Bedingungen in Kauf nehmen als jene, die sich würdevoll aus der Politik zurückziehen können.
Die iranische Führung verhandelt aus einer existenziellen Notwendigkeit heraus. Gefährlicher als ein langwieriger Konflikt könnte für das Regime eine Einigung sein, die einer Kapitulation gleichkommt. Sie böte der Kritik im Inland und der iranischen Bevölkerung die Gelegenheit, die sie brauchen, um die Legitimität des Regimes infrage zu stellen. Dies erklärt, warum der Iran den 15-Punkte-Vorschlag der USA formell als „extrem gierig und unvernünftig“ zurückgewiesen hat. Das iranische Außenministerium erklärte: „Verhandlungen sind in keiner Weise vereinbar mit Ultimaten, Verbrechen oder der Drohung, Kriegsverbrechen zu begehen.“
Auch wenn der Iran den Waffenstillstand akzeptierte, erklärte er, dass der Krieg andauere und behielt „den Finger am Abzug“. Dieses Signal schließt ein Abkommen zwar nicht aus, unterstreicht aber die Entschlossenheit des Iran, eine öffentliche Kapitulation zu vermeiden. Die Bedingungen entwickeln sich zu Gunsten des Iran. Der Druck der Zwischenwahlen in Washington, eine schrumpfende Weltwirtschaft und steigende Ölpreise drängen die USA zu einer Einigung. Teheran weiß abzuwarten, die wirtschaftliche Lage spielt ihm in die Karten.
Drei Kriege, drei Enden – und eine Pause
Irans Zehn-Punkte-Vorschlag, der Teheran die Koordinierungsbefugnis über Hormus sichert und die vollständige Aufhebung der Sanktionen fordert, deutet darauf hin, dass das Land aus Stärke und nicht aus Verzweiflung verhandelt. Die Waffenruhe bestätigt, was die Verhandlungstheorie vorhergesagt hat: Dieser Konflikt wird nicht mit einer klaren Einigung enden, sondern mit einer Reihe von umstrittenen Pausen.
Die eingangs angesprochenen Probleme hinsichtlich der Verbindlichkeit bleiben ungelöst, und ein zweiwöchiger Waffenstillstand ändert daran nichts. Die Pause dauert nur wenige Tage. Die strukturellen Probleme, die sie hinterlässt, sind generationenübergreifend. Niemand hat gewonnen, auch wenn alle das behaupten werden. Die nächste Krise wird bereits mit den Bedingungen dieser Krise vorbereitet.
Titelbild: Serena Hotel Islamabad – Foto von Junsu Park (Pexels)